LogoGW.jpg
Navi
1946, III. Quartal
Montag, 1. Juli 1946
Die Eisenbahnstrecke Düren-Heimbach wird bis Zerkall in Betrieb genommen.
StAD B 159; Domsta, 1940-1947, S. 422
Montag, 1. Juli 1946
Offizielle (Wieder)Begründung der IG Metall, Ortsgruppe Düren, in der Pförtnerloge der Dürener Metallwerke. Erster Vorsitzender wird Fritz Antons, Kassierer Anton Koll.
Dem Leben Zeit und Zukunft geben. 100 Jahre IG Metall, Düren 1991, S. 11
Samstag, 6. Juli 1946
„Düren. Der Schlachthof ist soweit wiederhergestellt, daß der Schlachtbetrieb anlaufen kann. Am 6. Juli traf zum erstenmal nach dem Krieg ein Transport Rinder aus Norddeutschland ein.“
Aachener Volkzeitung vom 17. Juli 1946
Samstag, 13. Juli 1946
Die Dürener Eisenbahn-AG. führt die Güter- und Personenbeförderung bis Merken durch, ab 30. September weiter bis Pier.
StAD B 159; Domsta, 1940-1947, S. 422
Montag, 15. Juli 1946
Die Stadtverwaltung untersagt jede Abfuhr von Baumaterial aus dem Stadtgebiet. Bei Zuwiderhandlung sollen Material und Transportmittel beschlagnahmt werden.
Amtl. Mitteilungsblatt, 1. Jg., Nr. 9 v. 15. Juli 1946; Domsta, 1940-1947, S. 243
Dienstag, 16. Juli 1946
Der Oberpräsident der Nordrheinprovinz, Lehr, und der Aachener Regierungspräsident Lude besichtigen Stadt und Kreis Düren. Oberkreisdirektor Grube beziffert die Kriegsschäden im Kreis auf 200 Millionen Mark.
AVZ 20.7.1946; Domsta, 1940-1947, S. 422
Mittwoch, 17. Juli 1946
In einem provisorischen Ausstellungsraum des Städtischen Elektrizitätswerks in der Paradiesstraße wird die erste Kunstausstellung des Leopold-Hoesch-Museums nach dem Kriege eröffnet. Sie zeigt Kunstwerke der Rheinischen Sezession.
„Düren. Das Leopold-Hoesch-Museum der Stadt Düren zeigt in einem neu hergerichteten Raum im Gebäude Paradiesstraße 21 vom 17. Juli bis 11. August die Ausstellung: Rheinische Künstler (Mitglieder der Rheinischen Sezession, Düsseldorf)“
AVZ 20.7.1946; Domsta, 1940-1947, S. 422; Aachener Volkzeitung vom 17. Juli 1946
Samstag, 20. Juli 1946
Die Ferngasleitungen sind bis zur Stadtgrenze wieder betriebsfähig. Zunächst sollen Nord-Düren und Birkesdorf angeschlossen werden.
„Bekanntmachungen
Betr. Vorbereitungen für die Wiederaufnahme der Gasversorgung für das Stadtgebiet Düren und Birkesdorf. Die Ferngasleitungen sind bis zum Stadtgebiet wieder betriebsfährg. Die Vorarbeiten für die Wiederinbetriebnahme des Stadtrohrnetzes durch die Stadtwerke sind begonnen. Seitens der Stadtwerke werden die Hauptrohrleitungen und Hausanschlüsse bis zu den Gasmesserständen auf Schäden und Undichtigkeiten geprüft […]“
AVZ Nr. 43 vom 20. Juli 1946; Domsta, 1940-1947, S. 422
Donnerstag, 25. Juli 1946
Wo bleiben die Glühbirnen?
