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Dokumente deutscher Kriegsschäden. Evakuierte, Kriegssachgeschädigte, Währungsgeschädigte. Die geschichtliche und rechtliche Entwicklung, Hg. vom Bundesminister für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte
Band I, Bonn 1958

[Der Luftkrieg über Deutschland. … Die fünfte und letzte Phase (1944/45)]
S. 43ff.: Die Erde bebt
Den Luftkrieg gegen das deutsche Reichsgebiet führten die Alliierten weiter mit Schwerpunktangriffen. In den Monaten August bis November 1944 bildeten die „Ölziele“ (Hydrierwerke, Ölraffinerien, ab November in größerem Maße auch Öllager) den Schwerpunkt. Daneben galten die Angriffe im August hauptsächlich der Flugzeugindustrie und den Flugplätzen, von September bis November dem Verkehrsnetz (Eisenbahnanlagen und Wasserwegen). Im Dezember steigerten sich die Bombardierungen von Verkehrsanlagen, besonders der Eisenbahn, derart, daß von diesem Monat an bis März 1945 der Schwerpunkt zusammen auf den Öl- und Verkehrszielen lag. […]
Abweichend von der bisherigen Aufgabenteilung der britischen und amerikanischen Luftflotten unternahm die RAF im September 1944 ebenso viele Tages- wie Nachtangriffe; die 15. USAAF begann im November 1944 auch mit Nachtangriffen. Die bisher meistens bei Nacht von „Mosquitos“ ausgeführten Störangriffe fanden weiter und verstärkt statt. Infolge ihrer täglich wachsenden Luftüberlegenheit konnten die Anglo-Amerikaner bei Tag immer mehr auf Scheinangriffe und andere Täuschungsmanöver verzichten. Bei den Nachtangriffen benutzten sie jedoch zahlreicher als vorher größere „Störverbände“ von Sonderflugzeugen, die durch „Düppeln“ oder mit Störgeräten starke Bomberverbände vortäuschen, den deutschen Flugmeldedienst irreführen und einen falschen Einsatz der deutschen Nachtjäger erreichen sollten. Durch die „double blow“-Taktik wurden wieder sehr schwere Schäden angerichtet, zumal dabei neue, wirksamere Brandbomben in immer größerer Zahl auf die Städte und anderen Flächenziele fielen.
Im Verlauf des Vorrückens der alliierten Erdtruppen auf deutsches Gebiet wurde dieses nicht nur von strategischen, sondern auch von taktischen Kampfhandlungen der anglo-amerikanischen Flugwaffe betroffen. Neben ihrer unmittelbaren Beteiligung an den Erdkämpfen griff sie laufend Verkehrsziele in den Frontabschnitten an. Am 16. November 1944, dem Tag des Beginns der amerikanischen Offensive zwischen Aachen und Düren, wurden Verbände der 8. und 9. USAAF mit über 1200 schweren, viermotorigen Bombern und einer größeren Zahl von mittleren zweimotorigen Bombern und Jabos zur Verstärkung der Artillerievorbereitung auf taktische Erdziele eingesetzt. Düren, Jülich und Heinsberg wurden mit über 5600 Tonnen Bomben belegt.
Schwere Bombenangriffe gegen das deutsche Reichsgebiet wurden in den letzten neun Monaten des Krieges durchgeführt:
Im August 1944 10 bei Tag und 7 bei Nacht,
im September 22 bei Tag und 8 bei Nacht,
im Oktober 27 bei Tag und 11 bei Nacht,
im November 27 bei Tag und 11 bei Nacht,
im Dezember 19 bei Tag und 11 bei Nacht,
im Januar 1945 19 bei Tag und 12 bei Nacht,
im Februar 21 bei Tag und 11 bei Nacht,
im März 30 bei Tag und 12 bei Nacht,
im April 19 bei Tag und 11 bei Nacht.
[…]
Als schwerste Tagesangriffe – im allgemeinen der 8. USAAF – können genannt werden: [Düren, Jülich, und Heinsberg werden nicht aufgeführt]
[…]
Seit Ende 1944 warfen die Alliierten wieder und in immer größerer Zahl Flugblätter ab, die jetzt auch mehr und mehr Einfluß hatten. – Den Hauptzweck der unablässigen und noch gesteigerten Bombenangriffe auf deutsche Städte gibt Air Marshal Sir Arthur Harris offen zu („Bomber Command“, London 1948):
„Es muß mit Nachdruck gesagt werden, daß, von Essen [Krupp-Werke] abgesehen, wir niemals ein besonderes Industriewerk als Ziel gewählt haben. Die Zerstörung von Industrieanlagen erschien uns stets als eine Art Sonderprämie. Unser eigentliches Ziel war immer die Innenstadt.