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Synagoge (Forts.)
1921-26
Kirchen- und Religionsangelegenheiten
c) Synagogengemeinde
Die Synagogengemeinde zählt ca. 400
Seelen. Sie wird von dem Vorstande, bestehend aus 3 Mitgliedern
und 12 Repräsentanten, verwaltet. Der Männerverein,
der 75 Mitglieder umfaßt, und der Frauenverein mit 100
Mitgliedern steuern der Not, die weite Kreise der Gemeinde
erfaßt hat. Im Jahre 1922 wurde die Synagoge dank der
Opferwilligkeit der Gemeindemitglieder innen und außen
renoviert, so daß dieselbe zu den Sehenswürdigkeiten
der Stadt gezählt werden darf. Auf der einfachen
Gedenktafel sind die 10 Heldensöhne aus der hiesigen
Synagogengemeinde zum heiligen Gedächtnis verzeichnet. Der
einzige Lehrer und Kultusbeamte Oppenheim kann in diesem Jahr
sein 25jähriges Ortsjubiläum feiern.
Für die Belebung des geistigen Lebens
und für die bessere Würdigung des Judentums sorgen
der Jüdische Jugendverein mit über 100 Mitgliedern
und der „Zentralverein deutscher Staatsbürger
jüdischen Glaubens“ mit 60 Mitgliedern.
Bericht über den Stand und die
Verwaltung der Gemeindeangelegenheiten der Stadt Düren vom
1. April 1921 bis 31. März 1926, Düren 1926, S.
105ff.; S. 135
1931
05.10.1931
Nächtlicher Brand
Lüxheim, 4. Okt. Verflossene Nacht
weckte ein hellauflodernder Brand die Bewohner des Oberdorfes.
Das Feuer hatte bereits die mit Heu, Stroh und Holz
gefüllte Scheune der Geschwister Schwarz in Schutt und
Asche gelegt. 15 Hühner kamen in den Flammen um.
Nachbarliche Hilfe rettete das bedrohte Wohnhaus und
schützte die dicht an am Brand liegende Synagoge vor dem
Feuer. Immerhin bietet der Vorfall Grund genug, bei aller
Sparsamkeit in der Gemeindeverwaltung dennoch eine Nachtwache
einzurichten gegen Brandgefahr und Diebe – wenigstens
für die Wintermonate.
Zeitungsbericht unbekannter Provenienz,
Slg. Kaiser
1936
Israelitische Gemeinde.
Synagoge: Schützenstraße 20
Gottesdienst: Samstags morgens um 9 Uhr.
Vorsitzender des Synagogenvorstandes:
Hermann Löwenstein.
Lehrer und Prediger: Oppenheim.
Rendant: M. Oppenheim.
Synagogendiener: Louis Holländer.
Adreßbuch der Stadt Düren
1936/37
1938
26.11.1938
Abschrift des Kaufvertrages über das
Synagogengrundstück zu Düren zwischen Hermann
Löwenstein und Eduard Schnitzler als Vertreter der
Synagogengemeinde zu Düren vor dem zur Beurkundung von
Verträgen bestimmten Beamten Vermessungsrat Julius
[Nachname unleserlich gemacht]
Kopie im Archiv der GW
02.12.1938
Sitzung des Finanz- und Verfassungsbeirats,
2. Dezember 1938
9. Grundstücksangelegenheiten
a) Ankauf des Synagogengrundstückes
Entschließungsentwurf: „Die
Stadtgemeinde Düren erwirbt von der Synagogengemeinde
Düren nachgenannte an der Schützenstraße
gelegene Grundstücke:
Grundbuch von Düren Band 75 Blatt 1207
Flur 34 Nr. 767/13 groß 19,90 ar
Hofraum
Flur 34 Nr. 483/13 groß 0,40 ar
Wegefläche.
