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Im Dienste des Wiederaufbaues 1948-1951
Am 20. Juni 1948 kam die von der
Bevölkerung langersehnte, aber bis zum Vortag
geheimgehaltene Währungsreform, bei der die Reichsmark
durch die Deutsche Mark ersetzt wurde. […] Die Jahre
zwischen 1948 und 1951 waren die Zeit des Wiederaufbaues im
engeren Sinne, eine kritische Epoche für das damalige
Experiment der Marktwirtschaft.
Der totale Krieg hatte aus der
traditionsreichen und wohlhabenden Stadt Düren eine
Stätte des Grauens und des Todes gemacht. Aber was
Heimatliebe und Zähigkeit der Bevölkerung vermochten,
zeigte der Wiederaufbau. Am 16. April 1946 [richtig: 1947]
genehmigte die Stadtverordnetenversammlung einen Rahmenplan zum
Wiederaufbau der Stadt an alter Stelle. Der eigentliche
Wiederaufbau konnte jedoch erst nach der Währungsreform
beginnen. An ihm war die Städtische Sparkasse
maßgeblich beteiligt. […]
Auch der Dürener Wirtschaft, besonders
der Industrie, gelang es bis 1951, die Produktions- bzw.
Verkaufsstätten aufzubauen und alte
Geschäftsverbindungen zu erneuern. Die Papierindustrie
nahm 1951 erstmalig in beachtlichem Umfang am konjunkturellen
Aufstieg und an der stärkeren Ausweitung des Exportes
teil. Während von der Düren-Jülicher
Papierindustrie 1949 erst acht, 1950 bereits 16 Unternehmen
für den Export arbeiteten, produzierten 1951 20 Firmen
für das Ausland. Die Gesamtzahl der Arbeitnehmer in
Industrie, Handel, Verkehr, Handwerk und sonstigen Berufen
erreichte 1951 wieder den Stand von 1938. Die Bevölkerung
des Kreises Düren verzeichnete gegenüber 1939 bereits
eine Zunahme von 2,1 Prozent, von 119.760 auf 122.278
Einwohner.
So kann gesagt werden, dass sich bis 1951
die Lage der Dürener Wirtschaft weitgehend normalisierte,
der Wiederaufbau im allgemeinen abgeschlossen war und die
wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse das
Vorkriegsniveau erreichten. […]
Die Währungsreform schuf mit der
Neuordnung des Geldwesens nicht nur die wohl wichtigste
Voraussetzung des Wiederaufbaues, sondern bereitete den vielen
Sparern auch herbe Enttäuschungen. Nach 25 Jahren erlitt
die Bevölkerung erneut große finanzielle
Einbußen, die sich auf ihren Sparwillen auswirken
mussten. Die Städtische Sparkasse Düren ging im Juni
1948 mit einem Gesamteinlagenbestand von rd. 40.686.000 RM in
die Währungsreform. Am 21. Juni 1948 besaß dieser
Bestand nur noch einen Wert von 2.187.183,01 DM. Den
drastischen Maßnahmen der Währungsumstellung fielen
rund 95,6 Prozent der Gesamteinlagen der Städtischen
Sparkasse zum Opfer. Besonders hart wurden die kleinen Sparer
betroffen, deren Guthaben in den meisten Fällen durch die
Kopfquotenanrechnungen untergingen. Daß sie ihr Vertrauen
in die Währung verloren und daß es schwer war,
dieses Vertrauen wiederzugewinnen, ist verständlich.
Infolge der totalen Vernichtung der Wohnungen, des großen
Mangels an Nahrungsmitteln, Gebrauchsgegenständen und
Kleidung bestand bei der Bevölkerung ein erheblicher
Nachholbedarf. Die Konsumausgaben stiegen rapide an. Jeder
wollte wieder menschenwürdig leben. Zur Erfüllung
ihrer Kaufwünsche hoben die Sparer der Städtischen
Sparkasse einen erheblichen Teil ihrer umgestellten
Sparguthaben ab. Bis zum Ende des Jahres 1948 wurden 777.915,81
DM an die Sparer ausgezahlt; in dem gleichen Zeitraum betrugen
die Einzahlungen nur 430.274,60 DM. Doch diese für
Konsumzwecke verwandten Gelder flossen der Sparkasse über
ihre Geschäftskonten wieder zu und sicherten die
Zahlungsbereitschaft im Spargeschäft. Erst Anfang 1949
ließen die Abhebungen nach, nachdem Mißtrauen und
Enttäuschung gegenüber der Währung langsam
gewichen waren und die gewaltige Konsumgüternachfrage
zurückging. Die Sparbereitschaft wuchs und steigende
Spareinlagen brachten bei wachsender Preisstabilität der
Städtischen Sparkasse einen lebhaften Aufschwung.
