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Gebr. Hannemann & Cie. G.m.b.H.
(Forts.)
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1939
01.03.1939
Nachruf des Dürener
Männergesangvereins 1877 e.V. auf Emil Hannemann, der am
26. Febr. 1939 gestorben ist.
Westdeutscher Beobachter, Mittwoch, 1.
März 1939, Anzeigenteil
24.03.1939
Todesanzeige für Wilhelm Heinen
Betriebsführer und Gefolgschaft
der Firma Gebr. Hannemann & Cie.
G.m.b.H.
Westdeutscher Beobachter, Freitag, 24.
März 1939
1940
26.01.1940
Nachruf
Unerwartet verschied kurz vor Vollendung
seiner 25jährigen Tätigkeit unser treues
Gefolgschaftsmitglied
Herr Michael Bauchmüller
aus Gürzenich
....
Betriebsführer und Gefolgschaft der
Firma
Gebr. Hannemann & Cie. GmbH Düren
Westdeutscher Beobachter, Freitag, 26.
Januar 1940, Anzeigenteil
31.01.1940
Dürener Gerichtschronik
Frauen ohne genügend Ehrgefühl
Sie schenkten und verkauften einer
hamsternden Jüdin
Westdeutscher Beobachter, Mittwoch, 31.
Januar 1940, 2sp
02.02.1940
kleine Anzeige (ca. 20 x 35 mm)
Kisten
jede Menge und Größe
kaufen Gebr. Hannemann & Co.,
Düren-Rölsdorf
Westdeutscher Beobachter, Freitag, 2.
Februar 1940
13.04.1940
Handelsregistereintragungen
Neu-Eintragung
10.4.1940, A 1329: Hannemann &
Broß, Düren. Offene Handelsgesellschaft seit
1.11.1939. Persönlich haftende Gesellschafter: 1. Heinrich
Broß, 2. Wilhelm Hannemann, Ingenieure, Düren.
Westdeutscher Beobachter, Samstag, 13.
April 1940, Anzeigenteil
1944
12.09.1944
Marianne arbeitete heute im
Rüstungsbetrieb Hannemann Gebr., Rölsdorf. Siebenmal
war Luftgefahr und jedes Mal mußte sie diese Zeit in
einem Splittergraben verbingen.
Tagebuch Lambert Derichs, in: Domsta
1940-1947, S. 76
04.10.1944
Marianne seit Montag wieder bei Hannemann
mit halber Tagesarbeit.
Tagebuch Lambert Derichs, in: Domsta
1940-1947, S. 85
17.11.1944
Meldung des Hauptmanns der Reserve W.
Mockel über die Lage im Stadtteil Rölsdorf nach den
Luftangriffen vom 16. November 1944
[…]
Es brannten die Fabrikgebäude der Fa.
Gebr. Hannemann. […]
StAD B 360, in: Domsta 1940-1947, S. 149
1945
10.09.1945
Verzeichnis Dürener Firmen, die
für Heer, Marine und Luftwaffe gearbeitet haben,
angefordert vom Hauptquartier der Militärregierung, 10.
September 1945. Alle Firmen sind als
„teilzerstört“ bezeichnet.
[…]
Gebr. Hannemann G.m.b.H., Monschauer
Straße Heer
StAD B 375, S. 491, in: Domsta 1940-1947,
S. 96
1946
Ausländische Arbeiter in Dürener
Industriebetrieben. Eigenangaben Dürener Firmen aufgrund
einer 1946 von der Besatzungsbehörde durchgeführten
Befragung
[…]
Gebr. Hannemann & Cie. 34 Franzosen
[beschäftigt bis] Anfang Sept. 1944
StAD B 826, in: Domsta 1940-1947, S. 309
Else und Hermann Löwenstein waren die
Besitzer der Rölsdorfer Fabrik „Hannemann &
Co.“. 1938 wurde die Fabrik „zwangsarisiert“.
[…] Beide kamen in der Shoa ums Leben. […]
1896 versuchten zwei Brüder Hannemann
ihr Patent zu fabrizieren, brauchten aber Geld, und sie baten
meinen Großvater Abraham Löwenstein um Hilfe. Die
Schwester der beiden war Kassiererin bei
Löwenstein-Freudenberg. Das war die Verbindung zu unserer
Familie.
Mein Vater Hermann wurde nach Düren
zurückgerufen und wurde der Teilhaber der Firma
Gebrüder Hannemann & Co. Die Fabrik erzeugte
elektrotechnische Apparate, Installationsmaterialien, Eisen-
und Metall-Gießerei und Hammerwerk. Die Fabrik war in
Rölsdorf und hatte in späteren Jahren einen zweiten
Betrieb vor Gürzenich. Vater Hermann kaufte später
die Patente und zahlte die Brüder Hannemann aus.
