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Kulturleben heute
Trotz aller Zerstörung hat man in Düren wieder ein ausgeprägtes kulturelles Eigenleben erarbeitet, das im Kraftfeld der Städte Aachen und Köln als eine besondere Leistung gebührende Anerkennung in den Kunstkreisen Westdeutschlands gefunden hat. Wohl die
st
ärksten kulturellen Ausstrahlungen gehen heute vom Volksbildungshaus, wie man das
Leopold-Hoesch-Museum nach dem Kriege benannt hat, aus. Museumsdirektor Dr.
Appel hat es verstanden, dieser Kulturst
ätte ein durchaus eigenes Gesicht zu geben und mit sorgfältig zusammengestellten Ausstellungen, die nur selten den Charakter des
Uebernommenen tragen, die Aufmerksamkeit der Kunstwelt auf das neubarocke Haus
am Hoesch-Platz zu lenken. Das rege M
äzenatentum privater Kreise und der Dürener Industrie ermöglichte es dem Museum, seinen Bestand durch den Ankauf von Werken bekannter Künstler zu erweitern, wobei vor allem das zeitgenössische Kunstschaffen berücksichtigt wurde. Man erstand unter anderem das „Marseille“-Bild von Beckmann und die bekannten „Geschwistr“ Kokoschkas. Auch die Stadt begnügte sich nicht nur mit dem vorbildlichen Wiederaufbau der zerstörten Kulturstätte, sondern stellte ihrerseits laufend Mittel für die Erweiterung des Museums-Schatzes zur Verfügung. So konnte die Sammlung Beckers, des 1951 verstorbenen Dürener Malers, die 450 graphische Blätter zum Teil berühmter Meister umfaßt, dem Besitz des Museums eingereiht werden. Sie trug wesentlich zur Gestaltung
der Galerie des 19. und 20. Jahrhunderts bei, die als reizvolle
Dauerausstellung starke Beachtung findet.
Das Volksbildungshaus dient weiter der Stadtbücherei und der vor- und frühgeschichtlichen Abteilung des Heimatmuseums als Heimstatt. Im Vortragssaal
suchen der D
ürener Museumsverein und der Geschichtsverein sowie der Verband katholischer
Akademiker durch Referate berufener Fachleute neue Erkenntnisse aus Geschichte,
Kunst, Kultur und Politik den D
ürenern zugänglich zu machen. Der Diskussionsraum steht unter anderem dem kürzlich ins Leben gerufenen Filmklub Düren, der bereits über vierhundert Mitglieder zählt, zur Verfügung. In den Räumen des Volksbildungshauses ist auch die Volkshochschule Düren-Stadt zu Hause, die gleichermaßen praktisches Wissen und bildendes Allgemeingut vermitteln will.
Viel beachtet wurde in Fachkreisen die besondere Struktur der Volkshochschule Düren-Land, die seit einigen Jahren bemüht ist, durch Referenten in den einzelnen Gemeinden kleine Gruppen geistig
interessierter und um Wissen bem
ühter menschen zusammenzuführen. Noch bis zum vergangenen Jahre bereiste unter der Aegide dieser VHS eine
Theatergruppe die Orte des Kreisgebietes, um gutes Theater aufs Land zu
bringen. Auch der Eifelverein und die Kolpingsfamilie bem
ühen sich ihrerseits, durch unterhaltende und belehrende Vortragszyklen einen großen Kreis von Menschen anzusprechen. Die im Jugendring zusammengeschlossenen
Jugendverb
ände diskutieren im regelmäßigen Abstand gemeinsam Zeitprobleme und Fragen der Jugendpflege. Im
Zusammenwirken der Gewerkschaft mit der VHS wurde in D
üren-Stadt die Arbeitsgemeinschaft „Arbeit und Leben“ geschaffen, deren Ziel die Pflege bewußten Staatsbürgertums ist.
Auf dem Gebiet der Musik und des Theaters ist Düren, das in den zwanziger Jahren eine eigene Oper und später ein beachtliches Schauspielensemble besaß, noch weitgehend der nehmende Teil. Das städtische Orchetsre Aachen, unter Leitung von GMD Dr. Raabe, gastierte im
vergangenen Winterhalbjahr wiederum mit f
ünf Sinfoniekonzerten in der „Schauburg“. Zu einem besonders nachhaltigen Erlebnis für die Dürener Konzertgemeinde wurde das von Tinny Wirtz meisterlich gespielte 3.
