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Horst Wallraff, Nationalsozialismus in den Kreisen Düren und Jülich. Tradition und „Tausendjähriges Reich“ in einer rheinländischen Region 1933 bis 1945, Düren, Hahne & Schloemer 2000

VI.3 „Totaler Krieg“: Der 16. November 1944
S. 533ff.: Der Bombenangriff der „Royal Air Force“ (RAF) am 16. November 1944 auf die Städte Düren und Jülich war kein singuläres Ereignis. Weder, was die Zahl der abgeworfenen Bombentonnage noch was die Zahl der sie abwerfenden Flugzeuge und schon gar nicht was die Zahl der Opfer angeht, können die beiden Städte Einzigartigkeit im Rahmen des alliierten Bombenkrieges gegen Deutschland für sich reklamieren, weshalb wohl die Zerstörung von Düren und Jülich im Wehrmachtsbericht vom 17. November 1944 mit keinem Wort genannt ist: „Obwohl dieser Angriff sicher nicht unbedeutend war, wird er in de[n] „Histories“ der Squadrons nur am Rande erwähnt. So sarkastisch das auch klingen mag: er war eben einer jener kaum zählbaren Angriffe, die tagtäglich über Deutschland geflogen wurden.“ Ebenso wurden bei Luftangriffen auf Essen am 22. und 24. Oktober 1944 mit 4522 und 3719 Tonnen Bomben ebenso wie in Köln am 30. Oktober dieses Jahres mit 3937, drei Tage später mit 4468 Tonnen auf Düsseldorf und am 12. März 1945 mit 4851 Tonnen Bomben auf Dortmund4 bei weitem höhere Bombentonnagen abgeworfen als die 2703 respektive 1917 Tonnen, die am 16. November 1944 auf Düren respektive auf Jülich herabregneten, derweil beim „round-the-clock-bombing“ auf Duisburg am 14. Oktober 1944 – um nur noch eines von vielen Beispielen zu nennen – mit 9000 Tonnen Bomben gut das Dreifache der „Dürener Menge“ und fast das Fünffache des Jülicher Bombenregens abgeworfen worden war. Dazu war der Angriff vom 16. November der einzige sogenannte „Großangriff“ auf Düren und Jülich während des Zweiten Weltkrieges, wovon jedoch Berlin 29, Braunschweig 21, und Frankfurt am Main, Köln und Kiel je 18 zu erdulden gehabt haben, wobei auch dies wieder lediglich einige Beispiele von vielen sind. Während Düren mit schätzungsweise 4000 Toten allerhöchstens zehn Prozent seiner Einwohner durch den Angriff vom 16. November 1944 verloren hat, bedeuteten die 17000 Pforzheimer Opfer vom 23. Februar 1945 – auch hier war das Bombardement nach 19 Minuten beendet – ein Drittel der Einwohnerschaft, und Hamburg verzeichnete bei insgesamt 213 Luftangriffen etwa 55000 Luftkriegstote!
Andererseits ist es richtig zu behaupten, daß der Angriff auf Düren, Jülich und Heinsberg „(...) der schwerste taktische Luftangriff der Alliierten im Zweiten Weltkrieg [kursiv vom Verfasser]“ gewesen ist, denn U.S.A.F. („United States Air Force“) und RAF warfen im Zuge dieser Luft-Boden-Operation mit zusammen etwa 9300 Tonnen Bomben die (vielleicht) höchste Tonnage an einem einzigen Tage auf ein Gebiet (nämlich das von Düren, Jülich, Eschweiler und Heinsberg) ab. Es war wohl das unglückselige Zusammentreffen von Luft- und Stellungskrieg, welches das Düren-Jülicher Land wie „(...) kein anderes Gebiet des deutschen Vaterlandes“ in die Mitleidenschaft des Zweiten Weltkrieges gezogen hat, und nach Maßgabe der zu 60 bis 100 Prozent zerstörten Wohnungen waren die Landkreise Düren und Jülich von allen im Gebiet des späteren Nordrhein-Westfalen gelegenen Stadt- und Landkreisen am schwersten betroffen, die Städte Düren und Jülich mit einem Zerstörungsgrad von nahezu einhundert Prozent in ganz Europa „führend“. Und das ist es, was den Angriff auf Düren und Jülich in gewissem Sinne einzigartig macht: die Konzentration der angreifenden Flugzeuge und der abgeworfenen Bombenmenge auf einen sehr begrenzten Raum – im Falle von Düren ja in etwa im Geviert der ehemaligen Stadtmauern – ließ das Geschehen hier besonders infernalisch erscheinen. Dies haben auch die Zeitgenossen schon so empfunden, wie den Aufzeichnungen von Ernst Neumann-Neander vom 18. November 1944 zu entnehmen ist: „Überlebende [des Dürener 16. November], die bereits Angriffe auf Köln und Aachen sahen, schilderten den plötzlichen Tagesangriff mit vielen hundert Bomben auf kleinem Raum als apokalyptisch.“
