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Synagoge
Seit 1241/42 werden Juden in Düren erwähnt. Nach der Vernichtung der Gemeinde zur Zeit des Pestpogroms siedelten sich Juden vor 1370 wieder an, 1404 lebten mindestens acht Familien in Düren. Bereits vor 1600 hatten sie eine „Juddenschol vf dem Vehmarkt“ eingerichtet. Während des 17. und 18. Jahrhunderts erhielten mehrere Familien ein Geleit. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts lebten im Landratsamt Düren etwa 600 Juden, etwa 10% davon in der Stadt Düren. Nach dem Gesetz von 1847 wurde die Kreissynagogengemeinde Düren konstituiert, die mehrere Filialgemeinden umfasste: Düren, Drove, Gey, Pier, Embken, Langerwehe, Lüxheim, Gürzenich, Weisweiler und Vettweiß. Am 16. August 1858 bestätigte das Oberpräsidium der Rheinprovinz ihre Satzung. Die Mitgliederzahl stieg bis 1926 auf 951, davon zählten 557 Juden zur Filialsynagogengemeinde Düren.
Im 17. und 18. Jahrhundert befand sich ein Lehr- und Betraum im Hause Kölnstraße, heute Nr. 24. Die Synagoge in der Schützenstraße 20, auf deren Gelände sich ebenfalls eine Schule befand, wurde 1869 erbaut und Ende Mai 1872 eingeweiht […, siehe hierzu auch: Allgemeine Zeitung des Judenthums, Jg. 36, 1872, Nr. 43 v. 22.10.1872, S. 851-852]
Vor ihrer Renovierung im Jahre 1921 zeigte die Synagoge außen orientalisierende Formen. Während das Gebäude an den Seiten durch Pilaster, zwischen denen unter dem Dachansatz ein Rundbogenfries verlief, wohl in sieben Achsen gegliedert war, unterteilt sich die Fassade horizontal und vertikal. Polygonale Strebepfeiler rechts und links vom rundbogigen Eingangsportal enden in üppig verzierten Türmchen mit kleinen Kuppeln, die einen Magen David [„Schild Davids“, einen aus zwei gleichseitigen Dreiecken gebildeten Stern, der seit der frühen Neuzeit als jüdisches Symbol verwendet wird] tragen. Auch wird die Fassade außen jeweils durch Pfeiler mit etwas niedrigeren Türmchen und Kuppeln begrenzt. Über dem Eingangsportal ist ein Drillingsfenster in Rudnbogenform eingelassen, darüber, unter einem Blendbogen, eine Fensterrose mit dem Davidstern. Rechts und links vom Portal befinden sich Zwillingsfenster, die sich im ersten Stock wiederholen und dort ebenfalls mit Blendbogen und hier mit kleinen Fensterrosen versehen sind. In der Mitte unterhalb der Balustrade ist die Inschrift „Kommet, daß wir uns beugen vor dem Ewigen“ (Ps 95,6) in hebräischer Sprache zu lesen. Horizontal ist die Fassade durch dunklere Mauerstreifen und einen Plattenfries gegliedert, der auf weniger als halber Höhe verlaufend dem Gebäude eine gewisse Schwere verlieh. Nach der Renovierung dominierten die vertikalen Elemente: die unteren und oberen Fenster wurden durch einen hohen rundbogigen Rahmen zusammengefaßt, ebenso der Mittelteil mit Portal und Drillingsfenster; der Rundbogen über demselben war durch einen Treppengiebel ersetzt worden. Die Pfeiler waren kanneliert und die Türmchen ihres Zierats weitgehend entledigt. Statt des Rundbogenfrieses unter dem Abschluß der Fassade verlief nun darüber ein gezacktes Band.
Ein Foto während eines Gottesdienstes zeigt die üppige Bemalung der Wände mit stilisierten Pflanzenmotiven und hebräischen Inschriften sowie die Sitzordnung mit den Frauen auf der rechten und den Männern auf der linken Seite des Hauptraumes. Die Synagoge verfügte anfangs über ein Harmonium, später über eine Orgel. […]
Feuer an Dein Heligtum gelegt. Zerstörte Synagogen 1938 Nordrhein-Westfalen, Bochum 1999, S. 126-128

