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2001
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Eine Karte und ihre Folgen
Kurz vor Weihnachten, am 20. Dezember 2000,
lag in der Post eine Karte mit dem Absender
„Lendersdorfer“ die mich sehr nachdenklich und auch
traurig gemacht hat. Der Text, in Druckbuchstaben geschrieben,
lautet:
„Sehr geehrter Herr Pfarrer!
Wir möchten Sie fragen, ob am
Steinklotz Schneidhausener Weg noch eine
‘Mahnwache’ stattfinden soll evtl. für die von
der Judenbesatzung erschossenen Jugendlichen und Kinder der
Palestinenser. Andererseits bitten wir sie, die Kerzensreste
entfernen zu lassen.
Mit freundlichen Grüßen
Lendersdorfer“
Zunächst hielt ich diese Karte
für einen üblen und geschmacklosen Ausfluss einiger
„Reinlichkeitsfanatiker“, die sich dann aber auch
über die Öl- und Schmierflecken der dort abgestellten
Kraftfahrzeuge aufregen sollten. Dann aber – auch durch
Gespräche innerhalb des Hauses – angeregt, als eine
böswillige Polemik gegen Menschen, die an dieser Stelle
ihren Abtransport in die Vernichtung erfuhren. Sie mit der
sicherlich nicht glücklichen Situation in Palästina
und Israel gleichzusetzen, erscheint mir als höchst
ungerecht, um nicht eine schärfere Formulierung zu
gebrauchen. Durch zahlreiche Aufenthalte in Israel und
Palästina weiß ich aus eigener Anschauung, dass die
Situation in diesen Gebieten schwieriger und differenzierter
ist, als sie durch solche Schlagworte beschrieben wird. Sicher
ist das Schicksal des palästinensischen Volkes alles
andere als zufriedenstellend, aber es ist nicht im Geringsten
mit der Vernichtung des jüdischen Volkes in unserem Land
durch das Hitler-Regime zu vergleichen oder ihm gleichzusetzen.
Statt einer solchen anonymen Attacke – in welchem Namen
maßen sich die Verfasser an zu sprechen? –
hätte ich mir gewünscht, man hätte das
Gespräch gesucht. Dies biete ich immer noch gerne an.
Ausdrücklich möchte ich mich an
dieser Stelle bei all denen bedanken, die die Mahnwachen zum 9.
November seit vielen Jahren vorbereiten und durchführen
und bei den Lendersdorfern, die durch ihre Teilnahme ihre
Absage an allen Terror und alle Ausgrenzung offen und
öffentlich deutlich machen.
Rainer Gattys, Pfarrer
Pfarrbrief Weggemeinschaft St. Michael,
Lendersdorf, und St. Nikolaus, Rölsdorf, Nr. 1/2001
05.07.2001
Nazi-Gräuel schockten die Schüler
und Schülerinnen aus Vettweiß
Hauptschüler besichtigten das
ehemalige Konzentrationslager Sachsenhausen
Dürener Zeitung, Donnerstag, 5. Juli
2001 (1 Foto)
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