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1947, II. Quartal
Dienstag, 1. April 1947
Die Ortsverwaltung der IG Metall stellt Peter Geuer als Geschäftsführer ein. Im Laufe des Jahres 1949 folgt mit Michael Claassen ein weiterer Hauptamtlicher.
Dem Leben Zeit und Zukunft geben. 100 Jahre IG Metall, Düren 1991, S. 11
Freitag, 11. April 1947
„Der SPD-Kreisverband Düren organisierte für den 11. April eine Großveranstaltung [zur Landtagswahl am 20. April 1947] auf dem Gelände des Fuhrparks. Gerhard Fuß hatte dazu den Parteivorsitzenden Dr. Schumacher gewonnen. Das Gelände war dicht gefüllt mit Menschen.“
Röhlich, S. 109
Mittwoch, 16. April 1947
Die Stadtvertretung beschließt, den Entwurf des Baurates Dauer zum Wiederaufbau der Stadt Düren als Rahmenplan anzunehmen.
„Eine richtungweisende Entscheidung zur Form der zukünftigen Stadtgestaltung wurde in der Sitzung der Stadtvertretung vom 16. April 1947 beraten und gefällt. Zur Diskussion standen drei Wiederaufbau-Entwürfe, verfaßt von den Architekten Dipl.-Ing. Kahlen und Dipl.-Ing. Schaaf sowie vom Stadtplanungsamt unter Federfürhung von Heinrich Dauer. Zur fachlichen Bewertung der Entwürfe waren zwei Gutachter bestellt, die ihre Eregebnisse in der Sitzung referierten. Oberbaurat Hunold aus Aachen und Prof. Renfert aus Düsseldorf legten bei ihren Bewertungen fast ausschließlich Gewicht auf die Planung des Straßenverkehrs. Sie kamen zu dem Ergebnis, daß Umgehungsstraßen keine praktikable Lösung der anstehenden Probleme darstellten, da sie die Stadt von einer ‘gewissen Blutzufuhr’ abschnitten. Stattdessen sei es richtig, den Durchgangsverkehr möglichst dicht an die Stadt heranzuführen, vom Kern aber fernzuhalten. Diese später revidierte Auffassung ist deutlich von der Sorge getragen, die innerstädtischen Trümmerfelder könnten liegenbleiben, während der Aufbau sich in den Randbereichen vollzieht.
Angesichts ihrer verkehrstechnischen Überlegungen gaben die Gutachter dem Plan Heinrich Dauers eindeutigen Vorzug. Hunold lobte Stadtbaurat Dauer ausdrücklich als einen Mann, ‘der die überörtlichen Gesichtspunkte gleicherweise wie die Belange der Stadt’ beurteilen könne. Daneben stand die räumlich-architektonische Neugestaltung der Dürener Stadtmitte weit weniger im Blickfeld der beiden Gutachter. Sie war aber entscheidend für die Aufbaudiskussion, weil dabei die eigentumsrechtlichen Belange der Grundbesitzer berührt wurden. Aussagen dazu können anhand der erhaltenen Pläne gemacht werden. Allerdings liegt der Entwurf von Dipl.-Ing. Kahlen heute nicht mehr vor. Er war von den Gutachtern verworfen worden, weil er im wesentlichen den alten Stadtgrundriß übernahm.“
Domsta, Düren 1940-1947, S. 424; Otten, Mag.-Arbeit, S. 7
Mittwoch, 16. April 1947
Vertrag zwischen der Stadt Düren und der Firma Hermann Milke, Soest, zur großräumigen Entschuttung der Stadt. Die Trümmer werden von der Stadt beschlagnahmt, die als Gegenleistung die Kosten der Entschuttung übernimmt (Beschluss vom 19. Mai). Beginn der Entschuttung unter Einsatz von Bagger und Greifer am 26. Juni.
