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Erste Anfänge kulturellen und sportlichen Lebens
Am 25. Februar 1945 war für das Gebiet der Stadt Düren der Zweite Weltkrieg beendet. An diesem Tage hatten amerikanische Truppen das Stadtgebiet vollständig eingenommen und damit begonnen, eine militärische und zivile Verwaltung aufzubauen. Die Mühen, eine einigermaßen geordnete Versorgung der langsam zurückkehrenden Bevölkerung zu organisieren, sind mehrfach dargestellt worden. Es dauerte noch Monate, bis Wasser- und Stromversorgung notdürftig wieder in Gang kamen, im Mai 1945 konnten die ersten Geschäfte (Bäckereien, Metzgereien und Lebensmittelhandlungen) in Düren öffnen, und bis die ersten Schulen ihren Betrieb wieder aufnehmen konnten, wurde es September. Obwohl Stadt- und Kreisverwaltung in diesen Monaten und noch in den kommenden Jahren in erster Linie damit beschäftigt waren, die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln, Kleidung und Brennstoffen zu organisieren, begann gleichzeitig auch das kulturelle und sportliche Leben wieder.

Sport
Die großen Sportvereine, SG Düren 99 und Spielvereinigung „Schwarz-Weiß“ Düren, begannen bereits im Sommer 1945 wieder und schon am 7. September 1945 spielte die Fußballmannschaft der „99er“ in Aachen gegen die dortige Alemannia ihr erstes größeres Spiel. In den kommenden Jahren wurde die Mannschaft zu einem der führenden Teams im Verband Mittelrhein und spielte während der 50er Jahre über mehrere Jahre hinweg in der 2. Liga West, der damals zweithöchsten Spielklasse. Aus dem Verein stammen die Nationalspieler Georg (Schorsch) Stollenwerk, der am Olympischen Fußballturnier 1952 in Helsinki und an der Fußball-WM 1958 in Schweden teilgenommen hat, sowie der Abwehrspieler Karl-Heinz Schnellinger, der noch als Jugendlicher für die SG Düren 99 seine ersten Länderspiele gemacht und ebenfalls am Fifa-Turnier in Schweden teilgenommen hat. Schnellinger ging nach einigen Jahren beim 1. FC Köln als Spieler nach Italien, wo er bis in die 70er Jahre hinein einer der besten Abwehrspieler der Welt war. Unvergessen sein Ausgleichstor im „Spiel des Jahrhunderts“, dem Halbfinale zwischen Deutschland und Italien bei der WM 1970 in Mexiko. Im Sommer 1954, kurz nach der Weltmeisterschaft in der Schweiz, fand auf der Westkampfbahn ein Fußballspiel zwischen den 99ern und dem 1. FC Kaiserslautern vor 15 000 Zuschauern statt. Kaiserslautern war damals wohl die prominenteste Mannschaft Deutschlands mit 5 Spielern aus der Weltmeistermannschaft. Kaiserslautern gewann übrigens 5 : 2! Überhaupt sind die Zuschauerzahlen für heutige Verhältnisse erstaunlich. Bei Fußballspielen von „Schwarz-Weiß“ gegen die Lokalrivalen „Dürener Spielverein“ oder „Sportfreunde“ waren nicht selten mehr als 2000 Fans „auf den Rängen“.
Auch andere Sportarten waren in den 1950er Jahren populär in Düren, so z.B. (Feld-)Handball, Boxen und Radrennen. Schon 1948 konnte die Radrennbahn im Jugendstadion soweit hergerichtet werden, dass dort wieder Rennen stattfinden konnten. In erster Linie „Steher-Rennen“, bei denen der Radfahrer hinter einem Motorrad fährt, das ihm Windschatten gewährt. Rund 7000 Besucher feierten am 12. September 1948 die Wiedereröffnung der Radrennbahn. Box-Veranstaltungen vor Hunderten von Zuschauern fanden unter anderem auf dem Fuhrparkgelände an der Rurstraße oder auf dem Werksgelände der Dürener Metallwerke statt.