Waren Bombardierungen des Dürener Umlandes in den Jahren 1942 und 1943 – so beispielsweise im Juni 1942 in Birkesdorf und im Juli/August desselben Jahres in Juntersdorf, Mariaweiler und Lendersdorf – viel mehr die Ausnahme und in der Regel sogenannte „Gelegenheitsabwürfe“ gewesen, so änderte sich dies ab dem Zeitpunkt der alliierten Landung in der Normandie am 6. Juni 1944 zusehends. Nun „(...) schien sich der ständig steigernde alliierte Bombenkrieg von allen militärischen Notwendigkeiten zu lösen und zum Selbstzweck zu werden: Auch zahlreiche kulturell wertvolle Kleinstädte wurden nunmehr als ‘militärische Objekte’ in Trümmer gelegt, nur weil ihre Eisenbahnanlagen auf dem Weg zur näherrückenden Front der Alliierten lagen.“ Wenngleich diese Feststellung auch nur begrenzt für den „Fall“ von Düren (und auch Jülich) zutrifft, so ist doch in jedem Falle richtig, daß Bahnanlagen und Bahntransporte die alliierten Bomber geradezu magnetisch anzogen, wie der schwere, etwa 400 Tote nach sich ziehende Angriff auf das Jülicher Eisenbahnausbesserungswerk am 28. September 1944 nachhaltig unterstrich; zwei Tage zuvor waren im „Haus Hardt“ in Nörvenich zum Schanzeinsatz abkommandierte Dürener Hitlerjungen – unter ihnen der ehemalige stellvertretende Dürener Bürgermeister Peter Viehöver – von sechs alliierten Jagdbombern mit Bordwaffen und Bomben angegriffen und dabei 40 Jugendliche getötet worden, was der Dürener Gestapospitzel der Kölner Dienststelle wie folgt übermittelte: „Am 28.9.1944 sind bei einem Fliegerangriff auf das Barackenlager in Nörvenich mehrere Hitlerjungen, die zum Schanzen zusammengezogen worden waren, gefallen (...) Die Erregung in der Bevölkerung ist groß, weil man gerade diese Jungen mit Hilfe der Polizei[!] geholt habe (...).“ Entsprechend dem Vorrücken der alliierten Bodentruppen gerieten nun also die bis dahin rein „strategischen“ Luftangriffe in erkennbare Beziehung zu den militärischen Operationen der „ground forces“, wurden also zunehmend als sogenannte „taktische“ Lufteinsätze geflogen, wobei im Zuge der nun überwältigenden Luftüberlegenheit der Alliierten die Grenzen zwischen solchen „strategischen“ und „taktischen“ Einsätzen auch gleich wieder verschwammen, und was war bequemer, als mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit der Luftunterstützung von Bodentruppen oder auf mitten in einer Stadt gelegene „wichtige industrielle Ziele“ solche Angriffe nicht als die Terroraktionen im Sinne des „moral bombing“ erscheinen zu lassen, die sie in Wirklichkeit doch waren. Dazu gab es im Falle von Düren sogar einige (zumindest vordergründig) ernsthafte, im Anschluß noch aufzuführende militärstrategische Aspekte, die einen Luftangriff (scheinbar) rechtfertigten, und die sich (wie so oft) verheerend auswirkende nationalsozialistische Propaganda besorgte ein übriges: Wenige Wochen vor dem 16. November 1944 war im Regionalprogramm des „Großdeutschen Rundfunks“ eine Sendung mit dem Titel „Eine kleine Stadt unmittelbar hinter der Front“ ausgestrahlt worden, bei der der schon erwähnte „Friedensbetrieb“ innerhalb von Düren in rosaroten Farben dargestellt wurde, um die – trotz des bereits zu vernehmenden Donners der alliierten und deutschen Artilleriegeschütze – hier herrschende „Normalität“ zu verdeutlichen. Die Dürener Bevölkerung fürchtete nach dieser Sendung, daß dieselbe von den Alliierten als zusätzliche Provokation aufgefaßt werden könnte, und tatsächlich trafen sich am 30. Oktober britische und amerikanische Offiziere der anglo-amerikanischen Luft- und Landstreitkräfte im Hauptquartier der 12. US-Armeegruppe, um mit den Vorbereitungen der bis dahin größten Luft-Boden-Operation des Krieges, der „Operation Queen“, zu beginnen.
