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1946, II. Quartal
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Montag, 1. April 1946
„Birkesdorf. In der am 1. April in
Birkesdorf stattgefundenen Gemeinderatssitzung stellte Frau
Henzig (KPD) den Antrag, daß den alleinstehenden Frauen
und Kriegerwitwen bei der Bearbeitung ihrer Gärten durch
ehem. Pg. Hilfe geleistet werden soll, sei es durch tätige
Mithilfe oder Bezahlung von Arbeitskräften. Die
Gemeindevertretung trat diesem Antrag einstimmig
bei.“
Aachener Nachrichten vom 9. April 1946
Montag, 1. April 1946
Eröffnung von Poststellen in vier
Einzelhandelsgeschäften in der Werderstraße,
Kölner Landstraße, Friedenstraße und
Zülpicher Straße. Weitere Poststellen Mitte Januar
1947 in Distelrath, Rölsdorf und Nord-Düren.
Amtliches Mitteilungsblatt für den
Kreis Düren, 15. April 1946; AVZ 5.2.1947;
Domsta/Krebs/Krobb, Zeittafel, S. 230
Mittwoch, 3. April 1946
Die Fa. Carl Canzler, Kupfer- und
Aluminiumschmiede, Apparate- und Maschinenbau, erhält zur
Ausführung von Reparaturen eine kurzfristige
Betriebsgenehmigung; volle Betriebsgenehmigung am 1. Juli 1947.
StAD B 159; Domsta, 1940-1947, S. 421
Donnerstag, 4. April 1946
„Bandenüberfall
Nörvenich. Eine Bande, bestehend aus
vier Zivilisten und einem Uniformierten, gab sich in
Növenich, Irresheim und Eschweiler über Feld als
Angehörige der Besatzungspolizei aus und beschlagnahmte
unter Anwendung von Waffengewalt Lebensmittel sowie
Radiogeräte. Sie tötete ein Schwein, um es
mitzunehmen, ließ es jedoch später liegen. Die
Polizei nahm sofort die Verfolgung der Bande auf, die mit einem
LKW „Ford V 8“ mit der Aufschrift
„Pool“ flüchtete und bisher noch nicht
festgestellt werden konnte.“
Volkstimme vom 4. April 1946
Samstag, 6. April 1946
Zwischen dem 15.10.1945 und dem 6.4.1946 im
Kreise Düren 110 Unfälle durch Minen und andere
Explosivstoffe mit 85 Toten und 57 Verwundeten.
Amtliches Mitteilungsblatt für den
Landkreis Düren, 1. Jg. Nr. 4 vom 1. Mai 1946; Domsta,
1940-1947, S. 421
Sonntag, 7. April 1946
Neuordnung des Bezugscheinwesens für
bewirtschaftete Wirtschaftsgüter durch die britische
Militärregierung. Neueinführung von Bezugsmarken A
und B. Bewirtschaftung von Brennholz, Zündhölzern,
Waschmitteln und Zusatzseife für bestimmte Berufe, Heime
und Krankenanstalten.
