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Georg Mallmann 05.09.46
Meine Wohnung Philippstr. 9 wurde am 16.11.44 zerstört und ich zog am 17.11.44 um, in ein Gartenhaus in den Schrebergärten an der Lendersdorfer Allee. Am 17.12.44 war das linke Rurufer von den Amerikanern besetzt. Am 21.12.44 besetzten die Amerikaner auch das Schrebergartengelände. Schon seit dem 16.11.44 lag Düren unter stärkerem Artilleriebeschuss, als vorher. Am 21.12.44 konnte ich die ersten großen Truppenbewegungen der Amerikaner in Rölsdorf, Gürzenich und auf der Waldstraße an Haus Hardt vorbei beobachten. Ich sah, wie amerikanische Soldaten Wege und Straßen passierbar machten und auch Straßenkurven verbreiterten.
In der Garten-Kolonie habe ich schlecht und recht von Gartenerzeugnissen gelebt. Am 21.12.44 haben mich die Amerikaner mit dem Auto nach Vicht gebracht. Ich blieb dort bis 23.12.44 und kam dann nach Aachen. Ich war kein Kriegsgefangener, sondern evakuierter Zivilist. Für Zivilisten war der Aufenthalt in der Kampffront nicht zulässig.

Georg Mallmann 05.09.45
Das Bürgermeisteramt war zuerst Paradiesplatz 6, dann Paradiesplatz 4. Hier war auch das Landratsamt. Bürgermeister war Herr Stiegler, und Landrat war Herr Seeger. Die Stadthauptkasse, das Wohnungsamt, das Einwohnermeldeamt, das Zuweisungsamt, alles war in einem Raum im Hause Paradiesplatz 2. Am 2.4.45 öffnete auch das Arbeitsamt (1. Leiter: Georg Mallmann). Das Arbeitsamt hatte zum ersten die Aufgabe, in der Erfassung aller Arbeitsfähiger zu Räumarbeiten. Jeden Vormittag wurde zum Aufräumen angetreten. Es waren damals noch sehr viele Männer aus Buir hier, die von der Besatzung wegen des großen Muni-Depots in Buir, nach Düren gebracht worden waren.
Zu sagen wäre noch, das die Gärten und Felder in Düren und in der Umgebung sehr verwahrlost und größtenteils ruiniert waren.
Besatzungstruppen waren in den Häusern in der Koenenstr., Tivolistr., Uhlandstr., Holzstr. und Goethestr. untergebracht. In der Heil- und Pflegeanstalt und in der Blindenanstalt und bei Zimmermann und Jansen in Rölsdorf waren Neger.
In Aachen kam ich ins Josefinium (Krankenhaus) und ich traf dort andere Evakuierte aus der Umgebung Dürens, also Leute, die nicht nach Osten geflohen waren.
In Aachen haben wir freiwillig Hausarbeiten verrichtet. Dafür bekamen wir doppelte Rationen. Zeitweise war ich die Hilfe für Frau Dr. Abel aus Aachen. Ihr Mann war ein Sohn des Lendersdorfer Arztes D.A., sie war bei den Schwiegereltern in Lendersdorf geblieben und kam so auch nach Aachen. In Aachen betreute sie die Insassen des Josefinium und einen Teil der Aachener Bevölkerung. Am 22.3.45 wurde ich von den Amerikanern zurück nach Düren, und wiederum mit dem Auto gebracht.
Ein Gebiet dessen Grenzen 6 km von Düren entfernt lagen, durfte anfangs nicht verlassen werden. Wer diese Vorschrift missachtete kam, wenn er gefasst wurde, ins amerikanische Gefängnis. Diese Gefangenen mußten die Leichen, die ziemlich zahlreich umher lagen, beerdigen. Und auch die Tierkadaver beseitigen. Zu den Arbeiten wurden aber auch nicht Verhaftete Dürener heran gezogen.
Der Eisenbahnverkehr auf der Strecke anch Aachen war intakt. Es wurden namentlich viele deutsche Soldaten als Kriegsgefangene nach dem Westen befördert.
Anzeichen oder Rückstände einer Überschwemmung habe ich in Düren nicht festgestellt.
Anfang April begann der 1. Friseur Kück aus Oberzier seine Tätigkeit in Düren. Die „Behandlung“ Haarschneiden war auf der Straße. Später kam der Friseur Witting, der sich in einem Haus am Paradiesplatz nieder ließ.

