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1800 - 1825
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1800
Bl. [=Bevölkerungsliste] Nr. 2486
Isaac Seligmann, 51 J. a., Hausierer, Haus Nr. 558, Ehefr. Hendel Goel, 40 J. a.
Rp. [=Ratsprotokoll] Quintidi d 25 Pluviose 8. j. d. R. (=14.2.1800)
Seligmann Isaac zeigte an, das Er sich mit seiner Ehefrau Hendel gohl dahier niederlassen und mit Ellen Waaren handlen wollen, Verlangte ins bürger register eingetragen zu werden - eingetragen
Geuenich, Josef, Bürgeraufnahmen der Stadt Düren 1607-1800, S. 299
1802
An Unruhen sollen u.a. Hirz aus Zülpich und besonders Moyses Nöthgen aus Sinzenich beteiligt gewesen sein. Besonders schlimm war ihr „christlicher“ Kumpan Johann Müller, der aus Schönau bei Münstereifel stammte und zu den grausamsten Mördern der damaligen Zeit gehörte. Auch der Jude David Isaak aus Nideggen hatte einen schlimmen Ruf. Zur gleichen Zeit hatte sich ein gewisser Engelbert Jungblut, aus Flamersheim gebürtig und von Beruf Gerber, mit drei Handelsjuden aus der Zülpich-Dürener Gegend zusammengetan. Als Nathan Hirz und Simon Elias wurden zwei von ihnen auf Steckbriefen bezeichnet. Alle wurden am 10. Dezember 1802 in Köln zum Tode verurteilt.
Arntz, Judaica, S. 40
1806
Das ganze Roerdepartement, das in 4 Arrondissements Aachen, Köln, Krefeld, Cleve zerfiel, zählte im Jahre 1806 5484 Juden und zwar im Arr. Aachen 1416, im Arr. Köln 2012, im Arr. Krefeld 1571 und im Arr. Cleve 485. […] Das Arr. Köln zählte damals in seinen einzelnen Kantonen Bergheim 322, Brühl 251, Köln 124, Dormagen 226, Elsen 366, Jülich 221, Kerpen 120, Lechenich 151, Weiden 92, Zülpich 139, also insgesamt 2012 Juden.
Kober, Adolf, Das Namensregister der Kölner Juden von 1808, in: Mitteilungen des Gesamtarchivs der deutschen Juden, Jg. 1926, S. 41-53
1808
29.10.1808
Die in Düren wohnenden 42 Juden nehmen aufgrund einer Anordnung der französischen Behörden feste Familiennamen an.
STAD, Frz. Zeit A I 46, in: Domsta/Krebs/Krobb, Zeittafel, S. 79
1811
Zwei Nichtkatholiken sind in der Gemeinde [Merken]. Die Frau des Hermann Kaulen war eine „Calviniana“, und ein Jude lebte in Merken, übrigens der erste Jude, der urkundlich hier erscheint.
Sommer, Josef, Merkener Geschichte, Essen 1985, S. 225
1814
26.09.1814
Die Stadt, einschließlich Distelrath, hat 4.777 Einwohner; männlich 2.308, weiblich 2.469; katholisch 4.341, lutherisch 110, reformiert 285, jüdisch 41 […]
STAD, PrZ 16, in: Domsta/Krebs/Krobb, Zeittafel, S. 80

[Familie Philipp Berg aus Dirmerzheim, Gustav Schwarz aus Lüxheim]
Unsere Geschichte beginnt mit Joseph Berg, der 1814 geboren wurde, zuerst in Brüggen und später in Dirmerzheim lebte […]. Joseph Berg war von Beruf Viehhändler. […]
3 seiner Söhne – Jonas, Philipp und Markus Berg – blieben vor Ort und bauten sich eine Existenz als Viehhändler in Dirmerzheim und Lechenich auf. […]
Philipp Berg konnte damit eine Familie gründen. Er heiratete etwa 1890 Henriette Schwarz aus Lüxheim, die 5 Söhne zur Welt brachte: Joseph Berg, geboren 1891, Karl Berg, geboren 1892, Hugo Berg, geboren 1899, der als kleines Kind starb, Ernst Berg, geboren 1900, und Leo Berg, geboren 1904, der ebenfalls als kleines Kind starb. […]
Karl Berg, der zweitälteste Sohn, hatte die Volksschule besucht, einige Jahre auch die höhere Schule, ohne sie zu beenden. 1923 zog er von Dirmerzheim nach Lechenich um. Hier hatte 3 Jahre vorher Gustav Schwarz aus Lüxheim ein Haus in der Bonner Strasse für 57.000 Mark ersteigert, ein Haus, in dem die 1920 verstorbene Witwe des Elias Simon gelebt hatte. […] Keine Arztpraxis, sondern ein Geschäft eröffneten hier Gustav Schwarz und Karl Berg. Bei „Schwarz & Berg“ wurden vor allem gebrauchte Kleidung aus Armeebeständen, Schuhe und Stoffe angeboten. […]