StAD, Verwaltungsbericht 1946;
Domsta/Krebs/Krobb, Zeittafel, S. 231
Montag, 15. April 1946
„Achtung vor Minen und herumliegender
Munition
Mahnung an alle Eltern und Erzieher. In
letzter Zeit häufen sich die Unfälle, hervorgerufen
durch Jugendliche und Kinder, die mit herumliegender Munition
spielen, in erschreckendem Maße. In den letzten Tagen
wurden im Südviertel der Stadt wiederum zwei Kinder, deren
Väter sich noch in Kriegsgefangenschaft befinden,
getötet und ein weiteres Kind verletzt. Am 27. 3. wurde in
Füssenich auf einer Viehweide ein 5jähriger Junge
durch eine Tellermine getötet und zwei weitere Kinder
verletzt. Am Sonntag, dem 31. 3. ereignete sich in der
Nähe des DJK-Schwimmstadions an der Rur ein besonders
trauriger Unglücksfall. Wie die Untersuchung ergab,
machten sich spielende Kinder an einer Mine zu schaffen, die
zur Explosion kam und sieben Kinder tötete. Die Kinder
waren schauerlich zugerichtet.“
Amtliches Mitteilungsblatt für den
Landkreis Düren vom 15. April 1946
Dienstag, 23. April 1946
„Am 13. Februar sprach das
Wohnungsamt einem politisch Geschädigten eine Wohnung zu,
die Monate leer gestanden hatte. Gegen diese Entscheidung legte
ein PG, der zugleich Blockwart war […] Einspruch ein
[…]. Der Einfluß der Nazis in den öffentlichen
Ämtern wird immer anmaßender und frecher. Wie lange
noch?“
Aachener Nachrichten, 23.04.1946
Mittwoch, 24. April 1946
„Bekanntmachungen
Kleinpflanzertabak
Jeder Tabakkleinpflanzer ist verpflichtet,
den Anbau von Tabakpflanzen bis spätestens 15. Juni 1946
schriftlich anzumelden und gleichzeitig die Tabaksteuer zu
entrichten. Hierbei sind Name und Wohnort des Kleinpflanzers
sowie die Anzahl der Pflanzen und der Ort, wo diese stehen,
anzugeben. Außerdem ist zu erklären, daß der
selbstgewonnene Tabak nur für den eigenen Bedarf verwendet
wird.“
Aachener Volkszeitung vom 24. April 1946
Donnerstag, 25. April 1946
Das Stadttheater Düren wird im
Festsaale der Provinzialanstalten wieder eröffnet. Die
kulturellen Veranstaltungen beginnen mit einem Konzert des
Städtischen Orchesters Aachen unter Leitung von Th. B.
Rehmann und am 29.4. mit Goethes „Iphigenie“ unter
dem Intendanten Roland Müller-Stein mit dem „Theater
der Jugend“ in Neuß.
„Kulturelles
Eröffnung des Stadttheaters Düren
Am 29. April öffnet das Stadttheater
Düren wieder seine Pforten vorerst in einem Behelfstheater
im Festsaal der Provinzial-Anstalten. Die Leitung
übernimmt Roland Müller-Stein in Verbindung mit dem
„Theater der Jugend“ in Neuß.“
AN 26.4.1946; Domsta, 1940-1947, S. 421;
Volksstimme vom 29. April 1946
Montag, 29. April 1946
„Ihrer gedenken wir am 1. Mai
Ehrentafel der Naziopfer!
Katholiken, Sozialdemokraten, Kommunisten,
Angehörige aus Lagern kämpften und starben gemeinsam,
damit ein freies demokratisches Deutschland lebe.
Die Toten von Düren:
Albert Kamrad; Peter Wolf; Heinz Hammerath;
Josef Züll; Adolf Meuser; Josef Reins; Karl Thelen.
Die Toten aus dem Kreis:
Josef Buchna, Birkesdorf; Konrad Offermann,
Birkesdorf; Bertram Wieland, Birkesdorf; Heinrich Deis, Merken;
Siegfried Meyer, Gey; Johann Balter, Boich; Thea Kuckertz,
Birkesdorf; Peter Schäfer, Birkesdorf; Hubert Bergmann,
Birkesdorf; Christian Plum, Merken; Jakob Henn, Mariaweiler.
Seit Jahren ohne Nachricht:
Johann Weiser, Binsfeld.“
Volksstimme vom 29. April 1946
Mittwoch, 1. Mai 1946
Auf dem Hoeschplatz erste Kundgebung des
Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes nach dem Kriege.
