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Gerstenmühle
10.06.1935
Stadt und Kreis Düren
Abbruch an der Gerstenmühle
[Leserbrief]
Dürener Zeitung, 10. Juni 1935
29.01.1936
Abschied von einem malerischen Winkel
Der größte Teil der alten
Dürener Gerstenmühle wird abgebrochen
[…] Leider fällt dieses alte
Bauwerk nun auch der Spitzhacke zum Opfer, ja es muß
abgebrochen werden, da die Baufälligkeit des Gebäudes
ein längeres Stehenlassen einfach verbietet. das alte
Mühlenrad mit seiner Ueberdachung ist bekanntlich schon
vor einiger Zeit verschwunden. Nun wird auch der
größte Teil des Hauptgebäudes niedergelegt. Mit
den Arbeiten ist in den letzten tagen schon begonnen worden. Es
bleibt nur ein kleiner Teil, der für Wohnzwecke benutzt
wird, stehen. […]
Seit langen jahren liegt die Fabrik schon
wieder still. Die Gebäude, an die sich auch aus einer
dunkeln Zeit für die Dürener unerfreuliche
Erinnerungen knüpfen, verfielen immer mehr, bis nun keine
Möglichkeit ihrer Erhaltung mehr besteht.
Dürener Zeitung, 29. Januar 1936 (1
Foto, Aufnahme: C. Brandt),
14.11.1940
* Dachstuhlbrand. In der Gerstenmühle
hatte sich in einer Wohnung in der Nacht zum Mittwoch aus einem
Ofenrohrbrand ein kleiner Dachstuhlbrand entwickelt. Durch
seine starke Hitze hatte das Rohr mehrere Balken in Brand
gesetzt. Die Feuerwehr löschte in kurzer Zeit den Brand.
Der angerichtete Schaden ist unbedeutend.
Dürener Zeitung?, 14.11.1940
[Sammlung Kaiser]
24./25.04.1941
Am 24. und 25. April [1941] wurden die
jüdischen Bewohner Dürens in der alten
Gerstenmühle kaserniert. Aus ihren bisherigen
Privatwohnungen durften sie Möbel für 1 Zimmer
mitnehmen. Das übrige bewegliche Eigentum soll versteigert
werden, die eigenen Häuser wurden beschlagnahmt und
enteignet. Aus dem Erlös für diese
Vermögenswerte wird den Familien eine monatliche
Unterstützung zum Lebensunterhalt gezahlt. Das Essen soll
aus einer Gemeinschaftsküche bezogen werden. Drei
Dürener jüdische Personen sollen vorgezogen haben,
vorher in die Ewigkeit zu gehen.* Darunter ist ein
Fräulein C[…]. Die Juden aus Rölsdorf und
Umgegend brachte man in einem Raum der frühern Fabrik Napp
unter. Traurig aber wahr.
*Fußnote des Hg.: In der fraglichen
Zeit, März und April 1941, sind beim Standesamt Düren
drei Todesfälle von Juden beurkundet: Ein 59 Jahre alter
Mann, gestorben am 16. März 1941, Todesursache
Arteriosklerose; eine 83 Jahre alte Frau, gestorben am 20.
April 1941, Todesursache Herzmuskelentartung, Wassersucht,
Herzschwäche; eine 59 Jahre alte Frau, tot aufgefunden am
25. April 1941, Todesursache Schlafmittelvergiftung und
Erhängen (Freitod).
Tagebuch Lambert Derichs, in: Domsta,
Düren 1940-1947, S. 299
24.04.-03.05.1941
Auf Anordnung der Geheimen Staatspolizei
werden die jüdischen Bewohner Dürens in der
ehemaligen Gerstenmühle, Oberstraße 76b, kaserniert.
Ihre „überflüssigen“ Möbel und
Haushaltungsgegenstände kommen in das Gebäude
„Zur Altdeutschen“ und werden dort später
versteigert. Die Juden aus Rölsdorf und Umgegend bringt
man in einem Raum der früheren Fabrik Napp unter,
diejenigen aus weiteren Orten der Umgebung am 9. Mai in der
Thuirsmühle, Schneidhausener Weg 15, in Lendersdorf.