Um 1500 wird eine judenschoele erwähnt, in den vor 1600 angelegten Weistümern der Stadt Düren ist von einer Juddenschol auf dem Vehmarkt die Rede. Ein Lehr- und Betraum befand sich im 17. und 18. Jahrhundert in einem Haus in der Kölnstraße, das damals mit der Nummer 24 bezeichnet war. Vielleicht meinte der Krefelder Oberrabbiner Dr. Bodenheimer diese Räumlichkeit, als er in einem Schreiben an die Regierung in Aachen vom 12. Mai 1853 bemerkte, daß in der Kreishauptstadt Düren nur ein „unansehnliches Betzimmer“ vorhanden sei, „das kaum die israelitischen EinWohner Düren’s aufzunehmen vermag.“
Der Neubau einer Synagoge in der Schützenstraße 20 gestaltete sich ausgesprochen schwierig: „Selten wohl forderte die Nothwendigkeit gebieterischer und unabweisbarer eine Gemeinde zum Baue einer neuen Synagoge auf, selten aber auch hatte eine Gemeinde gegen unüberwindlich scheinende Hindernisse härter zu ringen, um zum endlichen Ziel zu gelangen, als die unsrige.“ Als im Dezember 1868 gerade die Umfassungsmauern hochgezogen waren, tobte in weiten Landstrichen Europas ein Orkan, der in Düren auch die Fassade und eine Seitenmauer des Synagogenneubaus in einen Schutthaufen verwandelte. Kurz darauf erfolgte der Bankrott des Bauunternehmers und auch der deutsch-französische Krieg von 1870/71 wirkte sich hemmend auf die Bauarbeiten aus. Zudem konnte die finanzielle Lage der Synagogengemeinde als katastrophal bezeichnet werden. Offenbar hat die gesamte Dürener Bevölkerung sowie die Obrigkeit einen Beitrag zur Vollendung der Synagoge geleistet. Die christlichen Mitbürger überreichten Geschenke und zeichneten Aktien, die Kaiserin stellte zwei Geschenke als Gewinngegenstände zur Verfügung, die den Ertrag einer Verlosung in „eine nicht geahnte Höhe“ trieben. […, siehe hierzu weiter: Allgemeine Zeitung des Judenthums, Jg. 36, 1872, Nr. 43 v. 22.10.1872, S. 851-852]
Die neue Synagoge war ein trutzig wirkendes, massives Backsteingebäude auf rechteckigem Grundriß. Das im neo-islamischen Stil errichtete Bauwerk besaß im rückwärtigen Bereich einen apsisähnlichen Anbau. Die Schaufassade sowie die rechte Seitenfassade, hinter der sich bis 1920/21 die Frauen-Empore befand, deuteten Zweigeschossigkeit an. Die reich gegliederte Vorderfront war in drei Achsen ausgeführt. Die über die seitlichen Teile hinausragende Mittelachse besaß einen starken Akzent durch die polygonalen Strebepfeiler, welche zu überreich verzierten, mit kleinen Kuppeln versehenen Türmen aufragten. Gegliedert wurde das Mittelfeld durch eine rundbogige Eingangstür, darüber ein dreiteiliges Fenster, dessen Rundbögen in kleinen Konsolen endeten, sowie im darüberliegenden Bogen ein Rundfenster mit Davidstern. Ein weiteres Schmuckelement, das das Gebäude sogleich als jüdischen Sakralbau auswies, war der über dem Portal angebrachte Spruch in hebräischen Lettern: „Kommt, beugen wir uns vor Gott.“ Die Fassade wurde begrenzt von rechteckigen Pfeilern, die in polygonale Turmaufsätze übergingen, auf denen wiederum Kuppeln saßen. Rechts und links des Mittelfeldes waren im Ober- und Untergeschoß je eine Doppelarkade als Fensteröffnung. Die Fassade erfuhr eine horizontale Gliederung durch schmale Streifen dunkler gebrannter Ziegelsteine, einen Plattenfries, der sich über die gesamte Frontseite verkröpfte, und durch einen mit Gesimsen, Rundbogenfries und Ornamentbändern geschmückten Dachaufsatz.
An den Seitenfassaden war eine Blendgliederung mit Pilastern und Rundbogenfries zu erkennen; zwischen den Pilastern saßen auf der linken Seite hohe, durch beide Geschosse laufende Rundbogenfenster, auf der rechten Seite kleinere Rundbogenfenster im Ober- und Untergeschoß.
1920/21 entschloß sich die jüdische Gemeinde zu einer Umgestaltung der Fassade und der Inneneinrichtung unter Einschluß der Installation einer elektrischen Beleuchtungsanlage. Bei der Gelegenheit wurde auch das Schulgebäude renoviert. Finanziert wurden die Baumaßnahmen durch die Aufnahme einer Anleihe in Höhe von 200.000 Mark; laut Tilgungsplan wäre das Darlehen im Jahre 1942 zurückgezahlt worden. Die Fassade wurde verputzt, die Turmaufsätze präsentierten sich nun in purifizierter Form. Die neuen Architekturteile im Portalbereich und die Dachbekrönung mit Zacken, die den Dachaufsatz mit Rundbogenfries ersetzte, ergaben eine Verstärkung der orientalisierenden Stilelemente. Die neue Ausmalung des Innenraums, die sicher starke Farben nicht scheute, folgte expressionistischen Stilvorgaben. Es existieren zwei Photos, die das Innere des Gotteshauses offenbar nach der Renovierung zeigen. Demnach gab es in Düren keine Frauenempore. Männer und Frauen nahmen im Gottesdienstraum auf Bänken Platz, die nur durch einen Mittelgang voneinander getrennt waren. In der Synagoge wurde ein Gedenkstein für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs aufgestellt.
Elfie Pracht, Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen, Teil I: Regierungsbezirk Köln, Köln 1997, S. 89ff.

[zur Zerstörung der Synagoge siehe: Reichskristallnacht]

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