AVZ 4.5.1946; Domsta/Krebs/Krobb,
Zeittafel, S. 231
Mittwoch, 1. Mai 1946
Wasserversorgung in der Stadt Düren
Nach Überwindung größter
Schwierigkeiten ist es inzwischen gelungen, etwa ? des
Stadtgebietes, wenn zum Teil auch noch behelfsmäßig,
wieder mit einwandfreiem Leitungswasser zu versorgen, trotzdem
bekanntlich beide Wassertürme der Stadt zerstört
sind. […] Wurde schon die Stromversorgung des
Stadtgebietes ab September 1945 durch die Bevölkerung
freudig begrüßt, so galt dies erst recht für
die zentrale Wasserversorgung. Das Wasserschleppen aus den
unzulänglichen Brunnen konnte in den meisten Stadtbezirken
eingestellt werden.
Amtliches Mitteilungsblatt für den
Landkreis Düren vom 1. Mai 1946
Mittwoch, 1. Mai 1946
Der Dürener Museumsverein ruft zur
Neubildung auf.
Amtliches Mitteilungsblatt für den
Kreis Düren, 1. Jg. Nr. 4 vom 1. Mai 1946;
Domsta/Krebs/Krobb, Zeittafel, S. 231
Freitag, 3. Mai 1946
Zahlreiche Leichen russischer
Kriegsgefangener in einem ehemaligen Lager bei Arnoldsweiler
gefunden.
Amtliches Mitteilungsblatt für den
Kreis Düren, 2. Jg. Nr. 1 vom 1. Januar 1947; Domsta,
1940-1947, S. 421
Freitag, 3. Mai 1946
„Zum ersten Male seit 14 Jahren
konnte die Arbeiterschaft sich zu einer freien Kundgebung
zusammenfinden.“
Aachener Nachrichten, 03.05.1946
Montag, 6. Mai 1946
Betr.: Ehrentafel
In unserer am 29. April
veröffentlichten Ehrentafel haben wir einen verdienten
Kämpfer gegen das Nazisystem vergessen. Wir tragen nach,
Ludwig Henzig, Birkesdorf, Kömpchen 5, wurde scgib 1933
ins Gefängnis geschleppt und weilt nicht mehr unter den
Lebenden. Auch seiner gedachten wir am 1. Mai.
Die Angehörigen des Siegfried Meyer
aus Gey bitten uns klarzustellen, daß eine amtliche
Todeserklärung bisher nicht erfolgte. Sie sind seit Jahren
ohne Nachricht.
Volksstimme vom 6. Mai 1946
Donnerstag, 9. Mai 1946
Pol. Opfer der Naziherrschaft
Als Tote sind folgende Opfer im Kreise
Düren gemeldet: Genosse Ludwig Henzig, Birkesdorf,
Kreuzstraße 5, Genosse Bertram Wieland, Birkesdorf,
Weidenpesch 37, Genosse Albert Kamrad, Düren,
Nagelschmiedsgasse, Genosse Adolf Meuser, Düren,
Blücherstraße 109, Genosse Johann Reins, Düren,
Aachener Landstraße 25, Genosse Johann Weiser, Binsfeld,
Merzenicher Straße 34, Genosse Jakob Henn, Mariaweiler,
Gürzenicher Straße 53, Genosse Müller,
Weisweiler.
Folgende Opfer waren nicht Genossen: Pastor
Keller, Düren, Wolff Düren, Oberstraße, Josef
Buchna, Birkesdorf, Thea Kuckertz, Birkesdorf, Peter
Schäfer, Birkesdorf, Konrad Offermann, Birkesdorf,
Siegfried Meyer, Gey, Johann Balter, Boich, Christian Plum,
Merken […]
Volksstimme vom 9. Mai 1946
Donnerstag, 9. Mai 1946
Weisweiler Antifaschisten im KZ Buchenwald
Der Jahrestag unserer Befreiung, der 11. 4.
läßt mich zur Feder greifen, um allen denen zu
danken, denen wir fünf Überlebenden unser Leben
verdanken. Einer kehrt wohl kaum zurück, unser Genosse und
früherer Kapellmeister der Weisweiler Schalmeienkapelle,
Michael Müller.