1938 mußte die Fabrik an ein
Parteimitglied verkauft werden und das Geld bei der
Dürener Bank eingezahlt werden. – Das Geld war
für uns gesperrt!! 30. Januar 1956 wurde die
Rückerstattung durch die Wiedergutmachungskammer des
Landgerichts Aachen geregelt.
Dann wurde Gebr. Hannemann verkauft, und
wir drei Geschwister Löwenstein erbten zu gleichen Teilen.
[…]
Grete Kaufmann geb. Löwenstein, Brief
vom 22.06.1987, in: Naor/Robrock, S. 158
Gebr. Hannemann & Cie.
Die Firma Gebr. Hannemann & Cie. wurde
in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts von jüdischen
Mitbürgern gegründet. Das Unternehmen betrieb eine
Gießerei mit Modellschreinerei und Formerei an der
Monschauer Straße, Ecke Buschstraße.
Ein Foto von 1934 anlässlich
des 25jährigen Dienstjubiläums von Gottfried
Stöckler zeigt die damalige Belegschaft. In der Mitte des
Bildes sitzt rechts neben der Blumenschale Hermann Loewenstein,
einer der Inhaber, und links daneben Gottfried Stöckler.
Rechts neben dem Inhaber steht der kaufmännische Leiter
Fraubenius mit „Vatermörder“ und rechts hinter
ihm Johann Nett mit Schirmmütze. In der 1. Reihe von
rechts steht der Meister Kleres und links neben ihm Leo
Körtgen.
Das Foto von 1936 anlässlich
des 40jährigen Jubiläums von Franz Scheer zeigt den
Kollegen Timm in der Uniform der damaligen Machthaber. Die
jüdischen Eigentümer waren enteignet. Sie emigrierten
nach Schweden, England und Amerika. Als die jüdischen
Eigentümer vertrieben waren, wurden die Geschäfte
durch die Herren Angeneit und Böhninger
weitergeführt.
Nach dem Krieg führten die Herren
Werner (ganz links auf dem Bild) und Stupp das Unternehmen
treuhänderisch. Als die alten Eigentümer Loewenstein,
Simon, Dr. Kaufmann zurückgekommen waren, wurde das
Unternehmen an die Dalex-Werke der Familie Niepenberg in Wissen
an der Sieg verkauft.
Das Foto oben zeigt
Josef Knipprath in der Gießerei am Kupolofen. Die
Gießerei wurde schließlich im Laufe der 1970er
Jahre stillgelegt und das Gelände in den 80er Jahren an
die Baustoffhandlung Kilburg verkauft.
Knabel, Helmut, Gebr. Hannemann &
Cie., in: Rölsdorfer Geschichte(n), Düren 2002, S.
305f.
Die Firma Gebr. Hannemann & Co.,
Rölsdorf
Aus dem Adressbuch von 1910 geht hervor,
daß Abraham Löwenstein Teilhaber folgender Firmen
ist:
1) Löwenstein-Freudenberg und
2) Gebr. Hannemann & Co.
Sein Sohn Hermann Löwenstein ist
ebenfalls Teilhaber der Firma Gebr. Hannemann & Co.,
Düren-Rölsdorf, der damaligen Bürgermeisterei
Birgel zugeordnet.
Aus dem Schreiben der Bürgermeisterei
Birgel vom 17.5.1900 gehen folgende Daten aus den Anfängen
der neuen Firmeninhaber Löwenstein hervor (Auszug):
Rölsdorf, den 17. Mai 1900
Brm. dem Herrn Amtsanwalt zu Düren
zurückzusenden.
Der einzige Inhaber der Firma ist Abraham
Löwenstein zu Düren, die Gebrüder Hannemann sind
ausgetreten vor dem 10. Mai. Die Fabrik des Löwenstein ist
nach §16 der Gewerbeordnung Conzessionirt. Die
Conzessionsakten befinden sich auf dem Königlichen
Landraths Amte. Löwenstein hat seine conzessionirte Fabrik
wesentlich erweitert durch Herstellung eines Anbaus. In diesem
Anbau läßt derselbe arbeiten. Dort werden
Eisentheile hergestellt für Gasfabriken. In dem
conzessionirten Theile der Fabrik geschieht dasselbe, auch ist
eine Eisengießerei in demselben. Löwenstein hat die
Conzession für den Anbau beantragt, das Verfahren schwebt
noch, er läßt aber schon in dem Anbau arbeiten.
Dieses Schreiben war die Antwort auf eine
Anfrage des Amtsanwaltes Valerius, der von der
Bürgermeisterei Birgel prüfen ließ, ob durch
den Anbau eine conzessionierungspflichtige Anlage entstanden
war.
