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1935 Fortsetzung
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06.09.1935
Was meldet das Dürener Land
Dunkle Machenschaften
Vlatten, 6. September
Sowohl in unserer Gemeinde wie auch in
anderen Ortschaften werden Gerüchte verbreitet, nach denen
die Hausschlachtungen vom 1. Oktober ab verboten seien. Die
fetten Schweine müßten gegen Fleischkarten
abgeliefert werden. Wir erfahren hierzu von zuständiger
Seite, daß an diesen Gerüchten kein Wort wahr ist.
Jeder Volksgenosse, dem solche Gerüchte zu Ohren kommen,
hat die Pflicht der Gemeinschaft gegenüber, diese Leute
dem Ortsgruppenleiter zu melden. Es kann als bestimmt
angenommen werden, daß diese Geschwätze auf die
Machenschaften jüdischer Viehhändler und Metzger
zurückzuführen sind. Sie haben in der letzten Zeit
einsehen müssen, daß sie beim deutschen Bauern kein
Glück mehr haben. Jetzt, wo ihnen langsam aber sicher die
Felle wegschwimmen, versuchen sie auf diese Weise im
Trüben zu fischen. Wir werden ihnen aber zu begegnen
wissen.
Westdeutscher Beobachter, Freitag, 6.
September 1935
09.09.1935
Was meldet das Dürener Land
„Stürmer“-Kästen in
der Ortsgruppe Birgel
Rölsdorf, 9. September
In der letzten Mitgliederversammlung nahm
Ortsgruppenleiter Pg. Logauer zu der Judenfrage Stellung. Er
wandte sich gegen Provokateure aus den eigenen Reihen und
rechnete auch mit den Volksgenossen ab, die dem Kampf gegen das
Judentum nicht das notwendige Verständnis entgegenbringen.
Unwissenheit ist nicht zu entschuldigen, da es an der
Aufklärung durch Wort und Schrift nicht gemangelt hat.
Daneben ist jedem Volksgenossen durch Anbringung von
„Stürmer“-Kästen in allen Orten der
Ortsgruppe Gelegenheit gegeben, Einblicke in die verheerende
und volkszerstörende Arbeit des Judentums zu tun. Unser
Kampf gegen den Volksfeind muß unerbittlich sein und
erfordert die Kampfbereitschaft eines jeden Deutschen. Den
Unbelehrbaren sei gesagt, daß man sie in Zukunft nicht
vergessen und sich ihrer besonders annehmen wird. Wer glaubt,
den Verkehr mit Juden nicht meiden zu können, dessen Namen
wird demnächst auf einer besonderen Tafel öffentlich
bekanntgemacht.
Westdeutscher Beobachter, Montag, 9.
September 1935
12.09.1935
Was meldet das Dürener Land
Bodenlose jüdische Frechheit
Weisweiler, 12. September
Der Gipfel bodenloser Frechheit und
Provokation eines Parteigenossen bildet das Verhalten des
jüdischen Geschäftsinhabers Samuel Meyer in
Weisweiler. Dieser saubere Vertreter der
„Jordanplätscherer“ reichte, man lese und
staune, eine Beschwerdeschrift an die Ortspolizeibehörde
ein, die sich gegen einen Parteigenossen aus Weisweiler
richtete, weil dieser seinem Geschäft gegenüber in
Weisweiler in der Hauptstraße mit einem Fotoapparat in
der Hand gestanden habe. Dadurch würden seine Kunden als
Folge der kürzlich durchgeführten antijüdischen
Propaganda abgeschreckt, bei ihm kaufen zu können. Ferner
glaubte dieses Urbild des ewigen Juden, sich dafür
interessieren zu müssen, was der Parteigenosse jeden Tag
im Gemeindehause zu tun habe. Es ist unglaublich, daß ein
Jude, der nur im Land geduldet ist und dafür dankbar und
ruhig zu sein hat, noch auf ein Recht der Beschwerden zu pauken
glaubt. Jedenfalls ist dieser Einzelfall wieder ein Beweis
dafür, wie notwendig es ist, diesen jüdischen
Volksschädlingen entgegenzutreten. Hoffentlich
verfährt die Ortspolizeibehörde gebührend mit
dem Beschwerdeführer.
Westdeutscher Beobachter, Donnerstag, 12.