Der Partner Gustav Schwarz, geboren 1882 in Lüxheim, besaß eine wohl klingende Baritonstimme und hatte eigentlich Opernsänger werden wollen. Einige Male schon war er als Solist aufgetreten. Als ihm ein festes Engagement angeboten wurde, lehnte er ab, denn als Opernsänger hätte er auch am Sabbat singen müssen. Und so assoziierte er, der fromme Jude, sich lieber mit Karl Berg, um Schuhe und alte Militärkleidung zu verkaufen. Immerhin: er sang als Vorsänger in der Synagoge von Lechenich und als Mitglied im Männergesangverein. 1936, als Karl Berg heiratete, zog er sich nach Lüxheim zurück, auch wenn er Geschäftsteilhaber blieb. 1938 versuchte Gustav Schwarz zu emigrieren. In Kaldenkirchen wollte er die Grenze überschreiten. Die Grenzbeamten aber entdeckten Korrekturen in seinem Pass, behielten ihn ein und kabelten an die Polizeiverwaltung in Lechenich: „In der Anlage übersende ich einen Paß des Juden Gustav Schwarz, Lechenich, der demselben bei der beabsichtigten Ausreise abgenommen und eingezogen wurde. Da auf Seite 4 Änderungen im Ausstellungs- und Gültigkeitsdatum vorgenommen wurden. Ferner ist der Stempel auf der Paßfotografie unvollständig und läßt die Annahme zu, daß das Bildnachträglich eingeklebt wurde. Ich bitte um umgehende Zurücksendung des Passes und Mitteilung, ob es sich um eine Fälschung handelt. Schwarz ist hier in Haft genommen.“ Die Rückmitteilung der Polizeiverwaltung Lechenich an die Staatspolizeistelle Düsseldorf erfolgte prompt: „1. Die Staatspolizei ist telefonisch benachrichtigt, daß die Veränderungen des Datums im Paß von hier vorgenommen worden sind. 2. Der Paß wird wegen der Veränderungen für ungültig erklärt und eingezogen.“ Gustav Schwarz war also nicht nur schuldlos an der Ausreise gehindert und verhaftet worden, er hatte überdies seinen Reisepaß verloren. Er mußte zurückreisen an seinen Heimatort. Neue Versuche, sich Ausreisepapiere zu besorgen, scheinen gescheitert zu sein. Einige Jahre später wurde Gustav Schwarz über Köln in den Osten verschleppt.
Archiv der Stadt Erftstadt, Nr. 2333.02, in: Bormann, S. 83ff.
1818
20.03.1818
Krefeld, 20. März 1818
Das Israelitische Konsistorium zu Krefeld an die Regierung, betr. Weitergeltung des Dekrets vom 17. März 1808
Nachdem durch die höchste Kabinets-Ordre vom 3. d. M. die mit dem 17. diesen Monats ablaufende Gesetzeskraft des die Juden [betreffen]den Dekrets vom 17. März 1808 bis auf Weiteres verlängert [worden], so beehren wir uns, Einer Hochlöblichen Regierung, [Bezug nehmend] auf den Artikel 7 des ge[nannten] Dekrets, ganz ergebenst [vor]zustellen, daß zur Zeit [der] Französischen Verwaltung [die] Gemeinde-Räthe allj[ährlich durch] die Departements-Präf[ekten zus]ammen berufen [worden] [(cf. Prtäfek]tur-Akten des Roer-[Departements] vom Jahre 1808, pag. 198-217, 1810, pag. 245, 1811, [pag. 357] und 1813, pag. 320), um [zur] Patentisirung der Handel[treibenden] Israeliten Certificate, [sowie die geforder]te Nachweisen aufzustellen, welche von den Unterpräfecten gesammelt und dem unterzeichneten Consistorio zur Begutachtung mitgetheilt worden; wonach alsdann, auf den Grund der genannten Nachweisen, die Ertheilung der den Handeltreibenden Israeliten nach dem bezogenen Artikel 7 erforderlichen Patente von der Departements-Behörde erfolgte.