Wer heute das riesengroße Pech hat, daß ihm die Glühbirne in der Küche oder in sonst einem Zimmer durchbrennt, hat seine liebe Last und Lauferei, dafür eine neue zu bekommen. Es ist einfach unmöglich, man kann die ganze Stadt absuchen, man wird nirgendwo zu regulären Preisen eine Glühbirne erstehen können, im Schwarzhandel wohl, aber wir fragen, wie ist es möglich, daß dort solche Artikel zu haben sind, während sie in den Fachgeschäften fehlen? Hier wäre ein dankbares Betätigungsfeld für die Stadtverwaltung, ihr möglichstes zu tun, damit auch hierin der Bevölkerung geholfen wird, denn manche Familie sitzt heute abends buchstäblich im Dunkeln […]
Volksstimme vom 25. Juli 1946
Sonntag, 28. Juli 1946
Am alten Wasserturm erste Anna-Kirmes nach dem Kriege mit 68 Schaustellern und Unternehmen, allerdings ohne Imbiss- und Erfrischungsbuden, ohne Süßwaren- und Eisverkäufer.
AVZ 3.8.1946; Domsta, 1940-1947, S. 422
Dienstag, 30. Juli 1946
Die Maschinenfabrik Zummermann & Jansen erhält das Permit zur Herstellung von Schiebern für die gesprengte Kraftanlage in Heimbach, am 30. Januar 1947 das allgemeine Permit, wird aber am 17. Oktober 1947 für die Demontage vorgesehen.
StAD B 159. Einzige in Düren zur Demontage vorgesehene Firma. Am 22.10.1947 Resolution des Stadtrats gegen die Demontage (StAD, Ratsprotokolle Bd. 53), die schließlich unterblieb; Domsta, 1940-1947, S. 422
Donnerstag, 1. August 1946
„Leichenfledderer?
Auf einem Grundstück innerhalb der Stadt wurden die Überreste eines Dürener Bürgers gefunden, der bei dem Luftangriff vom 16. November 1944 ums Leben gekommen war und aus dessen vermoderten Kleidern nur noch eine Geldbörse sowie eine Brieftasche zum Vorschein kamen, worin man einen ansehnlichen Geldbetrag fand, der den Angehörigen übergeben werden konnte. Es wird häufig beobachtet, daß Unberufene sich an verschütteten Kellern oder ehemaligen öffentlichen Luftschutzkellern zu schaffen machen, und es besteht der Verdacht der Leichenfledderei. Manche behördlich in Augenschein genommene Leichen erwecken den Eindruck, als seien sie ausgeraubt worden […]“
Volksstimme vom 1. August 1946
Donnerstag, 1. August 1946
„Trümmerbeseitigung in der Stadt
Düren.  Die Schuttbeseitigung seitens der Firma Schneiders aus Birkesdorf macht gute Fortschritte, obwohl es allenthalben an den notwendigen Arbeitskräften mangelt, überall regen sich fleißige Hände, um das frühere Stadtzentrum freizulegen und wieder aufleben zu lassen. Am Marktplatz hat eine Lebensmittelhandlung ihr Geschäft in einem Kellerraum bezogen, der für unsere heutigen Verhältnisse vorbildlich ist. In der Oberstraße ist eine andere Lebensmittelhandlung dabei, ihr Lagerhaus, das bei dem furchtbaren Luftangriff vom 16. November 1944 als einziges Gebäude weit und breit noch ziemlich erhalten blieb, wieder einzurichten. Die Gaststätte des früheren Parkhotels ist kürzlich ebenfalls wieder eröffnet worden und wurde mit bescheidenen Mitteln geschmackvoll hergerichtet. Mit welcher Liebe unsere Bevölkerung darangeht, das Stadtzentrum neu erstehen zu lassen, beweisen zwei Geschäftsinhaberinnen aus der Oberstraße, die selbst in wochenlanger, mühevoller Arbeit Eimer um Eimer des meterhohen Schuttes abtragen, um auf der früheren Stelle ein neues Behelfslokal zu errichten.“
Volksstimme vom 1. August 1946
Donnerstag, 1. August 1946
Auf Anordnung der britischen Militärregierung Einstellung aller Leistungen an Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene nach den deutschen Versorgungsgesetzen. Der betroffene Personenkreis erhält nur Leistungen nach den Vorschriften der Reichsversicherungsordnung. Ein großer Teil der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen fällt dadurch der öffentlichen Wohlfahrt – Gemeinden und Kreisen – zur Last.