September 1935
16.09.1935
Was meldet das Dürener Land
Judenknechte ausgeschlossen
Ortsbauernversammlung in
Jakobwüllesheim
Jakobwüllsheim, 16. September
Am vergangenen Donnerstag fanden sich die
Ortsbauernschaft und die Landarbeiter zu einer gemeinsamen
Tagung zusammen. Ortsbauernführer Kurth wies auf dieses
einmütige Zusammengehen gebührend hin und betonte
dann die Notwendigkeit der Saatgutreinigung, zu der sich
sämtliche Bauern bereit erklärten. Dann schritt er
zur Kraftfutterverteilung, von der drei Landwirte wegen Handels
mit Juden und unsozialen Verhaltens ausgeschlossen wurden. Der
Teilnahme am Erntedankfest auf dem Bückeberg galten die
nächsten Ausführungen, durch eine vorgenommene
Sammlung kann einem oder zwei landwirtschaftlichen Arbeitern
die Teilnahme ermöglicht werden. In diesem Zusammenhang
wurden auch die Richtlinien des Urlaubs für Landarbeiter,
herausgegeben vom Treuhänder der Arbeit, verlesen, die
grundsätzliche Zustimmung seitens der Bauern fanden.
Zum Schluß sprach der
Ortsbauernführer noch über die Judenfrage und die
nationalsozialistische Agrarpolitik. Die Treue zum Führer
fand ihren Widerhall in dem dreifachen „Sieg Heil“.
Westdeutscher Beobachter, Montag, 16.
September 1935
26.09.1935
Amtliche Anzeigen
Handelsregistereintragungen
23.9.35 – 6 HRA 61
Firma Löwenstein-Freudenberg,
Düren: Der Kaufmann Leo Löwe ist verstorben. Das
Geschäft wird als offene Handelsgesellschaft seit dem 1.
August 1935 unter unveränderter Firma fortgeführt.
Persönlich haftende Gesellschafter: 1. Frau Leo Löwe,
Ida, geb. Löwenstein, Düren, 2. Ernst Löwe,
Kaufmann, Düren. Die Prokura der Frau Leo Löwe ist
erloschen.
Amtsgericht 6, Düren
Westdeutscher Beobachter, Donnerstag, 26.
September 1935, Anzeigenteil
26.09.1935
Dürener Gerichtschronik
Jüdische Rachsucht abgeblitzt
Düren, 26. September
Der 40 Jahre alte jüdische
Händler Albert Cohn aus Mechernich offenbarte vor dem
Dürener Schöffengericht, wo er wegen falscher
Anschuldigung zu 20 Mark Geldstrafe oder 4 Tagen Gefängnis
verurteilt wurde, wieder einmal ganz deutlich die niederen
Instinkte der Bosheit, Rachsucht und Gemeinheit, die seine
Rasse schlechthin kennzeichnen.
Wie die Verhandlung ergab, hatte der
Angeklagte seit einiger Zeit einen unbändigen Haß
auf einen Mechernicher Geschäftsmann, der in einem
Mietstreitigkeitsprozeß gegen ihn als Zeuge auftrat und
der dort nicht mehr und nicht weniger als die volle Wahrheit
sagte, die den Juden allerdings belastete. Seit diesem
Zeitpunkt verfolgte der Jude den Mann mit seiner geradezu
satanischen Bosheit. Jeden Abend legt er sich in der Nähe
des Geschäftes auf die Lauer und wartet darauf, ob nicht
nach 7 Uhr noch ein Käufer den Laden betritt. Viermal
erstattete er bisher schon Anzeige bei der Polizei, wobei er
allerdings wenig Glück hatte, da die Polizei den Juden und
seine Beweggründe richtig einschätzte. Zudem
erstattete er in diesen Fällen Anzeigen über
Fälle, die längst verjährt waren. Am 13. Juli
lag der Jude wieder im Hinterhalt und sah, wie ein älterer
Mann noch nach 7 Uhr ein Fläschchen Bier im Geschäft
des von ihm tödlich Gehaßten holte. Flugs lief er
wieder zur Polizei, um diese „Untat“ zu melden. Die
Sache kam aber ganz anders, wie „Itzig“ sie sich
gedacht hatte. Da der 13. Juli ein Samstag war und an diesem
Tag in Mechernich erst um 9 Uhr Ladenschluß – was
der Jude als Geschäftsmann hätte wissen müssen
– geboten war, durfte der Geschäftsmann also auch
nach 7 Uhr verkaufen. Nun aber hatte sich der Jude wegen
falscher Anschuldigung zu verantworten. Leider war es ihm nicht
mit Sicherheit nachzuweisen, daß er den
Geschäftsmann wissentlich falsch beschuldigt hatte, obwohl
er selbst zugeben mußte, daß er aus niederen
Racheinstinkten gehandelt hatte. Da nach der neuen Gesetzgebung
aber auch leichtfertige falsche Anschuldigung strafbar ist,
wurde der Jude – wie schon gesagt – zu 20 Mark
Geldstrafe oder 4 Tagen Gefängnis verurteilt. Nur mit
Rücksicht auf seine sehr schlechte wirtschaftliche Lage
sah das Gericht von einer höheren Strafe ab. Das Urteil
soll 8 Tage lang an der Gemeindetafel veröffentlicht
werden.