Kino
Im Januar 1946 eröffnete das erste Kino nach dem Krieg in Düren, die Nord-Lichtspiele an der Ecke Alte/Neue Jülicher Straße. Etwa gleichzeitig wurde auch in Ost-Düren in der Kölner Landstraße ein Kino eröffnet: „Neue Lichtspiele Düren-Ost“. In den ersten Monaten zeigte dieses Kino ausschließlich die Wochenschau „Welt im Bild“, erst im Mai wurden dann auch „Spiel- und Unterhaltungsfilme“ gezeigt. Im Laufe des kommenden Jahrzehnts wuchs die Anzahl der Lichtspieltheater „gewaltig“ an. Im Stadtgebiet Dürens bestanden um 1960 folgende Kinos: Schauburg (Wirteltorplatz), Germania (Wirtelstraße), UT (Kleine Zehnthofstraße) und Metropol (Grüngürtel), daneben bestanden immer noch die Nord-Lichtspiele, während das Filmtheater in Ost-Düren eingegangen war. Aber nicht nur in der Stadt, in allen größeren Dörfern der Umgebung existierten Kinos. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Birkesdorf, Arnoldsweiler, Rölsdorf, Lendersdorf, Kreuzau, Niederzier, Langerwehe und Schlich besaßen in den 50er Jahren eigene Lichtspielhäuser. Mit der massenhaften Verbreitung des Fernsehens Ende der 50er Jahre begann der Niedergang dieser meist kleinen Kinos. Die meisten schlossen in den 60er Jahren ihre „Pforten“.
Übrigens fanden in den größeren Kinos auch andere Veranstaltungen statt. Zumindest die „Schauburg“ und das „Germania“ besaßen eine kleine Bühne vor der Leinwand. Dort fanden die damals beliebten „Bunten Abende“ statt, auf denen Stars und Sternchen der Unter-haltungsbranche auftraten, und auch Karnevalsveranstaltungen mit den damaligen Größen des Kölner Karnevals. Selbst nach Fertigstellung der Stadthalle wurden die Säle noch für diese Unterhaltungsabende genutzt.

Theater und Musik
Bei der Zerstörung der Stadt war auch das Dürener Stadttheater vernichtet worden. Schon im April 1946 wurde der Festsaal der Heil- und Pflegeanstalt, der heutigen Landesklinik, soweit hergerichtet, dass dort Theater- und Konzertveranstaltungen stattfinden konnten. Der Saal wurde am 25. April 1946 mit einem Konzert des Städtischen Orchesters Aachen als „Stadttheater Düren“ eröffnet. Bis zur Fertigstellung der Aula des Stiftischen Gymnasiums im Herbst 1952 diente dieser Saal als Theater- und Konzertsaal. Allein im Jahr 1946 fanden nahezu 90 Theatervorstellungen statt. Aufgeführt wurden Lustspiele, Märchen und einige klassische Dramen. Zeitgenössische Schauspiele fanden so gut wie nicht statt. Weder moderne deutsche Theaterstücke, noch die französischen, amerikanischen und englischen Stücke, die in den 50er Jahren die Spielpläne beherrschen sollten, fanden in den ersten Spielzeiten in Düren eine Bühne. Im Oktober 1948 wurde eines der bekanntesten und erfolgreichsten deutschen Schauspiele, „Des Teufels General“ von Zuckmayer, in Düren aufgeführt. Bespielt wurde das „Stadttheater Düren“ in den ersten Jahren vor allem vom „Theater der Jugend“, Neuss, unter der Intendanz von Roland Müller-Stein. Die Anzahl der Aufführungen verringerte sich nach der Währungsreform 1948 beträchtlich, ohne dass sich die Auswahl der Stücke generell geändert hätte.
Auch die Opernaufführungen stammten ausschließlich aus dem klassischen Repertoire von Mozart bis Puccini.