Die Maschinenfabrik und Eisengießerei
Gebrüder Hannemann & Co. GmbH ging Anfang Mai 1900 in
das Eigentum der Familie Abraham Löwenstein über. Der
von den neuen Besitzern beantragte und durchgeführte Anbau
läßt auf eine Expansion des Unternehmens
schließen.
In einem Schreiben der Firma Gebr.
Hannemann vom 20.9.1900, gerichtet an das
Bürgermeister-Amt Birgel, heißt es dann:
… Die seitens des Kreisausschusses
genehmigte Neu-Anlage ist fertiggestellt und wird am 28. ds. in
Betrieb gesetzt, wovon wir Sie hiermit in Kenntnis setzen.
Hochachtungsvoll
ppa Gebr. Hannemann & Cie. GmbH
gez. Hermann Löwenstein
Der Sohn des Abraham Löwenstein,
Hermann, unterzeichnet bereits im September 1900 mit ppa, hat
also Prokura.
Am 25.10.1900 teilen die neuen
Firmeninhaber Löwenstein bereits die Durchführung
einer neuen Auflage der Verwaltung mit:
An das Bürgermeisterei-Amt
Rölsdorf
Wir machen Ihnen hierdurch die Mitteilung,
daß der Speise- & Waschraum für unsere Arbeiter
fertiggestellt ist.
Hochachtungsvoll
ppa Gebr. Hannemann & Cie GmbH
gez. Hermann Löwenstein
Eine Mitteilung der Firma vom 11.1.1905,
gerichtet an das Bürgermeisteramt Birgel, gibt Auskunft
über die Zahl der damals Beschäftigten:
Wir beschäftigen in der Giesserei 23
Arbeiter, im ganzen Betrieb 82 Arbeiter. Wir stellen aus
Roheisen Eisengusswaren zweiter Schmelzung her.
Hochachtungsvoll
Gebr. Hannemann & Co. GmbH
Hermann Löwenstein
Das ppa fällt in diesem Schreiben
bereits fort, und man kann daraus folgern, daß Hermann
Löwenstein alleinverantwortlich Vollmacht besitzt.
Durch den 1. Weltkrieg werden die
wirtschaftlichen Verhältnisse schwieriger im Land. Mit
diesen Schweirigkeiten hatte auch die Firma Hannemann zu
kämpfen. Dieser Betrieb, der überwiegend Männer
beschäftigte, gab vielen Familienvätern die Chance,
ihre Familien zu ernähren. Viele junge Menschen aus
Gürzenich, Düren, Rölsdorf und Lendersdorf
erhielten dort eine Ausbildung für’s Leben.
Daß Betriebsklima und Sozialstruktur
des Unternehmens in Ordnung waren, deuten einige Fotos an, die
aus Anlaß von Arbeitsjubiläen entstanden sind.
Das erste Foto zeigt, etwa 1934, zum
25jährigen Arbeitsjubiläum von Gottfried
Stöckler die Belegschaft und die Geschäftsleitung [48
Personen]. Der Jubilar sitzt hinter einem Blumenkorb, neben ihm
der Firmeninhaber Hermann Löwenstein. Hinter dem Jubilar
steht Herr Dr. Kaufmann, der Brillenträger links vor [=
von] Herrn Dr. Kaufmann ist Herr Dr. Löwenherz.
Das zweite Foto [51 Personen], etwa 1936
aus Anlaß des 25jährigen Arbeitsjubiläums von
Franz Scheer aus Lendersdorf entstanden, zeigt schon deutlich
den nationalsozialistischen Einfluß im Betrieb. Der
Jubilar Franz Scheer ist wieder hinter dem Blumenkorb plaziert,
links von ihm sitzt der Firmeninhaber Hermann Löwenstein.
Rechts von ihm macht sich der Kollege Timm, wie man ihn damals
nannte, von der NS-Arbeitsfront mit einer dicken Zigarre breit,
eine wahrhafte Verkörperung des
„Herrenmenschen“. Es folgen nach rechts Dr.
Kaufmann, der damalige Obmann Hans Nett und Dr. Löwenherz.
Dr. Kaufmann und Dr. Löwenherz sind die
Schwiegersöhne des Hermann Löwenstein. […]
Leider mußte die Eisengießerei
aufgegeben werden, da der Markt für diesen Existenzzweig
keine Überlebenschancen mehr bot. Manch bewundernswerte
Ofenplatte oder manches Relief mit religiösem Motiv
entstand unter den geschickten Händen der Sandformer und
Eisengießer dieser Firma.
Müller, Regina, Um Heimat und Leben
gebracht, Düren 1989, S. 107-109
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