Alle waren wir im kleinen Lager, Jakob
Bertram, Jakob Collet, Peter Lövenich, Michael
Müller, Ferdinand Sevestrel […]
Volksstimme vom 9. Mai 1946
Mittwoch, 15. Mai 1946
Die Eisenbahnstrecke Düren-Köln
wird erstmalig nach Ausbesserung des
Großkönigsdorfer Tunnels befahren.
StAD B 159; AN 15.5.1946; Domsta,
1940-1947, S. 421
Mittwoch, 15. Mai 1946
Die Entnazifizierung
Der Regierungspräsident teilt mit: Die
bisher von den deutschen Behörden getroffenen
Entnazifierungsmaßnahmen sind durch eine Anordnung der
Militär-Regierung ausnahmslos überholt. Nach den
Bestimmungen der Kontrollkommission für Deutschland
(britische Zone) wird die endgültige Entnazifierungsaktion
in Kürze beginnen.
Amtliches Mitteilungsblatt für den
Kreis Düren vom 15. Mai 1946
Mittwoch, 15. Mai 1946
Entnazifizierungsausschuss
Die Vorarbeiten für die
Entnazifizierung für die Stadt und den Kreis Düren
sind soweit beendet, daß am Mittwoch, dem 5. Juni 1946
mit den eigentlichen Arbeiten begonnen werden kann. Im
Interesse einer gerechten und objektiven Lösung wird die
Bevölkerung gebeten, uns bei unserer schweren und
verantwortungsvollen Aufgabe zu unterstützen. Da auf
Anordnung der Militärregierung die Vorrangstufen
festgelegt sind, können Zwischenanträge vorerst nicht
behandelt werden. Die Abwicklung und Entgegennahme der
Anträge wird jeweils in der Tagespresse und im
Mitteilungsblatt bekanntgegeben. Mit der Überprüfung
der Verwaltung wird zuerst begonnen. Schriftliche Anträge
auf Rehabilitierung sind mit den erforderlichen Unterlagen bei
dem Sachbearbeiter Willi Mermagen, Finanzamt Düren, 1.
Stock, abzugeben.
Amtliches Mitteilungsblatt für den
Kreis Düren vom 15. Mai 1946
Samstag, 18. Mai 1946
Die 179. Deutsche Minenräumkompagnie
hat im Kreise Düren 32000 Minen beseitigt und dadurch
1.200.000 Quadratmeter Ackerland und 150.000 Quadratmeter
Wiesenland freigemacht.
AVZ 18.5.1946; Domsta, 1940-1947, S. 421
Montag, 27. Mai 1946
Zweite Sitzung der Stadtvertretung.
Bürgermeister Hammans wies „auf die großen
Schwierigkeiten in der Materialbeschaffung hin. Für die
Zeit vom 1. Januar 1946 bis zum 24. Mai 1946 seien z.B.
für das Wohnungsnotprogramm vom Kreisbauamt nur folgende
Mengen Material zugewiesen worden:
60 Zentner Kalk, 300 Zentner Zement, 8,7
cbm Holz […]“
„Zum Schluss wurde noch über
verschiedene brennende Probleme der Stadt, wie
Schuttbeseitigung, Instandsetzen der Kanalisation […]
verhandelt […] Die Stadt müsse in erster Linie die
von der Militärregierung angegebenen Straßen
säubern lassen […] Auf Bitten des Stadtverordneten
Bollig sprach dann noch Stadtbaurat Dauer zu der Frage
‘Neuaufbau der Stadt’. Er gab zunächst einen
Bericht über die Kanalisationsverhältnisse der Stadt
und die in Angriff zu nehmenden Arbeiten. Pläne über
den eigentlichen Neuaufbau der Stadt konnten wegen der
vorgerückten Zeit nicht mehr erörtert
werden.“
„Danach beabsichtigte er [Dauer], an
der Tradition festzuhalten, Düren sollte wieder am alten
Ort entstehen, auch wenn am künftigen Stadtbild
Änderungen beabsichtigt waren. Priorität hatte
für Dauer zunächst die Wiederherstellung der nur
beschädigten Häuser am Stadtrand. Bereits zu diesem
Zeitpunkt scheint es Unzufriedenheit mit der städtischen
Planungstätigkeit gegeben zu haben, denn
Bürgermeister Hammans sah sich auf dieser Sitzung
ausdrücklich veranlaßt,
‘unbotmäßiger Kritik und Gerüchten’
entgegenzutreten.“
StAD, Ratsprotokolle; AN v. 31.05.1946;
Otten, Mag.-Arbeit, S. 6
Montag, 27. Mai 1946
Synagogenbrandstifter stellen sich vor
Kreuzau. Hier herrscht nach wie vor ein
erzreaktionärer Geist, und es vergeht nicht eine Woche, wo
nicht allerlei berechtigte Klagen auf unserer Redaktion
angebracht werden. Jeder Klage können wir nicht Raum in
unserer Presse geben, sonst wären wir gezwungen, manchmal
eine Kreuzauer Beilage zu bringen.