Nach der Landung in der Normandie am 6. Juni 1944 waren die alliierten Truppen so schnell in Frankreich und Belgien vorgestoßen, daß die amerikanische Armee nach dem ersten Durchbruch der „Siegfried-Linie“ bei Roetgen am 14. September 1944 (durch die 9. US-Infanteriedivision) erstmals ernsthafte Nachschubprobleme zu vergegenwärtigen hatte, wobei diese bis zum Fall des für den alliierten Nachschub immens wichtigen Hafens von Antwerpen Ende November 1944 andauern sollten. „Einhundertfünfzigprozentigen Nachschub“ und eine für deutsche Soldaten oftmals „nicht faßbare waffentechnische Überlegenheit“ gewöhnt, waren die amerikanischen Soldaten nun erstmals in ihrem Vormarsch gestoppt worden, und ihr bis dahin „ungebrochener Optimismus“ schwand angesichts von fast 13000 gefallenen Soldaten allein der 1. US-Armee bei den Kämpfen im Hürtgenwald und solcher Gemetzel wie der „Allerseelenschlacht“ von Vossenack (am 2. November 1944) – die trotz allen Schreckens nur eine „Vorstufe des Grauens“ vom 16. November 1944 darstellen sollte – rasch. Andererseits waren auch breite Kreise der linksrheinischen deutschen Bevölkerung zunächst vom schnellen Sieg der alliierten Truppen überzeugt gewesen, wie die Mitte September 1944 im Vettweißer Dorfteich treibenden braunen NSDAP-Uniformen nachhaltig dokumentierten. Doch hatten jene sich ihrer Parteikluft entledigenden Opportunisten etwas vorschnell gehandelt, denn zur Überraschung vieler alliierter Soldaten und deutscher Zivilisten festigte sich nun die Front, und „(...) aus dem Bewegungskrieg [wurde] letztlich doch wieder ein Stellungskrieg (...)“, welcher besonders für die Städte Düren und Jülich und deren Umland verheerende Folgen zeitigen sollte, denn nach dem endgültigen Fall von Aachen am 21. Oktober war nun die Rur- gleichbedeutend mit der Frontlinie, die mit den Brückenköpfen bei Linnich, Jülich und Düren unbedingt gehalten werden mußte, zumal das gesamte Kampfgeschehen ab Mitte/Ende Oktober 1944 mehr und mehr von der auf deutscher Seite geplanten großen Gegenaktion, der „Ardennenoffensive“, beeinflußt wurde. Am 27. Oktober hatte die Armeegruppe B bei einer Besprechung in Fichtenhain ihren Plan „Herbstnebel“ vorgelegt, worin das Gebiet um Düren eine große Rolle für den gesamten Nachschub spielte: „Düren bildete für den deutschen Nachschub einen ungeheuer wichtigen Knotenpunkt.“ Entsprechend dieser Feststellung sind denn auch von den hier zu Wort kommenden Zeitzeugen Truppenbewegungen im Vorfeld des 16. November 1944 beobachtet worden; so weiß Peter Viehöver noch für den Morgen des Tages der Zerstörung von der Ankunft neuer deutscher Panzereinheiten in der Nähe des Neuen Wasserturms zu berichten, und Hans Iven zufolge waren schon Wochen zuvor Panzereinheiten in der Nähe des Neuen Friedhofes stationiert – die im übrigen bei den Rettungsarbeiten nach dem Inferno vom 16. November in keiner Weise aktiviert wurden! Inwieweit bei all dem der Status von Düren als Garnisonsstadt eine Rolle gespielt hat, läßt sich nur schwerlich feststellen; sicher ist, daß Düren im Vorfeld des 16. November 1944 nicht unbedingt eine „increasingly battered city“, in jedem Falle aber eine für die weiteren deutschen und amerikanischen Kriegspläne immens wichtige „Frontstadt“ darstellte, weshalb das Ziel der Bombereinsätze am 16. November 1944 in Düren (und Jülich) unter anderem darin bestand, „(...) die Verbindung zur Front hin zu unterbrechen, die in den Städten [Düren, Jülich und Heinsberg] befindlichen Truppen zu vernichten und in den Städten und in der näheren Umgebung die angelegten Nachschubbasen zu zerstören.