Klavierkonzert von Bela Bartok. Musikstudienrat Reimer dirigierte am 17.
November ein Gedenkkonzert f
ür die Opfer des 16. November 1944. Josef Haydns „Schöpfung“, gesungen von dem verstärkten Dürener Männergesangverein mit Frauenchor und der Kantorei des stift. Gymnasiums und
gespielt vom Aachener Orchester, ergriff die gro
ße Zuhörerschaft in der überfüllten Josefs-Kirche.
Auf hohem Niveau standen auch in diesem Konzertwinter die acht Kammermusikabende
der D
ürener Industrie im „Haus der Stadt“. Drei dieser Konzerte wurden von dem Dürener Collegium musicum bestritten, für die anderen Abende verpflichtete man Künstler aus Köln und Aachen. Einmal gastierte auch das bekannte Kölner Gürzenich-Streich-Quartett im Rahmen dieser Konzertreihe. Eine glückliche Hand bewies Karl Strahn nicht nur als einfühlender Begleiter am Klavier, sondern auch als Gestalter der vielseitigen
Programme.
Aktive Musikpflege betreiben im Dürener Land über dreißig Gesangvereine, von denen sich ein großer Teil vor kurzem im Sängerkreis Düren zusammenschloß. Kreischorleiter Reimer setzte dieser Gemeinschaft das Ziel, dem zeitgenössischen Liedschaffen größeren Raum in der Programmgestaltung zu schaffen, ein Ziel, das auch in der
Vortragsfolge des Festkonzertes anl
äßlich der 75-Jahr-Feier des Dürener MGV 1877 am 5. Juli verfolgt wird. Neben Bruckners Te Deum stehen allein
drei Urauff
ührungen auf dem Programm. Nicht zu vergessen ist auch der MGV Düren-Ost, der im Rahmen eines Konzertes vor einigen Monaten den Tenor Friedrich
Engels nach D
üren holte, sowie die vielen anderen Gesangvereine in Stadt und Land, die zum
Teil mit beachtlichen Veranstaltungen an die Oeffentlichkeit traten.
Das Stadttheater Aachen und das Rheinische Landestheater gastieren seit Jahren
mit durchschnittlich f
ünfzehn Aufführungen während der Spielzeit, eine erstaunlich hohe Zahl für eine Stadt von der Größe Dürens. Während Neuß ausschließlich dem Schauspiel dient, steuert Aachen auch Opern und Operetten bei.
Begeistert nahmen die D
ürener Theaterfreunde „Frauenarzt Dr. Prätorius“, „Diener zweier Herren“ und den „Schinderhannes“ auf. Man hofft, in der nächsten Spielzeit die Kulissen bereits in der Aula des neuen stift. Gymnasiums
aufstellen zu k
önnen. Wie stark der Theaterenthusiasmus in Düren ist, beweist auch der Erfolg, den das Aachener „Theater im Zimmer“ mit bisher drei Gastspielen erzielte. Die romantische kleine Stadt Nideggen
plant in diesem Sommer, in eigener Regie die Tradition der
Operettenfreilichtspiele im Burghof mit dem
„Vetter aus Dingsda“ fortzusetzen.
Zwar wird das Programm der Dürener Lichtspieltheater immer wieder kritisiert, doch darf man nicht vergessen,
da
ß die Filmtheaterbesitzer durch Sondervorstellungen, Matineen und bisweilen auch
im regul
ären Wochenprogramm ausgezeichnete Jugend- und Kulturfilme sowie künstlerisch bemerkenswerte Großfilme zeigen. Den weiteren kulturellen Aufbau der Stadt und des Kreises weiß die Bevölkerung in besten Händen. Und wenn sie selbst durch ihre Anteilnahme am kulturellen Leben Verständnis und Aufgeschlossenheit zeigt, dann hat man nicht vergeblich versucht,
allem geistigen Erbe Sinn und neue Form zu geben.
Trauminseln aus Bild und Ton
Kinos, Filmtheater, Lichtspiele – längst sind sie aus den Kinderschuhen der „Flimmerkisten-Atmosphäre“ mit Klavier spielendem Chrfdramaturgen vor der stummen Leinwand heraus. Längst schon sind sie zu einem wohl vertrauten Begriff geworden, zu einem Platz,
an dem man heitere Entspannung, eine wohltuende Entf
ührung in das Land der Träume eben so sucht, wie blutrünstigen Nervenkitzel oder wache Anteilnahme an wirklich spannungsgeladenem künstlerischen Geschehen. Längst auch sind sie schon zum Diskussionsgegenstand kulturell interessierter
Kreise geworden, vielleicht sogar zu dem einzigen Kulturtr
äger, der heute – da das Buch und das Theater immer mehr ins Hintertreffen geraten und zeitgenössische Musik und bildende Kunst nur esoterische Kreise ansprechen – noch wirkungsvoll breite Massen erfaßt.