Heute müssen wir nun wieder so einiges
der Öffentlichkeit unterbreiten, um ihr zu beweisen,
daß wir recht haben, wenn wir sagen, der Nazismus liegt
zwar geschlagen am Boden, aber er glaubt bereits wieder die
Zeit für gekommen, sein freches Haupt erheben zu
dürfen.
So bewegt sich der ehemalige SS-Mann
Christian Schmitz, Sohn des damaligen Ortsgruppenleiters Josef
Schmitz, frech und dreist im Orte, dabei hätte er alle
Ursache, sich still in den verborgensten Winkel zu verkriechen
und allen aufbauwilligen Einwohnern möglichst weit aus dem
Wege zu gehen. Wir haben nämlich noch nichts vergessen und
werden auch vorerst so schnell nichts vergessen.
Wer ist dieser Christian Schmitz nun
eigentlich? Um das Jahr 1937 oder 38 war er SS-Aufseher in dem
berüchtigten KZ Buchenwald.
Damit brüstete sich damals sein Vater,
der allgewaltige Ortsgruppenleiter von Kreuzau. Weiter war er
einer der Haupträdelsführer, als die jüdische
Synagoge in Drove in Brand gesteckt wurde, auch war er
beteiligt an der Zerstörung verschiedener jüdischer
Geschäfte und hat sich ganz besonders hervorgetan bei der
Zerstörung der Läden und Wohnungseinrichtungen bei
den Geschäftsleuten Geschwister Levy und Leopold Roer.
Sein Komplize, nicht weniger aktiv, war damals der erst am 20.
Mai nach hier zurückgekehrte SS-Mann Matthias Dohmen, der
ebenfalls bei diesen Aktionen führend beteiligt war.
Diese Brüder tun heute ganz so, als
hätten sie nie solche Verbrechen und Schandtaten begangen.
Wie ist so etwas überhaupt möglich? Gibt es in
Kreuzau keine Behörde, die, vom Geist der neuen Zeit
beseelt, wenigstens in etwa die damaligen Verbrecher zur
Rechenschaft ziehen könnte? Oder glaubt man, dies seien
keine Verbrechen gewesen? Haben die dortigen Gemeindevertreter
noch nichts gehört oder gelesen von den barbarischen
Mißhandlungen in den KZ-Lagern, wo gerade diese
SS-Aufseher die tonangeben[d]ste Rolle gespielt haben?
Hier könnte die Verwaltung der
Bevölkerung treffend beweisen, daß sie von solchen
Elementen weit abrückt. Dann würde die
antifaschistische Bevölkerung auch Vertrauen zu ihr haben.
So aber fragt man sich kopfschüttelnd, wie ist das nur
möglich?
Volksstimme vom 27. Mai 1946
Dienstag, 28. Mai 1946
Die innere Abteilung der Krankenanstalten
ist soweit hergerichtet, dass stationäre Kranlke in
dringenden Fällen aufgenommen werden können.