“ Damit wollte man „verlustreiche Straßenkämpfe“ vermeiden und gleichzeitig den Zugang zu der für die alliierten Panzer gut befahrbaren Kölner Tiefebene gewinnen. Das alles klang plausibel und war mit den Bombardierungen von Jülich, Linnich und Aldenhoven am 8. Oktober 1944 bereits fleißig „trainiert“ worden, doch beinhaltete diese „Tabula-rasa-Taktik“ – zumindest, was die unmittelbar an der Rur gelegenen Städte Düren und Jülich anging – ein entscheidendes Manko in Gestalt der Rurtalsperren. Denn solange diese nicht im Besitz der alliierten Verbände waren, konnte man wegen der Gefahr eines Abgeschnittenwerdens der anglo-amerikanischen Soldaten auf dem rechten Ufer der Rur (bei Flutung derselben durch Öffnung der Talsperren von deutscher Hand) den Fluß – der vor seiner in den siebziger Jahren erfolgten Regulierung ohnehin sehr gefährlich sein konnte – nicht zu überqueren wagen. Von diesem durchaus logischen Standpunkt aus betrachtet war die völlige Zerstörung von Düren und Jülich am 16. November 1944 also auch im militärstrategischen Sinne mehr als fragwürdig, ganz abgesehen von den an anderer Stelle erörterten moralischen Aspekten.
Seit den Kämpfen bei und nach der Landung in der Normandie hatten die Alliierten – in erster Linie basierend auf den Erfahrungen des Durchbruches von St. Lô – eine neue „Strategie“ entwickelt, nach der man bei konsequenter Ausnutzung der absoluten Luftüberlegenheit zunächst die gegnerischen Stellungen in Schutt und Asche bombte, ehe die Bodentruppen zum Angriff übergingen, und dies sollte, bei geringer Modifikation, auch das Grundmuster der ab dem 30. Oktober 1944 in Planung befindlichen „Operation Queen“ darstellen. Bei grundsätzlicher Feder- respektive Waffenführung des VII. Korps der 1. US-Armee wurde hier festgelegt, daß der Angriff – je nach Wetterlage – zwischen dem 5. und 16. November, jeweils nicht später als 14 Uhr, stattfinden sollte, wobei drei Geschwader schwerer Bomber der 8. US-Luftflotte das Gebiet um Langerwehe und Eschweiler anzugreifen hatten, denen 15 Minuten später die Bodentruppen des VII. Korps der 1. US-Army folgen sollten, weshalb in diesem Gebiet nur Zielbombardierungen vorgesehen waren. Dazu sollten elf Geschwader mittlerer Bomber der 9. U.S.A.F. Aldenhoven und Linnich (nochmals) möglichst vollständig bombardieren, darüberhinaus mußten sechs Jagdbombergeschwader des IX. „Tactical Air Command“ (TAC) der US-Luftwaffe die Bodenaktionen des VII. Korps abschirmen und deutsche Nachschublager – wo immer man solche vermutete – zerstören, während vier Geschwader des XXIX. TAC Dörfer und Städte im Operationsgebiet der 9. US-Armee angreifen sollten. Viel bedeutsamer war jedoch der Umstand, daß die Führungsstäbe der 1. und 9. US-Armee das „Bomber Command“ der RAF darum gebeten hatten, zwei Stunden nach diesen amerikanischen Luft-Boden-Angriffen die Städte Düren, Jülich und auch Heinsberg dem Erdboden gleichzumachen. Dabei sollten sich die Briten aufgrund der räumlichen Nähe der US-Bodentruppen ausschließlich auf die Innenstädte konzentrieren, derweil die 1. und 9. US-Armee entgegen der Auffassung von Arthur Harris ausdrücklich verlangten, „(...) daß in Düren und Jülich die Gebäude zum großen Teil zerstört und somit Straßen verschüttet werden (...) [und] nur die bebauten Flächen – also die Innenstädte – der Zielgebiete mit Bomben belegt werden sollen.“