Domsta, Düren 1940-1947, S. 407 A 14,
15; StAD, S 1/230; Domsta/Krebs/Krobb, Zeittafel, S. 209
07.10.1948
Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses
[…]
3. Verkauf eines Teils der
Gerstenmühle
Die […] Prym’sche Verwaltung
hat gegen den Verkauf des Gerstenmühlengrundstücks
[…] Einwände erhoben, da bei Abschluß des am
6.11.1940 über das Grundstück getätigten
Kaufvertrags die Stadt Beschränkungen hinsichtlich der
Verwendung vorgesehen hätte. Der infrage kommende
Kaufvertrag liegt der Stadt vor. Irgendwelche Vorbehalte
über die Verwendung […] sind darin nicht enthalten
[…] .
Exzerpte F.G.
22.03.1952
[An die]
Allgemeine
Treuhand-Organisation
Hauptgeschäftsstelle
in
Hannover – Hildesheimerstr. 25
Betrifft: Amalie Capell, geb. Voss,
früher Düren, Kölnstr. 74
Bezug: Ihr Schreiben vom 17.3.52. AZ. B
13231 rot.
Die Witwe Josef Capell, Amalie geborene
Voss wohnte bis zum Jahre 1942 in Düren, Kölnstrasse
72. Seiner Zeit wurde sie in dem Sammellager in Düren,
Oberstrasse 76 b (Gerstenmühle) untergebracht, von wo aus
sie im gleichen jahre abtransportiert wurde. Ob und wo sie
heute noch lebt, ist hier unbekannt. Auch ist nicht bekannt, ob
Erben vorhanden sind. Frau C. gehörte der jüdischen
Religionsgemeinschaft an, und wurde unter deutscher
Staatsangehörigkeit geführt.
Nähere Angaben können nicht
gemacht werden, da hier sämtliche Unterlagen durch
Kriegseinwirkung verloren gingen.
Der Oberstadtdirektor
Im Auftrage
(Krings)
Stadtoberinspektor
Kopie im Archiv der GW
16.08.-03.09.1988
16.8.88: Besucher lassen vergessene
Schicksale lebendig werden
Besuch aus fünf Erdteilen – Eine
lange Geschichte der Juden in Düren, voll von Verfolgung
17.8.88: Ein erklärtes Ziel ist auch
der Dialog mit der Jugend
Eine Begegnung der Generationen nach 50
Jahren – 1843 gab es 580 Juden im Kreis (2. Folge)
[Korr. z. 16.8.] Otto Schnitzler lebt in
Israel
19.8.88: Vom Schiff aus ein letzter Blick
in die Vergangenheit
Ruth Loewy erinnert sich an ihre
Dürener Schulzeit – Die Kinder riefen
„Jude“ (3. Folge)
22.8.88: Die Synagoge brannte – Ein
Fanal der Zerstörungswut
Gerstenmühle war das Sammellager vor
der Deportation – Juden in Stadt und Kreis (4. Folge)
23.8.88: Die Gerstenmühle hat eine
wechselvolle Geschichte
Ein Trauma der NS-Zeit in Düren
– Streit mit Nachbarn wegen der Wasserrechte (5. Folge)
25.8.88: Ein begütertes Leben, aber
Verfolgung und Drangsal
Die Dürener Juden pflegten
internationale Beziehungen – Bedeutender Gelehrter (6.
Folge)
2.9.88: Staat und Zünfte
schränkten Rechte der Juden ein
Von den Behörden über
Jahrhunderte reglementiert – Der Streit der
Schlächter (7. Folge)
3.9.88: Schmerzliche Erinnerung an die
Stadt
Eine Schule der Juden gab es schon vor dem
Jahr 1600 (8. Folge und Schluß)
Von Baltar M. Schmitz
Dürener Zeitung, Serie zu den
angegebenen Daten (zahlr. Fotos),
13.11.1995
Weg von der „Gerstenmühle“
führte ins KZ
Mit der Kreis-Volkshochschule auf den
„Spuren der Juden in Düren“
Dürener Nachrichten, Montag, 13.
November 1995 (1 Foto)
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