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Montag, 27. Mai 1946
„Synagogenbrandstifter stellen sich vor
Kreuzau. Hier herrscht nach wie vor ein erzreaktionärer Geist, und es vergeht nicht eine Woche, wo nicht allerlei berechtigte Klagen auf unserer Redaktion angebracht werden. Jeder Klage können wir nicht Raum in unserer Presse geben, sonst wären wir gezwungen, manchmal eine Kreuzauer Beilage zu bringen.
Heute müssen wir nun wieder so einiges der Öffentlichkeit unterbreiten, um ihr zu beweisen, daß wir recht haben, wenn wir sagen, der Nazismus liegt zwar geschlagen am Boden, aber er glaubt bereits wieder die Zeit für gekommen, sein freches Haupt erheben zu dürfen.
So bewegt sich der ehemalige SS-Mann Christian Schmitz, Sohn des damaligen Ortsgruppenleiters Josef Schmitz, frech und dreist im Orte, dabei hätte er alle Ursache, sich still in den verborgensten Winkel zu verkriechen und allen aufbauwilligen Einwohnern möglichst weit aus dem Wege zu gehen. Wir haben nämlich noch nichts vergessen und werden auch vorerst so schnell nichts vergessen.
Wer ist dieser Christian Schmitz nun eigentlich? Um das Jahr 1937 oder 38 war er SS-Aufseher in dem berüchtigten KZ Buchenwald.
Damit brüstete sich damals sein Vater, der allgewaltige Ortsgruppenleiter von Kreuzau. Weiter war er einer der Haupträdelsführer, als die jüdische Synagoge in Drove in Brand gesteckt wurde, auch war er beteiligt an der Zerstörung verschiedener jüdischer Geschäfte und hat sich ganz besonders hervorgetan bei der Zerstörung der Läden und Wohnungseinrichtungen bei den Geschäftsleuten Geschwister Levy und Leopold Roer. Sein Komplize, nicht weniger aktiv, war damals der erst am 20. Mai nach hier zurückgekehrte SS-Mann Matthias Dohmen, der ebenfalls bei diesen Aktionen führend beteiligt war.
Diese Brüder tun heute ganz so, als hätten sie nie solche Verbrechen und Schandtaten begangen. Wie ist so etwas überhaupt möglich? Gibt es in Kreuzau keine Behörde, die, vom Geist der neuen Zeit beseelt, wenigstens in etwa die damaligen Verbrecher zur Rechenschaft ziehen könnte? Oder glaubt man, dies seien keine Verbrechen gewesen? Haben die dortigen Gemeindevertreter noch nichts gehört oder gelesen von den barbarischen Mißhandlungen in den KZ-Lagern, wo gerade diese SS-Aufseher die tonangeben[d]ste Rolle gespielt haben?
Hier könnte die Verwaltung der Bevölkerung treffend beweisen, daß sie von solchen Elementen weit abrückt. Dann würde die antifaschistische Bevölkerung auch Vertrauen zu ihr haben. So aber fragt man sich kopfschüttelnd, wie ist das nur möglich?“
Volksstimme vom 27. Mai 1946
Dienstag, 28. Mai 1946
Die innere Abteilung der Krankenanstalten ist soweit hergerichtet, dass stationäre Kranlke in dringenden Fällen aufgenommen werden können.
AVZ 29.5.1946; Domsta, 1940-1947, S. 421
Freitag, 31. Mai 1946
Die „Schweizer Spende“ nimmt in Düren ihre Tätigkeit auf. Ihre Fürsorge gilt in erster Linie Kleinkindern (Kinderspeisung) und alten Leuten.
AVZ 30.12.1946; Gaspers, Schweizer Hilfe. Die Spenden von schweizerischer Seite sind in den Quellen nicht immer aus einander zu halten. Es waren zwei verschiedene Organisationen, die „Schweizer Spende“ und die „Schweizerische Caritas“, wie sich aus einem Foto einer Spendentafel in der Sammlung Wilhelm Bürvenich, Düren, ergibt. „Schweizer Spende und Schweizer Caritas spendeten für die Aktion Düren-Jülich in der Zeit vom April 1946 bis März 1947 …“ (folgt eine Aufzählung); Domsta, 1940-1947, S. 421; Domsta/Krebs/Krobb, Zeittafel, S. 231
Montag, 3. Juni 1946
Städtisches Krankenhaus
Düren.  Die Innere Abteilung des Städtischen Krankenhauses Düren ist so weit hergerichtet, daß stationäre Kranke in dringenden Fällen aufgenommen werden können. Die Aufnahme erfolgt nach Maßgabe der freien Betten und nach der Entscheidung des Krankenhausarztes.
Volksstimme vom 3. Juni 1946
Mittwoch, 5. Juni 1946
Der vom Kreistag eingesetzte Entnazifizierungs-Hauptausschuss nimmt seine Tätigkeit auf.