StAD VW 1946, Kb.- und Kh.-Stelle; Domsta/Krebs/Krobb, Zeittafel, S. 232
Samstag, 3. August 1946
Der Regierungspräsident verleiht mit Genehmigung der britischen Militärregierung dem Bürgermeister und dem Stadtdirektor die Bezeichnung Oberbürgermeister und Oberstadtdirektor.
StAD B 314; StAD B 171; Domsta, 1940-1947, S. 422
Samstag, 3. August 1946
„Die Dürener Annakirmes
Der starke Besuch der Annakirmes zeigt, daß die Bevölkerung aus Stadt und Kreis dem traditionellen Fest des Dürener Landes trotz sechsjähriger Unterbrechung die Treue bewahrt hat. Wenn auch manches Belustigungsunternehmen in diesem Jahre ausblieb, so ist die Zahl der 68 Schausteller und Unternehmen doch beachtlich. Leider fehlten die Imbiß- und Erfrischungsbuden, die Süßigkeiten- und Eisverkäufer. Am vergangenen Sonntag herrschte sogar ein beängstigendes Gedränge und Geschiebe und die einzelnen Karussells, Schiffschaukeln und Schaubuden hatten vollauf zu tun.“
Aachener Volkszeitung vom 3. August 1946
Freitag, 9. August 1946
„Betr.: Plan für zusätzliche Wasserversorgung der Südstadt
Um den Wasserbedarf der Bevölkerung in der Südstadt soweit wie möglich zu gewährleisten, ist seit dem 9. 8.46, neben den bekannten öffentlichen Wasserentnahmestellen eine zusätzliche Wasserversorgung mittels Feuerwehrauto eingerichtet worden.
Die Wasserbelieferung erfolgt nach dem nachstehend aufgestellten Plane:
Panzerkaserne    von  7.30- 9.00 Uhr
Weberstraße und Insel   von  9.00-10.30 Uhr
Obere Nideggener Straße   von 10.30-11.00Uhr
Mühlenweg     von 11.00-12.00 Uhr
Eberhard-Hoesch-Str., Oststr.   von 13.00-14.30 Uhr
Zülpicher Str., Agnesstr.   von 14.30-16.00 Uhr
Wörthstraße (Siedlung)   von 16.00-17.00 Uhr“
Amtliches Mitteilungsblatt für den Kreis Düren vom 1. September 1946
Samstag, 10. August 1946
„Schweizer-Siedlung für Düren
Düren. Das Schweizer Rote Kreuz will eine Anzahl Wohnbaracken aufstellen, um die dringendste Wohnungsnot zu lindern. Es handelt sich um Holzbaracken. Baurat Dauer arbeitete einen Plan zur Aufstellung dieser Siedlung aus, die im Südteil der Stadt unterhalb des Ehrenmals auf dem Fuchsberg erfolgen soll […] Im Sinne der Stifter sollen in diesen vorbildlich ausgestatteten Baracken in erster Linie Familien untergebracht werden, die durch den Krieg besonders schwer heimgesucht wurden […]“
Aachener Volkszeitung vom 10. August 1946
Donnerstag, 15. August 1946
Die Stadtvertretung beschließt, das Naturwissenschaftliche Gymnasium rückwirkend zum 1.4.1946 auf die Stadt zu übernehmen, desgleichen, Hitler und Göring als Ehrenbürger der Stadt zu streichen.
[Aus dem Protokoll:] „Oberbürgermeister Hammans eröffnete um 17 Uhr die Sitzung der Stadtvertreter […] Bei der Debatte über die Lebensmittel-Sonderzuteilung, die der Stadt Düren versagt worden ist, gab Oberbürgermeister Hammans über die von der Verwaltung in dieser Angelegenheit bereits unternommenen Schritte Rechenschaft. […] Es kam dann zu folgendem Beschluss:
1. Die Stadtvertretung nimmt einmütig mit Entrüstung und tiefstem Bedauern davon Kenntnis, dass die durch den Krieg schwerst geprüfte Stadt Düren trotz ihrer 30.000 Einwohner nicht zu den Städten zählen soll, die Lebensmittel-Sonderzulagen erhalten […] und richtet namens der gesamten Bevölkerung an die Mil-Regierung und das Oberpräsidium der Nord-Rheinprovinz die dringende Bitte um Erfüllung des in jeder Beziehung berechtigten Wunsches auf Gewährung der Sonderzulagen.