AVZ 29.5.1946; Domsta, 1940-1947, S. 421
Freitag, 31. Mai 1946
Die „Schweizer Spende“ nimmt in
Düren ihre Tätigkeit auf. Ihre Fürsorge gilt in
erster Linie Kleinkindern (Kinderspeisung) und alten Leuten.
AVZ 30.12.1946; Gaspers, Schweizer Hilfe.
Die Spenden von schweizerischer Seite sind in den Quellen nicht
immer aus einander zu halten. Es waren zwei verschiedene
Organisationen, die „Schweizer Spende“ und die
„Schweizerische Caritas“, wie sich aus einem Foto
einer Spendentafel in der Sammlung Wilhelm Bürvenich,
Düren, ergibt. „Schweizer Spende und Schweizer
Caritas spendeten für die Aktion Düren-Jülich in
der Zeit vom April 1946 bis März 1947 …“
(folgt eine Aufzählung); Domsta, 1940-1947, S. 421;
Domsta/Krebs/Krobb, Zeittafel, S. 231
Juni 1946
Der Ortsverein Düren der
Industrie-Gewerkschaft Druck und Papier wird mit 41 Mitgliedern
gegründet.
100 Jahre Druckervereinigung Düren, S.
26
Montag, 3. Juni 1946
Städtisches Krankenhaus
Düren. Die Innere Abteilung des
Städtischen Krankenhauses Düren ist so weit
hergerichtet, daß stationäre Kranke in dringenden
Fällen aufgenommen werden können. Die Aufnahme
erfolgt nach Maßgabe der freien Betten und nach der
Entscheidung des Krankenhausarztes.
Volksstimme vom 3. Juni 1946
Mittwoch, 5. Juni 1946
Der vom Kreistag eingesetzte
Entnazifizierungs-Hauptausschuss nimmt seine Tätigkeit
auf.
AVZ 13.4.1946; AN 7.6.1946; AVZ 8.6.1946;
Domsta, 1940-1947, S. 422
Mittwoch, 5. Juni 1946
Schwarzschlächterzentrale ausgehoben
Düren. In der Nacht vom 20. zum 21.
Mai wurden aus einem Stall in Birgel zwei Kühe gestohlen.
Die Polizei in Düren nahm daraufhin einen lang gesuchten
Verbrecher fest. In dessen Unterschlupf in Gürzenich die
beiden Kühe gefunden wurden. Nach den Feststellungen der
Polizei wurden dort in letzter Zeit mehrere
Schwarzschlachtungen vorgenommen.
Aachener Volkszeitung vom 5. Juni 1946
Freitag, 7. Juni 1946
Die Vorbereitungen für die
Entnazifizierung der Stadt und den Kreis Düren sind soweit
gediehen, daß am Mittwoch, dem 5.6.1946 mit den
eigentlichen Arbeiten begonnen werden kann […]
Sachbearbeiter Willi Mermagen […].“
Aachener Nachrichten, 07.06.1946
Samstag, 8. Juni 1946
Amtsgerichtsrat Dr. Robert Pütz auf 12
Jahre zum Stadtdirektor gewählt; Amtsantritt am 11. Juni,
im Amt bis Juli 1948; *Düren 3. Mai 1895,
Südfrankreich 25. Oktober 1981.