AVZ 13.4.1946; AN 7.6.1946; AVZ 8.6.1946; Domsta, 1940-1947, S. 422
Mittwoch, 5. Juni 1946
Schwarzschlächterzentrale ausgehoben
Düren. In der Nacht vom 20. zum 21. Mai wurden aus einem Stall in Birgel zwei Kühe gestohlen. Die Polizei in Düren nahm daraufhin einen lang gesuchten Verbrecher fest. In dessen Unterschlupf in Gürzenich die beiden Kühe gefunden wurden. Nach den Feststellungen der Polizei  wurden dort in letzter Zeit mehrere Schwarzschlachtungen vorgenommen.
Aachener Volkszeitung vom 5. Juni 1946
Samstag, 8. Juni 1946
Amtsgerichtsrat Dr. Robert Pütz auf 12 Jahre zum Stadtdirektor gewählt; Amtsantritt am 11. Juni, im Amt bis Juli 1948; *Düren 3. Mai 1895, †Südfrankreich 25. Oktober 1981.
Aus dem Protokoll TOP 1 Wahl eines Stadtdirektors:
„[…] Von den eingegangenen 50 Bewerbungen seien nur 5 in die engere Wahl gekommen. Diese 5 Herren hätten sich hier in Düren vorgestellt, wären aber nach gewissenhafter Prüfung […] mit den einzelnen Parteivorständen aus den verschiedensten Gründen für den Posten eines Stadtdirektors nicht für geeignet befunden worden […] Die neue Gemeindeordnung bestimme, dass Stadtdirektoren bei Gemeinden von über 10.000 Einwohnern Berufsbeamte sein müssen […] Als ihm dann der Amtsgerichtsdirektor Dr. Pütz vor einiger Zeit zu verstehen gegeben habe, dass er bereit sei, das Amt des Stadtdirektors in Düren zu übernehmen, habe er (der Bürgermeister) ihn gebeten, seine Bewerbung einzureichen […] Der Bürgermeister führte weiter aus, dass die 3 Vertreter der einzelnen Parteien in der Hauptausschuss-Sitzung bereits gegen die Wahl des Dr. Pütz nichts einzuwenden gehabt hätten. […] Bürgermeister Hammans […] bestätigte Dr. Pütz, daß er von der Stadtvertretung einstimmig auf 12 Jahre gewählt worden sei.“
StAD, Ratsprotokolle; Amtliches Mitteilungsblatt für den Landkreis Düren, 1. Jg. Nr. 7 vom 15. Juni 1946; Personalakte; Domsta, 1940-1947, S. 422
Samstag, 8. Juni 1946
„Reise durch das Dürener Notstandsgebiet
Traurige Schulverhältnisse
In Zerkall besichtigten die Fahrtteilnehmer eine Volksschule, die als Notlösung in einer Gastwirtschaft untergebracht ist und an Primitivität ihresgleichen sucht. Den Hauptanteil der Schulkinder stellt die Gemeinde Bergstein, die noch über keinen eigenen Schulsaal verfügt. Die Kinder legen bei Wind und Wetter, Hitze oder Kälte, tagaus, tagein den Weg nach Zerkall zurück. Ihr Schuhwerk befindet sich meist in einem trostlosen Zustand. Die Schulbänke sind primitiv zusammengehauene Bretter. Damit die Kinder beim Schreiben auf den Knien nicht ermüden, haben sie sich selbst eine Auflegvorrichtung konstruiert. Nach Angaben von Kreisschulrat Hilgers fehlen im Kreise Düren etwa 2500 Schulbänke. In manchen Schulen kann nur bei schönem Wetter unterrichtet werden, weil die Dächer noch nicht repariert werden konnten.“
Aachener Volkszeitung vom 8. Juni 1946
Mittwoch, 12. Juni 1946
Eine Kommission aus britischen Fachoffizieren, deutschen Verbands- und Behördenvertretern prüft in Düren die Möglichkeit, Dürener und Jülicher Papierfabriken die Betriebserlaubnis zu erteilen.
AVZ 19.6.1946; Domsta, 1940-1947, S. 422
Freitag, 14. Juni 1946
„Aus dem Landkreis Düren
Düren.  Die Einwohner der Orte Ginnick, Muldenau, Embken, Wollersheim, Bürvenich, Eppenich, Juntersdorf und Füssenich sind von jeder Verkehrsverbindung abgeschnitten. Die nächste Bahnstation ist Zülpich oder Vettweiß, von den einzelnen Orten durchschnittlich ca. 8-9 km entfernt. Die meisten Berufstätigen, die zu ihrer Arbeit müssen, verfügen weder über ein Fahrrad noch über ausreichendes Schuhwerk […]“
Aachener Nachrichten vom 14. Juni 1946
Montag, 17. Juni 1946
Fünf deutsche Minenräumer und zwei britische Offiziere im Gürzenicher Wald bei Explosion getötet, zwei Personen schwer verletzt.
AN 21.6.1946; AVZ 22.6.1946; Amtliches Mitteilungsblatt für den Kreis Düren 1. Jg. Nr. 7 [vom 15.6.1946??]; Domsta, 1940-1947, S. 422
Sonntag[?], 23. Juni 1946
Nach mehrjähriger Unterbrechung zieht die Fronleichnamsprozession durch die Trümmerstraßen der Stadt.
Zeittafel 748-1248, S. 197; Domsta, 1940-1947, S. 422