Da nun bei Fortdauer des fraglichen Dekrets die Erhaltung der besonderen Patente für die Handeltreibenden Israeliten unumgänglich nothwendig wird: so bitten wir Eine Hochlöbliche Regeirung ergebenst, die Zusammenrufung der Gemeinde-Räthe und Aufstellung der gedachten Nachweisen in den zum hiesigen Consistorial-Bezirke gehörenden Stadt- und Landkreisen Aachen, Geilenkirchen, Heinsberg, Düren, Gemünd, Jülich und Erkelenz baldigst anordnen zu [wollen] und diese Nachweisungen zu unserer desfallsigen gut[achtlichen] Erklärung zukommen zu l[assen].
Zugleich müssen wir [eine] Hochlöbliche Regierung er[neut] darauf aufmerksam ma[chen, daß] die Ertheilung dieser Special-[Patente] in den letzten Jahren (1815, 1816, 1817) ganz unter[blieben] und von den verschiedenen [Verwal]tungs-Behörden gar nicht [ver]langt worden. Durch die [Nicht]beobachtung dürften nun [sich] Fälle ereignen, wo den [Israeliten], z.B. bei etwaigen aus [früheren] Epochen herrührenden [Pflichten], die ohne ihr Verschulden [erfolgte] Nichtpatentisirung zum g[roßen Nach]theile gereichen, und sie eines Theils oder wohl g[ar des] ganzen Vermögens verlu[stig gehen].
Daher können wir nicht entbrechen, eine H[ochlöbliche] Regierung hierdurch zu bitten:
in die pro 1818 zu ertheilenden Patente zugleich ausrücken zu lassen, daß dieselben für die letzten vier Jahre ebenfalls Kraft und Gültigkeit hätten, mithin die Stelle derjenigen Patente mit verträten, welche in diesen Epochen zu ertheilen nicht beachtet worden, und halten wir uns, im Vertrauen auf die gerechten Einsichten Einer Hochlöblichen Regierung versichert, daß Hochdieselbe diesem, auf der größten Billigkeit gegründeten Gesuche genigtest deferiren werde.
HStAD, RAA Nr. 2470 (Bll. 35-36, stark beschädigt), in: Lepper I, S. 544

Die Stadt hat 4.978 Einwohner, 4.542 Katholiken, 278 Reformierte, 110 Lutheraner, 48 Juden.
Geuenich, Straßennamen, S. 223
1820
Im Jahre 1820 lebten im Regierungsbezirk [Aachen] insgesamt 1668 Juden. Hiervon lebten im Stadtkreis Aachen 96 und in den Landkreisen Aachen 121, Düren 409, Jülich 471, Heinsberg 213, Geilenkirchen 132 und Gemünd 133 Juden. Aus den übrigen Landkreisen wurden keine Juden gemeldet.
Weber, Hans: Die jüdische Bevölkerung im Regierungsbezirk Aachen, in: 150 Jahre Regierung und Regierungsbezirk Aachen. Beiträge zu ihrer Geschichte, Aachen 1967, S. 125
1825/26
„Denkschrift“ („Darstellung“) betr. die Verhältnisse der Juden in der Rheinprovinz
(u.a.)
A. In Bezug auf Population
[…]
§ 4. […]
Die Städte, wo die meisten Juden wohnen, sind
[…]
im Reg.-Bezirk Aachen Aachen mit 110
    Linnich  70
    Düren   52
    Jülich   50
B. In Bezug auf kirchliche Verfassung […]
E. In Bezug auf Abgaben […]
RhPA Köln, Nr. 373, Bll. 5-39 (endgültige, den Landständen vorgelegte Fassung); Abdruck: Kastner, S. 99-121; Auszug in: Lepper I, S. 565ff.


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