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1947, IV. Quartal
Mittwoch, 1. Oktober 1947
„Bekanntmachung
Regimentsfahnen der Besatzungseinheiten
Die Regimentsfahnen der alliierten Besatzungseinheiten sind geweiht und sind als solche mit der erforderlichen Ehrerbietung in der Öffentlichkeit zu beachten. Die deutsche Polizei in Uniform hat dieselben zu grüßen. Alle anderen männlichen Passanten haben ihre Kopfbedeckung abzunehmen.
Auf Befehl der Militär-Regierung“
Amtliches Mitteilungsblatt für den Kreis Düren vom 1. Oktober 1947
Donnerstag, 2. Oktober 1947
„Opfer des Rassenwahns.
Düren. Der Landkreis Düren zählte am 1. Januar 1933 717 Juden. Am 1. Januar 1939 waren davon noch 429 ansässig. In der Nazizeit, hauptsächlich während des Krieges, wurden aus den ländlichen Gemeinden des Kreises Düren 145 Juden verschleppt. Die betreffende Zahl für das Stadtgebiet Düren ist nicht zu ermitteln. Während von etwa 30 Personen feststeht, daß sie nach Polen transportiert wurden, weiß man von den übrigen 115 nur, daß sie in zwei hiesige Durchgangslager gebracht worden sind, von wo sie mit unbekannten Zielen abtransportiert wurden. Sogenannte Konzentrationslager haben im Kreise Düren nicht bestanden. Vor Ausbruch des Krieges sind von den ländlichen Gemeinden des Kreises 126 Juden emigriert. Die entsprechenden Zahlen der Stadt Düren sind auch hier nicht bekannt.
Nach dem Kriege haben 49 von den früher im Berichtsgebiet ansässig gewesenen Juden ein Lebenszeichen gegeben. Ihre augenblicklichen Aufenthaltsorte sind meist in Übersee. 17 Juden sind wieder zurückgekehrt und haben sich in der Stadt bzw. im Kreis Düren niedergelassen. Nur von insgesamt vier Juden liegen amtlich bestätigte Todesnachrichten vor.“
Volksstimme vom 2. Oktober 1947
Montag, 13. Oktober 1947
„In Brüssel starb Max Oppenheim.
Brüssel. Max Oppenheim kam im Jahre 1901 als Lehrer nach Düren und war gleichzeitig stellvertretender Rabbiner bei der jüdischen Gemeinde. Er hat es verstanden sich das Vertrauen der bürgerlichen Kreise und der Behörden Dürens zu erwerben. Er war geachtet und beliebt.
In den Ausschüssen besonders jedoch in den Wohltätigkeitsausschüssen war er ein sehr reges Mitglied. Kurz vor dem Brand der Synagoge ist er nach Belgien gegangen und nicht mehr zurückgekehrt. Lediglich einige Wochen im Jahre 1946 weilte er in Düren und war erschüttert, was aus der einstigen schönen Stadt geworden ist. Er hatte vor, sein Haus wieder aufzubauen und in seiner zweiten Heimat, wo er 38 Jahre lang tätig war, seinen Lebensabend zu verbringen.“
Volksstimme vom 13. Oktober 1947
Mittwoch, 22. Oktober 1947
Nach Instandsetzungen an dem zu 60% zerstörten Gasnetz werden 164 Haushaltungen wieder an die Gasversorgung angeschlossen. Bis März 1948 sind von 80 km Netz wieder 12,5 km in Betrieb.
StAD VW 1947, Stadtwerke
Samstag, 25. Oktober 1947
„Resolution gegen die Demontage
Düren. Die letzte Stadtratssitzung war überschattet von dem großen Schlag, den die Dürener Industrie und damit der Wiederaufbau der Stadt und des Kreisgebietes durch die angekündigte Demontage der Firma Zimmermann & Jansen, Düren-Rölsdorf, erleiden wird […]“
Aachener Volkszeitung vom 25. Oktober 1947
Oktober 1947
Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen stuft den Kreis Düren in die höchste Beschädigungsstufe „Sehr stark beschädigt“ (Stufe 1; bisher „mittelbeschädigt“ = Stufe 3) ein. Die Zuteilungsrate von bisher 40% erhöht sich damit auf 100%.
Domsta/Krebs/Krobb, Zeittafel, S. 238
Samstag, 1. November 1947
Der ehemalige, schon unter Bürgermeister Schmitz tätige Stadtbaurat Dr. Walther Kenneweg wird wieder im Stadtplanungsamt eingestellt.