Die Spareinlagen machten 1952 ca. 372
Prozent der umgestellten Reichsmark-Spareinlagen aus. Der
Verbandsdurchschnitt lag demgegenüber nur bei 246 Prozent.
[…]
Die Sparleistung der Dürener
Bevölkerung lag trotz der totalen Vernichtung der Stadt
und des überdurchschnittlichen Nachholbedarfs an
Gebrauchsgütern höher als allgemein üblich.
Fleiß und Strebsamkeit der Dürener sowie das
Vertrauen zu ihrer Sparkasse und zur neuen Währung
bewirkten diese Anfangserfolge. Das Sparguthaben pro Kopf der
Bevölkerung betrug im Stadtgebiet Ende 1952 bereits 125,50
DM, der Durchschnitt im Verbandsgebiet des Rheinischen
Sparkassen- und Giroverbandes lag bei 117,- DM. […]
Durch die erfreuliche Einlagensteigerung
wurde die Sparkasse nach dem totalen Niedergang als Folge des
Krieges in einem Umfange aktionsfähig, den man nie
für möglich gehalten hätte. Sie konnte sich
deshalb mit beachtlicher Breitenwirkung an der
Kreditgewährung für Handel, Handwerk, Industrie und
Private beteiligen.
Das Schwergewicht des Kreditgeschäftes
lag nach der Währungsreform zunächst bei den kurz-
und mittelfristigen Ausleihungen. Es galt – wie es der
Geschäftsbericht der Städtischen Sparkasse von 1948
bis 1952 ausdrückt – „der heimischen
Wirtschaft die notwendigen Betriebsmittel zur Verfügung zu
stellen“. Nahezu 50 Prozent dieser Darlehen gingen
über Beträge bis zu 1.000 DM. Diese geringe Höhe
zeigt, wie weit die Städtische Sparkasse bemüht war,
insbesondere dem Kreditbedürfnis des Mittelstandes und
weiten Kreisen der Bevölkerung Rechnung zu tragen.
Das kurzfristige Kreditgeschäft trat
im Laufe der Jahre immer mehr zurück. Die Sparkasse wandte
sich in stärkerem Maße dem langfristigen
Geschäft zu. 1949 wurden 73,3 Prozent der Kredite kurz-
und mittelfristig und 26,7 Prozent langfristig ausgeliehen.
1952 betrug das Verhältnis 46,2 Prozent und 53,8 Prozent
zugunsten der langfristigen Ausleihungen, letztere besonders
für den Wohnungs- und Siedlungsbau. Die Städtische
Sparkasse ließ sich von dem Gedanken leiten, daß
„es eine ihrer vordringlichsten Aufgaben sei, dem
Wiederaufbau, insbesondere dem Wohnungsbau, eine wirksame
finanzielle Unterstützung zu gewähren“. Mit der
Ausgabe eigener Hypotheken erreichte man, daß dem
sozialen Wohnungsbau außerdem noch Landesmittel
zuflossen, die wiederum auf dem Wege über den Baumarkt
einem Großteil der Dürener Wirtschaft und der
Arbeiterschaft zugute kamen. Das Kreditvolumen wuchs zwischen
1949 ud 1952 insgesamt von 4.034812 DM auf 8.199.889 DM.
[…]
Die jüngste Entwicklung 1952 - 1967
[…] Immer mehr Menschen fanden in
Düren Arbeit und Wohnung. Ihre Tüchtigkeit und die
allgemeine Bereitschaft, hart und gut zu arbeiten, um den
verlorenen Wohlstand wiederzugewinnen, zu mehren und zu
erhalten, schufen die Voraussetzungen für die
ständige Aufwärtsentwicklung. Die Umsätze
schnellten in die Höhe. Das Handwerk setzte pro
Beschäftigten 1950 noch 8.200 DM, 1955 bereits 13.600 DM
und 1963 die Sume von 25.000 DM um [Dürener Nachrichten
vom 05.05.1965]. Die Umsatzwerte der Industrie stiegen von rund
327 Millionen DM im Jahre 1950 auf 556 Millionen DM im Jahre
1954 und erhöhten sich bis in die heutige Zeit stetig
weiter. [Dürener Zeitung 12.11.1955]
Die Gesamtzahl der in der gewerblichen
Wirtschafts des Arbeitsamtsbezirks Düren Tätigen
stieg von 53.320 im Jahre 1952 auf 103.182 im Jahre 1963. Es
wohnten 1961 nahezu 50.000 Menschen in der Stadt Düren.