Karneval
Im November 1946 fand die erste „Karnevalsveranstaltung“ nach dem Krieg in Düren statt. Ein „Bunter Abend“ zum 11. im 11., durchgeführt von der Kolpingfamilie. Allerdings war der Straßenkarneval noch durch die Militärregierung verboten. Düren, per se keine „Narrenhochburg“, hatte seit dem 19. Jahrhundert keine eigenen Karnevalsvereine und -gesellschaften mehr. Der Saalkarneval wurde von Gruppen wie der „Narrenzunft“ der Kolpingfamilie, den „Schwarz-Roten Funken“ der SG Düren 99 und ähnlichen Gruppierungen betrieben. Bis zum 2. Weltkrieg gab es in Düren, im Gegensatz zu manchen Dörfern in der Umgebung, auch keinen Karnevalsprinz und keinen Karnevalszug, schüchterne Versuch in dieser Richtung waren vor dem Krieg gescheitert. Dennoch fanden die sogenannten „Kappensitzungen“ ein großes Echo und insbesondere die „Fastnachtsschlager“ von Jupp Kurth begeisterten die Zuschauer. Kurth fand schon in den ersten Nachkriegsjahren den richtigen sentimentalen Ton, der auch zum „Fastelovend“ gehört. Seine Lieder wie z.B. „Häste denge Schutt dann noch net fott“ oder „Me lötsche dönne Seem“ trafen den Nerv des Publikums. Erst im Jahr 1952 wurde der erste Karnevalszug in Düren durchgeführt und zum ersten Mal gab es auch einen Karnevalsprinzen. Der langjährige Redner und Präsident der Narrenzunft und spätere Bürgermeister Fritz Heusgen wurde „Prinz“. In dieser Session gründete sich auch die erste eigenständige Dürener Karnevalsgesellschaft, die „Kruuschberger Funken“. Aus dem Vorbereitungsausschuss für den „Zug“ bildete sich im Sommer 1952 der „Festausschuss Dürener Karneval“, der nun seine ordnenden Hände über das „Vaterstädtische Brauchtum“ hielt. In den kommenden Jahren kam es wieder zu Querelen innerhalb des Festausschusses und des ebenfalls existierenden Regionalverbandes. Eine größere Krise entstand Anfang der 60er Jahre, als der Festausschuss in Ermangelung eines männlichen Kandidaten eine junge Frau zum „Prinzen“ wählte. Die Vorstellung, dass sie als „Prinz“ in Pumphosen den Dürener Karneval repräsentieren sollte, entsetzte so sehr, dass die Stadt den Zuschuss für den Fastnachtszug strich und 1961 kein Zug durchgeführt wurde. Arni I. Seekircher, die inzwischen zur „Prinzessin“ mutiert war, nahm stattdessen am Rosenmontagszug in Düsseldorf teil.

1200-Jahrfeier
Im September 1948 feierte die Stadt ihr 1200jähriges Bestehen. Das erste deutliche Lebenszeichen der Stadt und ihrer Bewohner, das über die Stadtgrenzen hinaus reichte. Das Jubiläum basierte auf einer Eintragung in den Metzer Annalen, die besagt, dass der fränkische König Pippin hier im Jahr 748 einen Hoftag abgehalten hat (ein Datum, das inzwischen wohl überholt ist, richtig wäre das Jahr 747). In der Woche vom 4. bis zum 12. September 1948 fand in Düren ein umfangreiches Kultur- und Sportprogramm anlässlich des Jubiläums statt. Eine Ausstellung mit Bildern des Düreners Malers Hans Beckers in den Ausstellungsräumen in der Paradiesstraße, Konzerte im Stadttheatersaal in der Heil- und Pflegeanstalt und im Kino „Schauburg“, Fußball- und Handballspiele, Schwimm- und Boxveranstaltungen auf verschiedenen Sportplätzen und im Sommerbad, vor allem aber die Aufführung des Festspiels „Wir kehren zurück“ des Dürener Autors Felix Peltzer, das Schauspiel wurde nicht nur im Theatersaal, sondern auch als Freilichtaufführung auf dem Hoeschplatz gespielt. Ein Foto aus dieser Aufführung erschien Ende September als Titelseite der „Neuen Illustrierten“. Dargestellt wurden Szenen aus der Dürener Geschichte in der Regie von Roland Müller-Stein.