Auch in Düren entstanden unter Aufwendung erheblicher privater Mittel schon bald nach dem
Zusammenbruch wieder die ersten Filmtheater
– im Norden der Stadt zuerst, der ja damals Zentrum war. Dann eroberte sich aber
die Leinwand, das Filmtheater in moderner Gestalt auch wieder die Stadtmitte
und heute z
ählt Düren mit Rölsdorf vier Lichtspielhäuser, die dem Publikum eine weite Skala filmischen Schaffens bieten. Und auch in
den Vororten und D
örfern um Düren hat das Kino Fuß gefaßt, vor allem in den industriereichen Gebieten, wo der arbeitende Mensch in den
Abendstunden eine Abwechslung sucht.
Sicher – es wird viel gelästert über die Wild-West-Manie, die Minderwertigkeit der gezeigten Streifen – aber macht sich wirklich jemand die Mühe, einmal regelmäßig das Programm der Filmtheater zu verfolgen? Wohl kaum, denn dann müßte der ärgste Kritiker erkennen, daß auch hier immer wieder das Bemühen zum Ausdruck kommt, dem Film mit Niveau zum Durchbruch zu verhelfen, dem
geistig aufgeschlossenen Kinofreund wirklich erlesene Kost zu bieten. Doch
leider fehlen dann meist die scharfen Kritiker in den Reihen der zufriedenen
Besucher. Und dann hat ja auch der Filmklub in guter Zusammenarbeit mit den
Kinos die Aufgabe
übernommen, dem gar nicht so kleinen Kreise von Anhängern des guten Filmes Perlen der „Flimmerkisten-Kunst“ vorzusetzen. Das Kino aber wird weiter seine nicht zu unterschätzende Aufgabe im Dienste „des kleinen Mannes“ durchführen. Es wird aber auch in Düren weiterhin für Veranstaltungen anderer Art seine Bühne frei machen und seine Tore offenhalten. Sei es Varieté, sei es eine Jam-Session, sei es ein Gastspiel einer bekannten Künstlertruppe. Und sei es schließlich auch ein Sinfonie-Konzert – solange die Stadt hierfür noch keinen anderen Saal fand. Gemeinsam wollen übrigens die Kinobesitzer die UT-Lichtspiele eigens für solche Veranstaltungen wieder aufbauen.
Dieser Dienst am Kinofreund des Alltages ist übrigens nicht immer leicht. Da ist der ständig Zuspätkommende, der ganzen Stuhlreihen geräuschvoll die Leinwand verdeckt, da sind die Leute, die telefonisch und sehr
bestimmt eine Karte zum Sonntagabend bestellen und dann stattdessen in Nideggen
oder Heimbach sonnenbaden, w
ährend ein verzweifeltes Kassenfräulein nicht weiß, was sie tun soll. Und da sind die Leute, die nie ihren richtigen Platz finden,
obgleich dicke Nummern auf Karte und Platz stehen. Und da sind schlie
ßlich die Arbeiter und Angestellten, die murrend vor dem Schild „Ausverkauft“ stehen, das samstags und sonntags häufig vor der Tür prangt – und drinnen sitzen Besucher, die eigentlich auch am Wochentage kommen könnten. Und da sind sie Leute, die nie das Programminserat lesen und dann stets
den Film vers
äumen, den sie unbedingt sehen wollten.
Sie werden aber weiterhin „ihre“ Filme sehen können – die Dürener. Und weiter zu den alten Preisen, obgleich der Preisstop demnächst aufgehoben werden soll. Ihre Filmtheater stehen weiter zu ihren Diensten:
mit Wild-West, mit einem Kriminal-Rei
ßer, mit einem schmalzigen Ganghofer, aber auch mit einem modernen Problemfilm,
mit guter Kost aus Deutschland, England, Frankreich, Italien oder auch
Hollywoood. Und vielleicht wird in absehbarer Zeit, ein f
ünftes Kino – das UT – mit neuem Programm die Besucher locken.
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