42,6 Prozent von ihnen waren Erwerbspersonen, darunter 15
Prozent Selbständige, vorwiegend Vertreter des
Mittelstandes, die seit jeher zum Kundenkreis der Sparkasse
gehörten. Von den Erwerbspersonen waren in Düren 51
Prozent, also mehr als die Hälfte, in Industrie und
Handwerk beschäftigt, 28,4 Prozent in Handel und Verkehr.
Als einziger großer Erwerbszweig hat
die Landwirtschaft des Kreises Düren nichts von dem
ständig steigenden Bevölkerungszuwachs absorbiert, im
Gegenteil, sie erwies sich in zunehmendem Maße als ein
Reservoir für Arbeitskräfte, die in anderen Bereichen
benötigt wurden. Die Zahl der Erwerbstätigen sank
hier von 4.000 im Jahre 1948 auf 2.600 im Jahre 1950 und auf
527 im Jahre 1966 ab. [Dürener Zeitung 10.12.1966]
[…]
Das Sparen trat nach den Jahren der
bitteren Not, nach 1952, zugunsten des großen Nachhol-
und Neubedarfs an lebensnotwendigen Gütern etwas in den
Hintergrund. Die Konsumgewohnheiten änderten sich nach
1948 mehrmals. Es begann mit der sogenannten
„Freßwelle“. Man wollte sich zunächst
einmal wieder sattessen. Es folgte die
„Bekleidungswelle“ und dann – vielleicht
weniger deutlich erkennbar – die Zeitspanne einer
wachsenden Nachfrage nach Möbeln und Hausgeräten im
Gefolge der Wohnungsbeschaffung und Modernisierung. Das Auto
und andere Luxusartikel wurden zum Symbol des Wohlstandes. Die
Zahl der Kraftfahrzeuge vermehrte sich im Kreise Düren
ständig. 1947 gab es 1.632 Automobile, 1952 waren es 9.650
und am 1. Juli 1966 besaßen 34.066 Dürener ein Auto,
davon waren annähernd 75 Prozent Personenwagen. […]
Die stärker werdende
Spartätigkeit verbreiterte die Basis für eine solide
Finanzierung öffentlicher und privater Investitionen, die
ihrerseits die Auftrags- und beschäftigungslage in
Industrie, Handwerk und Handel verbesserten und letztlich die
Sparbereitschaft neu belebten. […] Das durchschnittliche
Guthaben stieg bei der Städtischen Sparkasse von 395 DM im
Jahre 1952 auf 2.049 DM im Jahre 1966. […]
Aus der einst totgesagten Stadt entwickelte
sich Düren bis heute zu einem modernen, weltoffenen
Mittelpunkt eines Kreises von über 150.000 Einwohnern. Mit
wachsender Bevölkerung vergrößerte sich auch
das Einzugsgebiet der Städtischen Sparkasse. Die
mittelalterliche geschlossene Form des Stadtkerns gab man
weitgehend auf, die ehemalige Altstadt wurde aufgelockert. Aus
den idyllischen Gassen des alten Dürens entstanden nach
der totalen Zerstörung moderne, breitere Straßen,
die von Zweckbauten begrenzt, sichtbare Zeichen der modernen
Zeit geworden sind.
Das 1959 fertiggestellte Rathaus wurde zu
einem Symbol der wiederaufgebauten Stadt. Sein Ausmaß,
die Form seiner Anlage und sein Schmuck repräsentieren
Wohlstand und Reichtum. Im April 1956 begannen die Bauarbeiten,
am 17. Oktober 1956 erfolgte die Grundsteinlegung, und am 6.
Januar 1959 zogen die letzten Dienststellen in das neue
Gebäude ein. Vom alten Düren haben Zerstörung
und Neuaufbau kaum etwas übriggelassen. An diesem
Wandlungsprozeß besaß die Städtische Sparkasse
einen großen Anteil. […]
Damit waren neben den finanziellen auch die
räumlichen Voraussetzungen geschaffen, um den Wiederaufbau
in Stadt und Land weiter zu vervollkommnen, Wohnungen zu
finanzieren, Betrieben Investitionen zu ermöglichen,
Handel und Gewerbe zu fördern. Da die Einlagen
ständig wuchsen, war die Städtische Sparkasse fast
immer in der Lage, „allen vertretbaren
Kreditwünschen ihrer Kundschaft gerecht zu werden“.
[Geschäftsbericht 1955, S.4] Das Kreditvolumen der
Sparkasse, welches 1952 7,3 Millionen DM betrug, erhöhte
sich bis 1966 um mehr als das Zehnfache auf 75,5 Millionen DM.
Die Förderung des Wohnungsbaues
geschah in der seit Jahrzehnten üblichen Form des
Hypothekarkredites. Bis zum Jahre 1966 wurden 4.581 Wohnungen
von der Städtischen Sparkasse mitfinanziert.
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