Domsta/Krebs/Krobb, Zeittafel, S. 236
Mittwoch, 16. April 1947
„Frecher Raubüberfall auf Molkerei
Düren. Von drei Banditen, wovon einer mit einer Pistole bewaffnet war, wurde in einer Nacht der vergangenen Woche auf die Milchverwertung an der Mariaweiler Landstraße ein überaus dreister Raubüberfall ausgeführt. Den Burschen, die anscheinend ein Fahrzeug zur Verfügung hatten, fielen 500 Büchsen Kondensmilch in die Hände. Der Versuch, den Butterkeller zu erbrechen, mißlang, da derselbe zu stark gesichert war […]“
Aachener Volkszeitung vom 16. April 1947
Sonntag, 20. April 1947
Erste Wahl zum Landtag des Landes Nordrhein-Westfalen.
April 1947
Der SPD-Kreisverband Düren kann seine neue Geschäftsstelle in der Holzstraße 52 beziehen. Heinz Meisen aus Birkesdorf wird erster Parteisekretär.
Röhlich, S. 110
Samstag, 3. Mai 1947
Die Kreise und Städte Düren und Jülich geben die Denkschrift „Hürtgenwald und Rurlandnot“ heraus. Sie gibt an Hand von Zahlenmaterial ein eindrucksvolles Bild von den Zerstörungen und den Nöten.
Hürtgenwald und Rurlandnot. Denkschrift der Landkreise Düren und Jülich, Düren, Mai 1947; Domsta/Krebs/Krobb, Zeittafel, S. 237
Mittwoch, 7. Mai 1947
„Birkesdorf.  In eine Schuhgroßhandlung wurde ein schwerer Einbruchsdiebstahl verübt. Die Diebe entwendeten eine beträchtliche Menge Schuhe, die mit einem Fahrzeug abgefahren werden mußten. Die polizeilichen Ermittlungen sind im Gange. – Gleichfalls wurde ein Kolonialwarengeschäft von Dieben heimgesucht, die Eier, Margarine, Zucker und sonstige Lebensmittel mitgehen ließen.“
Aachener Volkszeitung vom 7.Mai 1947
Montag, 19. Mai 1947
„Schließung des Wirtschaftsamts
Die Stadtverwaltung gibt bekannt: Auf Beschluß der Stadtvertretung vom 19. Mai ist die Wirtschaftsstelle der Stadt geschlossen worden. Der Beschluß erfolgte deshalb, weil zur Zeit keine Bezugsscheine für Bedarfsgüter eingegangen sind und auch vorläufig nicht erwartet werden. Diese Maßnahme ist im Interesse der Bevölkerung erlassen worden, um zu verhindern, daß die Einwohner unnötigerweise auf der Wirtschaftsstelle warten müssen […]“
Aachener Volkszeitung vom 24. Mai 1947
Montag, 2. Juni 1947
„Gürzenich marschiert wieder.
Gürzenich feierte an den Pfingsttagen wieder sein altgewohntes Schützenfest. Wie man hört sollen es die Schützenbrüder der Militärregierung sehr übel genommen haben, daß sie die aus Wilhelms Zeiten bekannte und in Adolfs Zeiten wieder auferstandene Parade auf dem Marktplatz in diesem Jahr nicht zugelassen hat. Aber etwas haben sie doch erreicht. Sie durften wieder Uniformen tragen und am Pfingstmontagnachmittag und im gleichen Schritt und Tritt unter Trommel- und Pfeifenklang mit der Armbrust bewaffnet durch die Straßen ziehen […]“
Volksstimme vom 2. Juni 1947
Donnerstag, 5. Juni 1947
„Ernährungslage immer noch kritisch.