Georg Mallmann 05.09.46
Am 22.3.45 wurde ich durch amerikanische Soldaten mit dem Auto nach Düren gebracht. Über die Lebens- und Wohnmöglichkeiten in Düren habe ich mir unterwegs auh meine Gedanken gemacht, es waren nicht gerade die erfreulichsten. Sie wurden immer düsterer als ich durch die Fahrt auf der Landstraße nach Düren, mitten durch die „Todeszone“ fuhr, die in jeder Gestalt die Folgen eines geführten Krieges mit all seinen Zerstörungen aufwies. Mein „Einzug“ in Düren geschah über die Gürzenicher- und die Aachenerstraße und endete am Hoeschplatz. Das erste war die Registrierung bei der amerikanischen Mil. Behörde – sie war in dem Hause vor dem Eingang zum Gerichtsgefängnis untergebracht – und ich war schon der 12. (zwölfte) Bewohner des auferstehenden Dürens. Ich kehrte zu meinem Gartenhaus an der Lendersdorfer Allee zurück und brachte das Innere, des sich in sehr starkem Unstand befindlichen Hauses in Ordnung.
Am 23.3. machte ich meinen ersten Gang zur Stadt. Es war damals noch so, dass nicht alle Straßen von Zivilisten betreten werden durften. Auch die Johannisbrücke durfte nur mit einem besonderen Ausweis begangen werden. Diese Erlaubnis hatte ich nicht. Der Posten an der Brücke, ein Belgier ließ mich durch, aber ein Militärpolizist am Übergang Jahnstr./Rurstr. hielt mich an, verhaftete mich und brachte mich zur Kommandantur. Ich kam jedoch frei und durfte seitdem Brücke und alle Straßen passieren.
Fast alle Straßen Dürens waren damals noch angefüllt mit Schutt und namentlich auch mit Hausgeräten oder Teilen von solchen.
Für Fahrzeuge – der Verkehr mit Fahrzeugen und Fahrrädern war erst ab Mitte April gestattet – waren eigentlich nur die Straßen die zur früheren Front führten passierbar. Sie waren auch schon nach dem 16.11.44 durch die deutschen Truppen wenigstens notdürftig gesäubert worden. Es waren schon folgende Straßen: Kölner Land Str., Kölnplatz, Kölnstr., Markt, Oberstr., Zülpicher Str., Nideggenerstr., Kreuzstr., Bismarckstr., Schenkelstr., Wirtelstr., Eisenbahnstr., Hohenzollernstr., Friedrichstr., Burgstr., Van der Giese Str., Kirmesplatz, Bonnerstr., Lessingstr., Monschauerstraße.
Im Gesamten war Düren ein großer Trümmerhaufen, in dem es nach Leichen und nach Tierkadavern roch.
Die Stimmung in der Bevölkerung war verschieden, je nach dem Temperament des Einzelnen. Die Hauptarbeit war das Aufräumen seiner bisherigen oder seiner kommenden Wohnung. Auch eine Hauptarbeit war die Jagd nach Möbeln und Haushaltsgegenständen. An dieser Jagd beteiligten sich auch äußerst wacker die Leute vom Lande die die Möbel mit Fuhrwerken hier heraus holten. Das Betreten fremder Wohnungen und fremder Grundstücke war durch eine Anordnung der amerikanischen Militärbehörde verboten. Aber …?
Wer Kleidung gerettet hatte oder stahl, besaß welche. Der Aufenthalt in Düren war nicht angenehm. Es gab meines Wissens kein Licht und keine Kanalisation. Es ist eigentlich nicht notwendig auf die mit diesem Zustand verbundene Seuchengefahr besonders hinzuweisen. Die erste Wasserzapfstelle in der Gegend Paradiesplatz war in einem der kleinen Häuser vor der Eisenbahnbrücke in der Paradiesstraße. Eine zweite war später im Hause Bender in der Tivolistraße. Wasserzapfstellen waren ein Grund zur „Schlangenbildung“.
Und nun die Lebensmittel. Es gab je Woche 3 Pfund Brot. Auch konnt man das Essen aus der damals stark benutzten Gemeinschaftsküche in der Garage bei Tappert, Paradiesstr. beziehen. Es gab Suppen von Gemüse, Grütze, Kartoffeln. Diese Bestandstücke stammten wiederum aus den Gärten oder auch aus aufgefundenen Beständen in Häusern. Das Brot wurde in Stolberg gebacken.
Seit Mitte April war die Bäckerei Neuenhofer in Lendersdorf in Betrieb. Ende April arbeitete die Bäckerei Ramacher (Zülpicherstr.), Schröder (Karlstr.), Koerner (Schulstr.), Blome (Johanniterstr.).
Das erste Lebensmittelgeschäft war das von Krumbach, Paradiesplatz und die erste Metzgerei war die des Herrn Engelbert Brugard, ebenfalls Paradiesplatz. Anfangs ging das Einkaufen reibungslos vor sich. Mit der Zunahme der Bevölkerung bildete sich die bewußte „Schlange“ vor den Geschäften und im gleichen Verhältnis verlängerte sie sich.