Aus dem Protokoll TOP 1 Wahl eines
Stadtdirektors:
„[…] Von den eingegangenen 50
Bewerbungen seien nur 5 in die engere Wahl gekommen. Diese 5
Herren hätten sich hier in Düren vorgestellt,
wären aber nach gewissenhafter Prüfung […] mit
den einzelnen Parteivorständen aus den verschiedensten
Gründen für den Posten eines Stadtdirektors nicht
für geeignet befunden worden […] Die neue
Gemeindeordnung bestimme, dass Stadtdirektoren bei Gemeinden
von über 10.000 Einwohnern Berufsbeamte sein müssen
[…] Als ihm dann der Amtsgerichtsdirektor Dr. Pütz
vor einiger Zeit zu verstehen gegeben habe, dass er bereit sei,
das Amt des Stadtdirektors in Düren zu übernehmen,
habe er (der Bürgermeister) ihn gebeten, seine Bewerbung
einzureichen […] Der Bürgermeister führte
weiter aus, dass die 3 Vertreter der einzelnen Parteien in der
Hauptausschuss-Sitzung bereits gegen die Wahl des Dr. Pütz
nichts einzuwenden gehabt hätten. […]
Bürgermeister Hammans […] bestätigte Dr.
Pütz, daß er von der Stadtvertretung einstimmig auf
12 Jahre gewählt worden sei.“
StAD, Ratsprotokolle; Amtliches
Mitteilungsblatt für den Landkreis Düren, 1. Jg. Nr.
7 vom 15. Juni 1946; Personalakte; Domsta, 1940-1947, S. 422
Samstag, 8. Juni 1946
„Reise durch das Dürener
Notstandsgebiet
Traurige Schulverhältnisse
In Zerkall besichtigten die Fahrtteilnehmer
eine Volksschule, die als Notlösung in einer
Gastwirtschaft untergebracht ist und an Primitivität
ihresgleichen sucht. Den Hauptanteil der Schulkinder stellt die
Gemeinde Bergstein, die noch über keinen eigenen Schulsaal
verfügt. Die Kinder legen bei Wind und Wetter, Hitze oder
Kälte, tagaus, tagein den Weg nach Zerkall zurück.
Ihr Schuhwerk befindet sich meist in einem trostlosen Zustand.
Die Schulbänke sind primitiv zusammengehauene Bretter.
Damit die Kinder beim Schreiben auf den Knien nicht
ermüden, haben sie sich selbst eine Auflegvorrichtung
konstruiert. Nach Angaben von Kreisschulrat Hilgers fehlen im
Kreise Düren etwa 2500 Schulbänke. In manchen Schulen
kann nur bei schönem Wetter unterrichtet werden, weil die
Dächer noch nicht repariert werden konnten.“
Aachener Volkszeitung vom 8. Juni 1946
Mittwoch, 12. Juni 1946
Eine Kommission aus britischen
Fachoffizieren, deutschen Verbands- und Behördenvertretern
prüft in Düren die Möglichkeit, Dürener und
Jülicher Papierfabriken die Betriebserlaubnis zu erteilen.
AVZ 19.6.1946; Domsta, 1940-1947, S. 422
Freitag, 14. Juni 1946
„Aus dem Landkreis Düren
Düren. Die Einwohner der Orte
Ginnick, Muldenau, Embken, Wollersheim, Bürvenich,
Eppenich, Juntersdorf und Füssenich sind von jeder
Verkehrsverbindung abgeschnitten. Die nächste Bahnstation
ist Zülpich oder Vettweiß, von den einzelnen Orten
durchschnittlich ca. 8-9 km entfernt. Die meisten
Berufstätigen, die zu ihrer Arbeit müssen,
verfügen weder über ein Fahrrad noch über
ausreichendes Schuhwerk […]“
Aachener Nachrichten vom 14. Juni 1946
Montag, 17. Juni 1946
Fünf deutsche Minenräumer und
zwei britische Offiziere im Gürzenicher Wald bei Explosion
getötet, zwei Personen schwer verletzt.
AN 21.6.1946; AVZ 22.6.1946; Amtliches
Mitteilungsblatt für den Kreis Düren 1. Jg. Nr. 7
[vom 15.6.1946??]; Domsta, 1940-1947, S. 422
Sonntag[?], 23. Juni 1946
Nach mehrjähriger Unterbrechung zieht
die Fronleichnamsprozession durch die Trümmerstraßen
der Stadt.
Zeittafel 748-1248, S. 197; Domsta,
1940-1947, S. 422
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