Ein überraschendes Faktum! Ausgerechnet Harris, der Befürworter des „moral bombing“, der Mann, der entsprechend seinem „Plan“ des „Eine Stadt nach der anderen“ – so zumindest der Bericht der neutralen schwedischen Zeitung „Svenska Dagbladet“ vom 4. November 1944 – nun alle unmittelbar hinter der Frontlinie von den Vogesen bis zur holländischen Küste liegenden Städte (angeblich) wegen des durch sie an die Front gehenden deutschen Nachschubs „ausradieren“ wollte, ausgerechnet dieser Mann sollte gravierende Einwände gegen die Auslöschung von Düren, Jülich und Heinsberg hegen? Natürlich nicht. Was Harris bei diesem Ersuchen der amerikanischen Luftstreitkräfte störte, war ganz einfach deren taktische Konzeption, das hieß die Verbindung der Luftangriffe mit den Operationen der (amerikanischen) Bodentruppen: Entsprechend mehr Rücksicht (auf die US-Landstreitkräfte) mußte genommen und sich auf die unmittelbaren Kerne der drei Städte kapriziert werden – vielleicht liegt hierin eine Erklärung für die Tatsache, daß Düren nur im Geviert seiner alten Stadtmauern nahezu vollständig zerstört worden ist!
War der Höhepunkt der „Operation Queen“ in Gestalt der Ausradierung von zwei respektive drei Städten wirklich notwendig? Neben den moralischen Aspekten kann man wohl vom militärstrategischen Standpunkt aus behaupten, daß – neben der erwähnten verabsäumten Eroberung der Rurtalsperren – der Aufwand in keinem Verhältnis zum schließlichen Ertrag stand und daß die gesamte „Operation Queen“ ein grandioser Fehlschlag gewesen ist, wie das Kriegstagebuch des Bomber Command feststellte: „The American advance was not a success (...) The infantry advance was slow and costly.“ Beinahe mysteriös wird der Vorgang, wenn man die de-facto-Anstrengungen der amerikanischen Bodentruppen ins Kalkül zieht, da jene sich offensichtlich – ganz im Gegensatz zum gigantischen Materialaufwand – wenig ins Zeug gelegt zu haben scheinen, Düren auch tatsächlich einzunehmen. So berichtet die 12. deutsche Infanterie-Division für den 16. November 1944: „Die eigenartige Erfahrung [sic] aus diesem für einen Frontabschnitt einmaligen Luftbombardement ist, daß im Verhältnis zu dem Riesenaufgebot an Flugzeugen und Bombenlast die personellen und materiellen Verluste auf seiten der angegriffenen [deutschen] Front verhältnismäßig gering [im Gegensatz zu den üppigen „personellen Verlusten“ auf seiten der Zivilbevölkerung] waren.“ Und auch der überaus hellsichtige Dürener Schriftsteller und Grafiker Ernst Neumann-Neander notierte in seinem Tagebuch unter dem 16. November 1944: „Trotz allem, man hat nicht den Eindruck eines ernsthaften Durchbruchversuches. Weder südlich noch westlich (...).“ So läßt sich denn konstatieren, daß die enorme und uneingeschränkte Lufthoheit der Alliierten im Rahmen der Luft-Boden-Kooperation bei der „Operation Queen“ nicht dazu genutzt worden ist, das eigentliche militärstrategische Ziel – nämlich das Vorrücken der alliierten Verbände bis zur und eventuell über die Rur hinweg – zu erreichen. Was man hingegen erreichte war die Tatsache, daß das einst anmutige und allen Glanz der „Gründerzeit“ widerspiegelnde Düren noch im März 1945 von einem Sonderkorrespondenten der „New York Times“ als „The blackest area in Germany“ bezeichnet werden mußte.