2. Die Herren Koch, Geuer und Kerres sollen mit Herrn Oberstadtdirektor Dr. Pütz […] nach Düsseldorf fahren und nochmals […] beim Oberpräsidenten vorstellig werden. Vertreter der Gewerkschaften und eine Abordnung von Frauen sollen ebenfalls am kommenden Montag und Dienstag den Versuch machen, eine für die Stadt günstige Entscheidung herbeizuführen. […]“
[AVZ:] „Ein CDU-Antrag, bei der Militärregierung zu erwirken, daß der von seinem Amte suspendierte Kämmerer der Stadt, Dr. Hofacker, wieder in sein Amt zurückgerufen werde, wurde von allen Fraktionen unterstützt. Es kam zum Ausdruck, daß Dr. Hofacker auf Grund seiner besonderen fachlichen Kenntnisse nicht zu ersetzen sei. Dr. Hofacker sei niemals aktiver Nationalsozialist gewesen.“
StAD, Ratsprotokolle Bd. 53; Aachener Volkszeitung vom 17. August 1946; Domsta, 1940-1947, S. 422
Donnerstag, 15. August 1946
„Auftakt zum [Kommunal-]Wahlkampf war in Düren eine Großkundgebung der SPD am 15. August 1946. Aus dem überfüllten Saal des Amtsgerichtes wurde eine Rede von Senator Wolters aus Bremen mit Lausprecher nach draußen übertragen. Marschmusik war bei diesen Veranstaltungen noch üblich, und Josef Dahmen sprach über die Dürener Probleme.“
Röhlich, S. 107
August 1946
Zwischen Zülpicher Straße, Nideggener Straße und Mühlenweg werden 25 vom Schweizer Roten Kreuz zur Verfügung gestellte Wohnbaracken errichtet, die von 24 Familien mit 325 Personen bezogen werden.
AVZ 10.8.1946; AN 3.9.1946; Domsta, 1940-1947, S. 423; Domsta/Krebs/Krobb, Zeittafel, S. 233
Samstag, 24. August 1946
„Düren.  Während sich jetzt die Versorgung auf dem Gebiete der Textil- und Schuhwaren langsam auf eine relativ ansteigende Linie hinbewegt, sind die Möbelzuteilungen noch völlig unzureichend. Bei einer Bevölkerung von 100 000 Menschen mit einem anerkannten Mindestbedarf von 30 000 Betten dürfte die tatsächliche Zuteilung von 64 Betten reichlich ungenügend sein, zumal allein das städtische Krankenhaus in Düren 280 Betten benötigt.“
Aachener Volkszeitung vom 24. August 1946
Sonntag, 25. August 1946
Gedenkfeier für die Opfer des Faschismus des Kreises Düren.
„Ihnen der Lorbeer – unser die Pflicht
Zu einer eindrucksvollen Feier gestaltete sich die Gedenkstunde für die Opfer des Faschismus des Kreises Düren am vergangenen Sonntag […]
Nach den bis heute erfaßten Meldungen sind insgesamt 221 Jahre Haft verbüßt worden. 67 politisch verfolgte Personen des Kreises Düren wanderten in die KZs, 48 davon erlitten den Tod. Weitere 96 Personen wurden ihrer politischen Gesinnung wegen verhaftetet. Von 800 im Kreis Düren lebenden Juden wurden 500 inhaftiert. Allein 1942 waren es ungefähr 350, die den Weg in die Folterkammern der KZs gehen mußten. Bis heute sind von diesen 350 nur zwei zurückgekehrt. Nach statistischen Unterlagen darf angenommen werden, daß 300-400 ihr Leben gelassen haben […]“
StAD S1/264; AVZ 24.8.1946; Aachener Nachrichten vom 27. August 1946; AVZ 28.8.1946; Domsta, 1940-1947, S. 423
Mittwoch, 28. August 1946
Die Anlagen der Talsperre Schwammenauel sind so weit wieder her gestellt, dass der 10.000-kW-Generator Strom liefern und damit das Kraftwerk Zukunft bei Weisweiler entlasten kann.
