LogoGW.jpg
JuSchrift.jpg
1956 - 1960
Navi
1956
07.07.1956
Salli Goldschmidt, Ehrenpräsident der Jüdischen Gemeinde Aachen-Düren, der als einer der wenigen Dürener Juden die Deportation überlebt hat, stirbt im Alter von 86 Jahren.
DZ 09.07.1956; Domsta/Krebs/Krobb, Zeittafel, S. 262
Dienstag, 10.07.1956
„Salli Goldschmidt verstorben
Düren. – Im hohen Alter von 86 Jahren verstarb am Wochenende der Ehrenpräsident der Jüdischen Gemeinde Aachen-Düren, Salli Goldschmidt. Mit ihm ist einer der ältesten jüdischen Bürger der Bundesrepublik verschieden. Salli Goldschmidt lebte über 50 Jahre in Düren und erfreute sich viele Jahrzehnte der Achtung und Wertschätzung der Dürener Bürger. Dies hielt die nationalsozialistischen Machthaber aber nicht davon ab, den damals 71 Jahre alten Kaufmann und seine Ehefrau in das Konzentrationslager Theresienstadt zu verschleppen, aus dem das Ehepaar im Frühjahr 1946, an Körper und Seele gebrochen, wieder in die zerstörte Heimatstadt Düren zurückkehrte.
Salli Goldschmidt wurde 1870 in Bochum geboren. Vor 50 Jahren kam er nach Düren. Als Kaufmann erfreute er sich allgemeiner Wertschätzung und war viele Jahre Vorsitzender der „Vereinigten Kaufmannschaft“ Düren. Nach seiner Rückkehr in die Heimat bemühte sich Salli Goldschmidt besonders um die Wiedergutmachung an seinen ebenfalls vom Nationalsozialismus verfolgten Glaubensgenossen, indem er selbstlos sich bei Behörden und Gerichten namentlich für die im Ausland lebenden Juden einsetzte. Die kleine jüdische Gemeinde verliert mit ihm ihren eifrigsten Glaubensbruder, die Stadt Düren aber einen alteingesessenen Bürger, der als aufrechter Mann viele Leiden auf sich nehmen mußte, trotzdem aber nicht verzagte, sondern gegenüber allen seinen Mitbürgern immer hilfsbereit und aufgechlossen war.“
Dürener Zeitung, Dienstag, den 10. Juli 1956
1958
06.06.1958
[Name des Absenders] Düren-Rölsdorf den 6.6.58 [Adresse]
An den Herrn Pfarrer in Rölsdorf.
Sehr geehrter Herr Pfarrer.
In dem Pfarrbrief No.14/58 lese ich folgendes.
1.) Die Rölsdorfer Juden
[…]
dazu folgendes.
1.) a. Anbei 1 Bild von der Familie Roer-(Fromm) als Bruder, der um die Jahrhunder(t)wende nach Amerika schon ausgewandert ist. Vielleicht erkenne alte Rölsdorfer Bürger diese Beiden.-
Sollten Sie Verbindung mit den Nachkommen der Familie Roer haben so bitte ich Sie diesen das Bild zukommen zu lassen.
b.) Als in der Zeit des NS Regi[e]mes die jüdischen Geschäfte in Rölsdorf auch zerstört wurden, befand ich mich von 1939 bis 1942 im KZ Buchenwald.-Meine damalige Familie wohnte in dem Hause [Adresse] Eigentümerin [Name].
An dem Tage der Geschäftszerstörungen wurde(n) die Juden aus ihren Häusern geworfen. und wurde die Familie Roer insbesondere der alte Moses von meiner damaligen Frau in Schutz genommen und in unsere Wohnung aufgenommen.-
c.) Die Geschäftszerstörungen und Judenverfolgungen wurden leider auch von Rölsdorfern durchgeführt, wie von den SA Leuten Offermann und Strobel usw.- Strobel ist heute Angestellter im städtischen Bauamt Düren.-Strobel warf als erster, mit schweren Steinen das Schaufenster von Roer ein.-
d.) Wie wäre es wenn im Nappgelände-der alten Fabrikbauten-wo die Dürener Juden, damals wie Vieh alle zusammen getrieben wurden.-und dort auf den Tod durch Vergasung warteten, ein Ehrenmal errichtet würde.-
e.) Als ich im März 1942 versuchsweise für den Arbeitseinsatz aus dem KZ Buchenwald entlassen wurde, hatte sich diese Kunde bis ins Napplager der Juden herumgesprochen, zumal eine Frau Spieß, welche mit Ihrem Mann im Antifaschistischen Lager stand.und im Grüngürtel wohnte fast täglich die Verbindung mit dem Napplager und meinem Haus aufrecht hielt.
Einige Tage nachher kam abends im Dunkel, Isaak Fromm aus Gürzenich der ebenfalls im Napplager untergebracht war in meine Wohnung.- Seit 1925 waren wir beide befreundet und hatten uns zuletzt 1928/29 gesehen..-Ernste Blicke, fragend kreuzten sich.-worauf Fromm sagte, ich weiß alles, auch über die KZ.s. Wir Juden im Nappgelände wißen das wir alle bald sterben müßen, aber die Gerechtigkeit wird der Tyranei bald ein Ende machen.-Nach einer 1/2 Stunde trennten wir uns mit den Worten bis zum letzten zu kämpfen und zog Fromm im Dunkel der Nacht wieder ab zum Napplager.-
f.) Leider werden diese Geschehnisse der Hitlertyranei.welche die Nerotyranei noch übertrafen von den heutigen Behörden und der Öffentlichkeit nicht gewürdigt.-man lese nur den kleinen Fall.-Sommer-der auch mich einmal würgte,-und mein Häftlings-Kolonnen-Nachbar am Tage Nachher als Dampf durch den Krematorium-Schornstein von uns Abschied nahm.-
Deshalb, wo bleibt die Ehre für diese Opfer, insbesondere auch für das gemordete Judenleben.-
[…]
Kopie im Archiv der GW


Weiter                                                                 Zurück zum Anfang