Düren. In der verflossenen Zuteilungsperiode hat sich die Ernährungslage weiterhin verschlechtert. Für Düren konnte nur 1/3 des uns zustehenden Fleisches ausgegeben werden. Speisekartoffeln gelangten keine zur Ausgabe. – Der Kalorienwert der verausgabten Lebensmittel belief sich in der letzten Versorgungsperiode auf durchschnittlich 802 Kalorien täglich für den Normalverbraucher.“
Volksstimme vom 5. Juni 1947
Donnerstag, 5. Juni 1947
In einer Rede an der Harvard-Universität skizziert der amerikanische Außenminister George C. Marshall die Grundsätze des später nach ihm benannten „European Recovery Program“, des „Marshallplans“: „Unsere Politik richtet sich nicht gegen irgendein Land oder irgendeine Doktrin,sondern gegen Hunger, Armut, Verzweiflung und Chaos. Ihr Zweck ist die Wiederbelebung einer funktionierenden Weltwirtschaft, damit die Entstehung politischer und sozialer Bedingungen ermöglicht wird, unter denen freie Institutionen existieren können. […] Eines ist schon jetzt klar: Bevor die Vereinigten Staaten ihre Bemühungen zur Besserung der lage fortsetzen und zum Gesundungsprozeß der europäischen Welt beitragen können, müssen die Länder Europas untereinander zu einer Einigung darüber kommen, was die gegenwärtige Lage am dringendsten erfordert und inwieweit die Länder Europas selbst dazu beitragen können, eine volle Auswertung der Maßnahmen unserer Regierung zu erzielen.“
Insgesamt erhielt die Bundesrepublik bis 1952 rd. 1,4 Mrd. Dollar aus dem Marshallplan; Großbritannien 3,4; Frankreich 2,8; Italien 1,4. Seit Juli 1946 bis März 1950 erhielten die Westzonen und West-Berlin außerdem amerikanische GARIOA[Government And Relief In Occupied Areas]-Mittel – in erster Linie Nahrungsmittel, Saatgut, Düngemittel – in Höhe von rd. 1,6 Mrd. Dollar.
Steininger, Deutsche Geschichte 1945-1961, Bd. 1, S. 235, 241
Sonntag, 15. Juni 1947
„Düren: 28 845 Einwohner. Ein interessantes Zahlenmaterial liefert die jetzt fertiggestellte statistische Aufstellung über den Einwohnerstand der Stadt Düren. Demnach sind nach dem Stande vom 15. Juni als in Düren wohnhaft gemeldet 28 845 , davon 13 171 Männer und 15 674 Frauen […]“
Aachener Nachrichten vom 24. Juni 1947
Samstag, 21. Juni 1947
„Im Dürener Flüchtlingslager sind zahlreiche Ostflüchtlinge eingetroffen, die in den Kreis Düren aufgenommen werden sollen.“
Aachener Volkszeitung vom 21. Juni 1947
Samstag, 28. Juni 1947
„Von der Schußwaffe machten an einem Abend dieser Woche alliierte Soldaten, die als Kohlenbewachungskommando eingesetzt waren, Gebrauch. Als in den Abendstunden beim Umrangieren eines Zuges an der Arnoldsweilerbrücke sich mehrere hundert Personen eingefunden hatten, um sich an den Kohlen zu vergreifen, forderte das Bewachungskommando die „Belagerer“ auf, das Bahngelände zu räumen. Dieser Aufforderung wurde nur widerstrebend Folge geleistet und die Wachmannschaften bedroht und beschimpft. Drauf gaben die Soldaten mehrere Schüsse ab, durch die eine Frau einen Gesäßsteckschuß und ein Mann Armverletzungen davontrug.“
Aachener Volkszeitung vom 28. Juni 1947
Samstag, 28. Juni 1947
„Die ersten Flüchtlinge!
Düren. In den letzten Tagen sind im Flüchtlingsheim Flüchtlinge eingetroffen, die dem Kreise Düren zur Aufnahme zugewiesen wurden. 161 Personen, Männer, Frauen und Kinder, die so auf ihrem langen, beschwerlichen Weg aus ihrer verlorenen Heimat über unzählige Lager und Flüchtlingsstationen endlich die letzte Etappe, ihren neuen Heimatkreis erreicht haben […]
Von 1000 dem Regierungsbezirk zugewiesenen Flüchtlingen werden 250 in den Kreis Düren gebracht werden. Sie müssen Wohnung und Arbeit im Kreisgebiet finden […]“
Aachener Volkszeitung vom 28. Juni 1947