AVZ 28.8.1946; Domsta, 1940-1947, S. 423
Mittwoch, 28. August 1946
„Düren.  Die Kontingentzuteilung für den Monat August ist eingegangen. Äußerst gering ist die Zuteilung an Möbeln. Es wurden dem Kreise zugeteilt: 8 Kleider- und Wäscheschränke, 3 Kommoden, 44 Tische, 13 Küchenschränke, 2 Wohnzimmerschänke. Besonders trostlos liegen die Verhältnisse in der Versorgung der Bevölkerung und der Industrie mit Glühbirnen. Im Juli wurden dem Kreise erstmalig 595 Glühbirnen zugeteilt. Im August beträgt das Kontingent 398 Stück.“
Aachener Volkszeitung vom 28. August 1946
Sonntag, 1. September 1946
Pfarrer Schumann verlässt die Evangelische Gemeinde und wird Geistlicher Rektor des neugegründeten Ordenshauses Assenheim bei Friedberg in Hessen.
AVZ 24.8.1946; Domsta, 1940-1947, S. 423
Samstag, 14. September 1946
„Düren. In diesen Tagen der begonnenen Kartoffelernte herrscht auf dem Dürener Bahnhof morgens und abends ein beängstigendes Geschiebe und Gedränge. Die Züge nach Aachen werden in den Abendstunden oft von Hunderten von Menschen, die mit Säcken, Taschen und Rucksäcken beladen sind, gestürmt. Die Züge nach Neuß gleichen oft einem Bienenschwarm. Zu Dutzenden stehen die Fahrgäste, meist aus den Industriegebieten um Eschweiler und Stolberg, auf den Trittbrettern zwischen den Wagen und suchen sich sogar auf den Dächern eine Sitzgelegenheit. Die Reichsbahn ist nicht in der Lage, die Sicherheit für solche Fahrgäste zu garantieren.“
Aachener Volkszeitung vom 14. September 1946
Samstag, 14. September 1946
Die Berufs- und Fachschulen des Kreises und der Stadt Düren schließen sich zur Vereinheitlichung der beruflichen Fortbildung und zur Einsparung finanzieller Mittel zum „Berufsschulverband Düren“ zusammen. Träger sind Stadt und Kreis Düren.
AVZ 14.9.1946; Domsta, 1940-1947, S. 423
Sonntag, 15. September 1946
Wahlergebnis der [ersten] Gemeindewahlen der Stadt Düren [nach dem britischen Mehrheitswahlrecht]:
Wahlberechtigte: 16588, Zahl der Wähler: 12296, Beteiligung: 74%. CDU 15755, SPD 6642, KPD 3059, RVP 1329, Unabhängige 910. Zahl der Vertreter: CDU 22, SPD 4, KPD 1.
AN 20.9.1946. Jeder Wähler hatte mehrere Stimmen; Domsta, 1940-1947, S. 423
Sonntag, 15. September 1946
„Betrifft: Entnazisierung
Über den Begriff Entnazisierung und über die Auswirkungen der durchgeführten Entnazisierung bestehen bei verschiedenen Behörden, ebenso wie in den Kreisen der Bevölkerung noch Unklarheiten. Der Begriff „entnazisiert“ wird vielfach so aufgefaßt, daß der Betreffende nach Erledigung seines Verfahrens völlig makellos dasteht und ebenso zu behandeln sei wie jeder Nicht-Parteigenosse.
Die Militärregierung hat gelegentlich der Einführung der Mitglieder des Revisionsausschusses für den Regierungsbezirk Aachen in ihr Amt auf obige Tatsache hingewiesen und dabei ausdrücklich erklärt, daß diese Auffassung falsch sei. Richtig ist vielmehr folgendes:
Ein Angehöriger der ehemaligen NSDAP bleibt auch dann Parteigenosse, wenn er entnazisiert ist. Der für tragbar befundene Pg. ist nicht in einen Nicht-Parteigenossen umgewandelt worden. Er kann lediglich in den kommenden Jahren beweisen, daß er tatsächlich nur nominelles Mitglied der Partei gewesen ist. Jeder Fall eines überprüften Pg. kann von der Militär-Regierung jederzeit bei Bekanntwerden neuer Tatsachen wieder aufgegriffen werden. Es ist deshalb unrichtig, wenn ehemalige Pg.’s heute erklären: „Ich bin entnazisiert und habe nichts mehr mit den Naziverbrechern zu tun.“
Ich bitte die Herren Leiter der Behörden, die ihnen unterstehenden Beamten, Angestellten und Arbeiter im vorstehenden Sinne zu unterrichten.