Westdeutscher Beobachter, Donnerstag, 26.
September 1935
11.10.1935
Dürener Gerichtschronik
Rasseschänder Paul Rosenthal zahlt
keine Alimente – Vier Wochen Haft
hk, Düren, 11. Oktober
Ein waschechter Vertreter der
jüdischen Rasse, Paul Rosenthal aus Vettweiß, stand
gestern vor dem Richter, weil er sich in den letzten zwei
Jahren der Unterhaltspflicht für ein von ihm mit einem
deutschen Mädchen gezeugten (!) Kind entzogen hatte.
Man sah es diesem Juden mit seiner flachen
Stirne, den vorstehenden Backenknochen, den dicken
Augenwulsten, der fleischigen Unterlippe und dem brutalen Kinn
an, daß er sich wohl ein teuflisches Vergnügen
daraus gemacht hatte, deutsche Mädchen seiner Gier
gefügig zu machen, die er später achtlos beiseite
warf und in größter Not zurückließ.
Inzwischen hat er eine Artgenossin zur Frau genommen.
Die Verhandlung ergab, daß der
Angeklagte seit Ende des Jahres 1933 keinen Pfennig mehr
für das von ihm in die Welt gesetzte Kind bezahlt hatte,
obwohl er von zuständiger Stelle immer wieder dazu
aufgefordert wurde. Da ihm sein unheilvolles Gewerbe als
Viehhändler rechtzeitig gelegt worden war, riet man ihm,
sich nach einer anderen Erwerbsquelle umzusehen. Obwohl er ein
großer kräftiger Mensch ist, hatte der Jude aber
anscheinend recht wenig Lust, sich sein Brot durch seiner
Hände Arbeit zu verdienen. Ein Angestellter des
Dürener Arbeitsamtes sagte aus, daß man beim
Arbeitsamt darauf bedacht gewesen sei, dem Juden Arbeit zu
verschaffen, damit dieser für sein Kind aufkommen
könne. […]
(Kopie des identischen Artikels, erschienen
am 12.10.35 im Lokalteil Schleiden, aus Arntz)
Westdeutscher Beobachter, Freitag, 11.
Oktober 1935
09.12.1935
Bericht der Staatspolizeistelle für
den Regierungsbezirk Aachen an das Geheime Staatspolizeiamt
Berlin, betr. die politische Lage – Auszug –
[…]
In Langerwehe Bezirk Düren wurden an 6
verschiedenen jüdischen Geschäftshäusern
Aufschriften mit roter Ölfarbe aufgemalt, die lauteten:
Räuber, Schieber, Saujude, Itzig, die Juden sind unser
Unglück, Juden raus, Viehschänder und sofort pp.
Derartige Vorkommnisse zeigen, dass immer
noch nicht in allen Bevölkerungskreisen bezw.
Parteigliederungen die nötige Disziplin in der Judenfrage
herrscht, und es hier noch mancher Erziehung bedarf.
[…]
HStAD, RAA, PB Nr. 1034 (S. 72; S. 74-78),
in: Lepper II, S. 1194
Montag, 23.12.1935
Der Landrat Beaucamp weist
ausdrücklich darauf hin, dass „Einzelaktionen“
gegen Juden, d.h. die nicht von der Reichsleitung der NSDAP
angeordnet sind, zu unterbleiben haben.
GA Niederzier, zit. nach: Dominicus,
Chronik des Amtsbezirks Nörvenich 1932-1946, 2. Aufl.
2005, S. 28
1935/36
Das Schuljahr 1935/36 verlief ruhig,
wenigstens nach außen hin. Denn immerhin begann man
pflichtgemäß mit Luftschutzübungen, und –
weitaus folgenschwerer – der israelitische
Religionsunterricht wurde aus dem Lehrplan gestrichen und in
der Schule nicht mehr erteilt.
1880-1980. Städtisches
Rurtalgymnasium Düren, Festschrift zum 100jährigen
Bestehen, S. 32
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