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Die Heimatvertriebenen
Als gegen Ende des Krieges und bald danach die Trecks der Heimatvertriebenen aus Ost- und Südosteuropa nach dem Westen kamen, um vor allem in der Bundesrepublik aufgenommen zu werden, war der fast völlig zerstörte Kreis Düren nur beschränkt in der Lage, den Suchenden eine neue Heimat zu geben. Außer einem gewaltigen Wohnungsdefizit stand einer sofortigen Aufnahme der Vertriebenen auch die Tatsache entgegen, daß eine große Anzahl von evakuierten ehemaligen Bewohnern des Kreises Düren wieder in ihre alten Wohnungen zurückkehren wollte. Immerhin konnten schon 1945 in einzelnen Gemeinden an der Peripherie des Kreises, so zum Beispiel in Nieder- und Oberzier, einige vertriebene Familien aufgenommen werden. 1950 hatte der Kreis Düren schon 7,7 v. H. Vertriebene oder Flüchtlinge, lag damit jedoch weit unter dem Durchschnitt des Landes Nordrhein-Westfalen mit 13,1 v. H. der Wohnbevölkerung. 1959 waren im Kreise Düren 12.626 Vertriebene und Flüchtlinge ansässig; diese Zahl reduzierte sich auf 12.467 im Jahre 1965 durch Fortzüge innerhalb des Landes Nordrhein-Westfalen. Auch zu diesem Zeitpunkt lag der prozentsatz an Neubürgern niedriger als im Lande oder in der Bundesrepublik:

Auf 100 Einwohner entfielen
im Kreis Düren 8,6 Vertriebene
im Land Nordrhein-Westfalen 15,4 Vertriebene
in der Bundesrepublik 18,0 Vertriebene

Die meisten Heimatvertriebenen fanden in den vom Krieg weniger betroffenen ländlichen Gemeinden des Kreises Aufnahme, nicht etwa in der Stadt Düren oder den stark industriell durchsetzten Gemeinden. In der Kreisstadt selbst waren 1950 nur 5,8 v. H. der Wohnbevölkerung Heimatvertriebene. Stockheim dagegen hatte eine Aufnahmequote von 10,8 v. H., Berzbuir-Kufferath eine solche von 9,6 v. H., Bürvenich 11,9 v. H., Muldenau 11,2 v. H., Froitzheim 10,2 v. H., Lüxheim 13,6 v. H. und Juntersdorf 15,9 v. H. Die höchste Aufnahmequote hatte Hürtgen mit 16,3 v. H. der Wohnbevölkerung.
Ein Problem war die berufliche und wirtschaftliche Eingliederung der Zuwanderer, deren Hauptmasse zwischen 1947 und 1951 in den Kreis Düren kam.
Schon die Wohnungsfrage brachte Schwierigkeiten, aber in fast allen Fällen konnte durch vermehrtes Bauen neuer Wohnungen Abhilfe geschaffen werden. Im ganzen Kreis Düren gibt es heute keine Barackenlager für die Vertriebenen mehr. […]
Größer ist die Zahl der neuen landwirtschaftlichen Siedlerstellen, die heute von Vertriebenen geleitet werden. Die Errichtung dieser Betriebe als Voll- und Nebenerwerbsstellen wurde mit LAG-Darlehen gefördert. Für 30 Vollerwerwerbsstellen für Vertriebene wurden bis 1966 914.500 DM zur Verfügung gestellt, für 133 Nebenerwerbsstellen 1,3 Mill. DM; die gesamte Betriebsfläche dieser 163 Stellen beträgt 438 ha. Für SBZ-Flüchtlinge wurden 3 Vollerwerbsstellen mit zusammen 57.700 DM, 38 Nebenerwerbsstellen mit 392.700 DM gefördert; die Betriebsfläche beläuft sich auf 36 ha.
Die Eingliederung der Neubürger ist sehr weit fortgeschritten; vor allem die junge Generation empfindet den Dürener Raum als ihre Heimat.

H. Fischer, Die Bevölkerung, in: Karl Künster, Der Landkreis Düren, Bonn 1967, S. 109