Der Regierungspräsident Aachen“
Amtliches Mitteilungsblatt für den Kreis Düren. Herausgegeben mit Genehmigung der Militär-Regierung des Kreises Düren durch das Kreispresseamt Düren. Erscheint am 1. und 15. eines jeden Monats, 1. Jahrgang, Düren, den 15. September 1946, Nr. 13
Samstag, 21. September 1946
„Jülich. Die Arbeiten am israelitischen Friedhof an der Aachener Straße, der auf Beschluß der Stadtvertretung durch ehemalige Nazi-Aktivisten wieder instandgesetzt werden mußte, sind soweit beendet. Die Anlage des Friedhofes und die Grabdenkmäler sind soweit als möglich in den früheren Zustand gebracht worden. Es bedarf lediglich noch der Wiederrichtung der Einfriedungsmauer.“
Aachener Volkszeitung vom 21. September 1946
Freitag, 27. September 1946
Beginn der ersten Reihe der „Sinfoniekonzerte der Stadt Düren“ durch das Städtische Orchester Aachen unter Leitung von Generalmusikdirektor Dr. Felix Raabe im Festsaale der Prov. Anstalten, Meckerstraße.
Programmzettel; AVZ 25.9.1946; Domsta, 1940-1947, S. 423
Samstag, 28. September 1946
„Düren. In der 92. Kartenperiode haben erwachsene Normalverbraucher durchschnittlich täglich 990 Kalorien an Nahrungsmitteln zu verzehren gehabt. Während Kartoffel, Frischgemüse, Fett, Zucker, Marmelade, Kaffee-Ersatz, Käste und Fisch nach den vorgesehenen Rationssätzen verteilt wurden, war es nicht möglich die Nährmittel voll auszuteilen. Einem Bedarf von rund 62 to Fleisch stand nur eine tatsächlich gelieferte Menge von 39 to gegenüber, so daß in einer Woche der 92. Zuteilungsperiode kein Fleisch zugeteilt werden konnte.“
Aachener Volkszeitung vom 28. September 1946
Samstag, 28. September 1946
„Düren. Die Zuteilung an Säuglingsausstattung ist nach wie vor äußerst gering. Bei 1900 werdenden und stillenden Müttern im Kreise Düren wurden für die Monate Mai bis September insgesamt 136 Jäckchen, 511 Hemdchen, 425 Windeln, 124 Moltontücher zugewiesen. Selbst die anerkennenswerte Hilfe der Heilsarmee und der Schweizer Caritas konnte nur im geringen Umfange die große Not lindern.“
Aachener Volkszeitung vom 28. September 1946
Samstag, 28. September 1946
„Düren. Im Monat September wurden für das Wohnungsnotprogramm 1900 Dachziegel zugewiesen. Diese Zuteilung ist die bisher geringste ihrer Art. Dabei fehlen in Düren für bewohnte, aber noch nicht wetterfeste Häuser, ferner für Wohnungen, die bis auf das Dach fertiggestellt sind, in Stadt und Kreis 6,7 Millionen Dachziegel.“
Aachener Volkszeitung vom 28. September 1946
Montag, 30. September 1946
Erste Sitzung der gewählten Stadtvertretung. Der bisherige Fraktionsführer der CDU, Kaufmann Richard Bollig, wird einstimmig zum Oberbürgermeister gewählt. Stellvertreter Josef Dahmen (SPD), Heinrich Bock (CDU).
StAD, Ratsprotokolle Bd. 53; Domsta, 1940-1947, S. 423; Domsta/Krebs/Krobb, Zeittafel, S. 234