Der Kaufpreis beträgt 30.000 RM
abzüglich 3.000 RM für Niederlegung und Entfernung
der noch vorhandenen Gebäudereste, mithin 27.000 RM. Der
Kaufpreis ist zahlbar nach Umschreibung. Die Notar- und
Grundbuchkosten und die Grunderwerbssteuern gehen zu Lasten der
Stadt.“
Der Vorsitzende erklärte, daß
befürchtet werden müsse, daß das
Grundstück wegen seiner bevorzugten Lage bald in andere
Hände übergehen und für Zwecke genutzt werde,
die dem Bebauungsplan der Stadt entgegenstünden.
Außerdem habe die Stadt, da der hintere Teil des
Grundstückes an den Anna-Peltzer-Garten angrenze, ein
besonderes Interesse an dem Erwerb. Das Mittelstück
könne vielleicht an die Anlieger der Marienstraße
abgegeben werden. Der vordere Teil bleibe Baugelände.
Einwendungen wurden nicht erhoben.
19.12.1938
Tagung der Ratsherren, 19. Dezember 1938
B) Nichtöffentliche Sitzung
c) Grundstücksangelegenheiten
[…]
2. Ankauf des Synagogengrundstücks
Der Erwerb des Synagogengrundstückes
durch die Stadt ist zu empfehlen, um eine einwandfreie Bebauung
an der Schützenstraße durchführen zu
können und zur Ergänzung des Anna-Peltzer-Parkes. Der
Kaufpreis ist angemessen, der Einheitswert des Grundstücks
ohne Gebäude beträgt RM 30.249,—
Entschließungsentwurf:
Die Stadtgemeinde Düren erwirbt von
der Synagogengemeinde Düren nachgenannte an der
Schützenstraße gelegene Grundstücke:
Grundbuch von Düren Band 75 Blatt 1207
Flur 34 Nr. 767/13 gross 19.90 ar Hofraum
Flur 34 Nr. 483/13 gross 0.40 ar
Wegefläche
Der Kaufpreis beträgt RM
30.000,— abzüglich RM 3.000,— für
Niederlegung und Entfernung der noch vorhandenen
Gebäudeteile, mithin RM 27.000,— Der Kaufpreis ist
zahlbar nach Umschreibung. Die Notar- und Grundbuchkosten und
die Grunderwerbsteuer gehen zu Lasten der Stadt.
Ratsherr Mumm richtete an den Vorsitzenden
die Bitte, das Grundstück der früheren Synagoge nicht
als Bauplatz, sondern als Parkplatz zu verwenden. Es sei
notwendig, daß für den Marktplatz ein Parkverbot
erlassen würde, da die Geschäftsleute durch das
Parken der Autos stark geschädigt würden. Auch
müsse daran gedacht werden, für die
Wirtelstraße ein Parkverbot zu erlassen. […] Der
Vorsitzende stimmte […] Mumm zu und teilte mit, daß
das Stadtbauamt zur Zeit mit der Ausarbeitung eines Planes
für Parkplätze beschäftigt sei.
Bedenken wurden von den Ratsherren nicht
erhoben.
[…]
10.11.1938
Im ganzen Reich organisierte
Ausschreitungen gegen die Juden
(„Reichskristallnacht“). In Düren werden
Läden zerstört und geplündert, die Synagoge in
Brand gesetzt und 26 Männer in die Konzentrationslager
Buchenwald und Sachsenhausen deportiert.
Domsta, Hans J. (Hg.), Die
„Reichskristallnacht“ in Düren.
Tagebuchaufzeichnungen eines Augenzeugen [Lambert Derichs], in:
DGBll. 74, 1985, S. 61-70; Repgen, Konrad, Ein belgischer
Augenzeuge der Judenpogrome im November 1938 in Köln, in:
Festgabe Heinz Hürten zum 60. Geburtstag, hrgg. von Harald
Dickerhoff, Frankfurt am Main 1988, S. 409; Naor/Robrock, S.
65; Domsta/Krebs/Krobb, Zeittafel, S. 205
10.11.1938
Dann kam jene Nacht des Erschreckens, die
viel besser als unsere aufdringlichen Lieder die Erwachsenen
aus ihren schwarz-weiß-roten Träumen hätte
aufwecken müssen. Die Nacht vom 9. zum 10. November 1938,
die als Reichskristallnacht in die Geschichte eingegangen ist,
war ein erstes Alarmsignal und wurde dennoch wieder allzu
schnell und leichtfertig vergessen.