Kussinger-Stankovic, Düren. Gesicht einer Stadt der 1950er Jahre, S. 12
Donnerstag, 6. November 1947
„Wohnungen in der Riemann-Kaserne. Um die große Wohnungsnot in der Stadt Düren in etwa zu beheben, ist vom Oberfinanzpräsidenten auf Antrag hin die Riemann-Kaserne für den Ausbau von Wohnungen freigegeben worden. Nach abgeschlossener Verhandlung mit dem Oberfinanzpräsidenten seitens der Stadtverwaltung wird sofort mit den Arbeiten begonnen werden.“
Volksstimme vom 6. November 1947
Samstag, 8. November 1947
„Denunziant freigesprochen. Vor der Aachener Strafkammer endete ein Prozeß gegen den in Düren wohnhaften Angeklagten Hermann Derbe wegen Verstoßes gegen das Kontrollratsgesetz Nr. 10 (Verbrechen gegen die Menschlichkeit) mit einem Freispruch. Derbe hatte 1939 einen benachbarten Arzt, wegen Abhörens des Londoner Senders zur Anzeige gebracht, worauf der Arzt zu  zwei Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Der Freispruch wurde im wesentlichen damit motiviert, daß es sich bei der Tat des Angeklagten nicht um eine Verfolgung aus politischen Gründen handelte, sondern um Streitigkeiten stark verfeindeter Parteien, die sich mit allen Mitteln und Möglichkeiten gegenseitig bekämpften.“
Aachener Volkszeitung vom 8. November 1947
Sonntag, 16. November 1947
Betrieb der elektrischen Straßenbahn Düren-Birkesdorf wieder aufgenommen.
Domsta/Krebs/Krobb, Zeittafel, S. 238
Mittwoch, 19. November 1947
„Stromeinsparungen in Düren. Die Stromabschaltungen im Zuge der Stromeinsparungen erfolgen in Düren getrennt nach den Gebieten West-, Süd-, Ost- und Norddüren, so daß jeden vierten Tag für die Haushalte und Kleingewerbetreibende ein Stromausfall von 8-12 und von 14-17 Uhr zu verzeichnen ist […]“
Aachener Volkszeitung vom 19. November 1947
Freitag, 21. November 1947
Die etwa 50 qm große Notkapelle St. Anna auf dem Gelände des ehemaligen Waisenhauses wird eingeweiht.
Gatz, Waisenhaus, S. 36; AVZ, 22.10.1947[?]; Domsta/Krebs/Krobb, Zeittafel, S. 238
Montag, 1. Dezember 1947
Die Stadt hat 29.535 Einwohner.
Domsta/Krebs/Krobb, Zeittafel, S. 238
Freitag, 12. Dezember
Oberbürgermeister Richard Bollig (CDU) wiedergewählt.
Domsta/Krebs/Krobb, Zeittafel, S. 238
Samstag, 13. Dezember 1947
Landrat Armin Renker wiedergewählt.
Domsta/Krebs/Krobb, Zeittafel, S. 238
Montag, 15. Dezember 1947
„Milchversorgung. Infolge der überaus großen Dürre und des schlechten Futterertrages ist das Milchaufkommen geradezu katastrophal abgesunken. Es wird in Kürze nicht mehr möglich sein, den Milchbedarf für Säuglinge und Kleinkinder sowie für Kranke sicherzustellen.“
Amtliches Mitteilungsblatt für den Kreis Düren vom 15. Dezember 1947
Samstag, 27. Dezember 1947
Die Straßenbahnstrecke Düren-Rölsdorf-Lendersdorf wird von der westlichen Seite der Johannesbrücke aus in Betrieb genommen.
Domsta/Krebs/Krobb, Zeittafel, S. 238
Dezember 1947
Die Finanzminister der Länder der britischen Zone besuchen Düren, um den Länderfinanzausgleich vorzubereiten.
Domsta/Krebs/Krobb, Zeittafel, S. 238
Dezember 1947
Bewirtschaftete Güter des täglichen Bedarfs: Teller, Tassen, Schüsseln, Betten, Betteinlagen, Bettwäsche, Brennholz, Schränke jeder Art, Seife, Waschmittel, Zündhölzer, Petroleum, Rasierklingen, Braunkohlen-Briketts, Männer-, Knaben-, Frauen-, Mädchen- und Kinderkleidung, Garne, Zwirne, Schuhe, Lederwaren, Säuglingsausstattung.
StAD VW 1947, Bericht der städtischen Wirtschaftsstelle; Domsta/Krebs/Krobb, Zeittafel, S. 238
Dezember 1947
Enttrümmerung der kriegszerstörten Bismarckbrücke über die Rur und Bau eines Notsteges begonnen. – Entschuttung und Kriegsschädenbeseitigung am Dürener Mühlenteich weitgehend abgeschlossen, an den anderen Teichen und sonstigen Wasserläufen noch im Gange. Reparaturen des schwer beschädigten Kanalnetzes schreiten fort; es ist von etwa 15.000 Personen benutzbar.
StAD VW 1947, Bauamt, Tiefbauamt; Domsta/Krebs/Krobb, Zeittafel, S. 239