[…] Unser Lehrer hatte große
Mühe, uns die Notwendigkeit dieser Aktion
verständlich zu machen. Dabei verschwieg er uns
wohlweislich seine wahren Einsichten und Ansichten, denn als
Mitglied der Partei hatte er ja alles gutzuheißen, was
geschah. Mit keinem Wort erwähnte er die Niederbrennung
der jüdischen Synagoge. Wir Kinder erfuhren erst nach der
Schule davon und gingen natürlich hin, um uns auch das
noch anzusehen. Längst war das Innere der Synagoge
ausgebrannt, das Dach zusammengestürzt, und nur noch
schwacher Feuerschein drang durch die leeren Fensterhöhlen
nach außen. Allein die verrusten Außenmauern waren
übrig geblieben. Später wurden auch sie abgerissen,
und übrig blieb ein leerer öder Platz.
Mainz, Alexander: Ein bürgerliches
Leben, Erzählung, Aachen 1979, S. 124-125.
1939
22.05.1939
Tagung der Ratsherren, 22. Mai 1939
Nichtöffentlich
3. Grundstücksangelegenheiten
e) Verkauf einer Gartenfläche
„Da die 7 Hausgrundstücke an der
Marienstraße nur eine Gartentiefe von 6-8 m Tiefe haben,
ist die Stadt bereit, den Eigentümern aus dem
früheren Synagogengrundstück einen Streifen von rd. 8
m Tiefe zu verkaufen […]“
02.07.1939
Tagung der Ratsherren, 2. Juli 1939
Nichtöffentlich
7. Grundstücksangelegenheiten
f-k) Verkauf einer Gartenfläche (aus
dem ehemaligen Synagogengrundstück)
1954
20.07./28.03.1955
Vergleich der Stadt mit der Jewish Trust
Corporation in der Rückerstattungssache des von der Stadt
1938 erworbenen Synagogengeländes an der
Schützenstraße.
Domsta/Krebs/Krobb, Zeittafel, S. 258;
StAD: HuFP 1954, S. 181; RP 1055, S. 307
1978
09.11.1978
Reichskristallnacht vor 40 Jahren
erschütterte Deutschland:
Als in Düren die Synagoge brannte
1938 zählte Düren 295 Juden
– Über 100 kamen in Vernichtungslagern um –
Erinnerung an Schreckensstunden
Von Baltar M. Schmitz
Dürener Zeitung, 9. November 1978 (3
Fotos)
11.11.1978
Gegen Antisemitismus hilft nur
Aufklärung
Vortrag über die Geschichte der Juden
in Düren – Gedenktafel soll an die Synagoge erinnern
[Rolf Dörr]
Dürener Zeitung, Samstag, 11.
November 1978 (1 Foto)
11.11.1978
Mit teuflischer Brutalität gingen sie
vor
Alter Dürener berichtet über
Vernichtung der Synagoge – „Ich komme och
drahn“ – Mehr als eine Ehrenpflicht
Von Baltar M. Schmitz
Dürener Zeitung, Samstag, 11.
November 1978
1981
14.08.1981
Gedenkstein für die Dürener
Synagoge
Dürener Nachrichten, 14. August 1981
(1 Foto),
17.08.1981
Erinnerung an Dürens Synagoge
Dürener Zeitung, 17. August 1981 (1
Foto),
14.09.1981
In der Schützenstraße wird eine
Gedenkplatte enthüllt, die an die 1938 in der Nähe
während der sog. „Reichskristallnacht“
niedergebrannte Synagoge erinnert.
Domsta/Krebs/Krobb, Zeittafel, S. 307
17.09.1981
Lebendiges Gewissen der Stadt
Gedenkstein in der
Schützenstraße erinnert an die frühere
jüdische Synagoge in Düren
DLA, 17. September 1981 (2 Fotos),
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